kunstblogs

kunstmagazine und bildbände sind teuer. und wer liest kunstmagazine und kunstbücher in erster linie? natürlich künstler. also die die eigentlich nie geld haben.
das kunstforum zb. abonnierte ich während des studiums, hauptsächlich wegen der ausschreibungen.
eine ausgabe des kunstforums kostete damals 35 DM, heute 20 €. es erscheint vierteljährlich und die ausgaben sind in der regel ca. 3 cm dicke taschenbücher (ungefär die hälfte davon ist werbung).
neben dem kunstforum hatte ich ein abo des schweizer kunstbulletins, der texte zur kunst und natürlich der art (für hamburger fast eine lokalzeitung).
ganze schrankwände standen voll mit dem zeug weil das einhalten von fristen (kündigung des kunstforumabos nur 1x im jahr) nie meine stärke war.

wenn ich heute etwas über bestimmte künstler wissen will, über aktuelle ausstellungen, stipendien oder andere ausschreibungen, muss ich zum glück nicht mehr mehrere hundert euros im jahr ablaschen. heute benutze ich google und lese kunstblogs. das kostet nichts und der inhalt meiner regale befindet sich in kartons auf dem dachboden.

bislang habe ich 21 kunstblogs im feedreader, 18 englisch- und 3 deutschsprachige. im grunde ist dieses verhältnis ja plausibel, es gibt allerdings noch unendlich viel mehr englischsprachige kunstblogs, vornehmlich amerikanische, ich beschränke mich jedoch auf solche, die rss anbieten und ungekürzte rss-feeds die auch das bildmaterial einschliessen.

das tolle an diesen blogs ist die aktualität und die möglichkeit, sachen sehen zu können, die es nicht in die etablierten magazine schaffen. blogs ermöglichen auch völlig unbekannten orten und künstlern einen internationalen auftritt, während die holzmedien weiter die 50 gängigsten namen der letzten 2 jahre rauf und runter nudeln. in blogs kann ich fotos sehen von ausstellungen in galerien, die die redakteure der hochglanzmagazine garnicht kennen, weil sie auf galerien spezialisiert sind, die das geld haben, auf die gängigen messen zu gehen. in blogs kann ich texte lesen von künstlern über ihre eigenen arbeiten oder texte von künstlern über andere künstler oder texte von leuten, die zumindest das übliche prätentiöse kunstkritikgeschwurbel genauso nervt wie mich.

brauchbare deutschsprachige kunstblogs habe ich bisher allerdings kaum gefunden. viele sind offizielle blogs von genau diesen o.g. magazinen (die ich mittlerweile nur noch beim zahnarzt im wartezimmer oder bei uns im atelier auf dem klo lese).

die art zb. führt einen haufen interner blogs

Art 2.0: Die neuen Kunstblogger – täglich meinungsstarke und investigative Kunsthäppchen

geschrieben von einem haufen bekannter namen, wie der künstler daniel josefsohn oder der hamburger kunstvereinsleiter florian waldvogel.
josefsohn postet ausschliesslich werbeplakate oder werbeclips der volksbühne berlin, für die er derzeit als creativdirektor arbeitet, kommentarlos, und florian waldvogels letzter eintrag ist von kurz vor weihnachten.
der gesamtfeed ist ähnlich deprimierend: volksbühnen werbeplakate im wechsel mit konventionellen kritiken. der name des autors sagt mir zwar nichts, dafür aber die in seinen texten. seine letzten besprochenen ausstellungen waren: anish kapoor, daniel buren, franz west und max liebermann. steht über die nicht schon was in den letzten 100 art-ausgaben?

abgesehen von diesen „meinungsstarken und investigativen kunsthäppchen“, die keiner braucht, scheint mir, dass im deutschsprachigen internet immer noch verstärkt die grafikdesign- und streetartecke unter dem begriff „kunst“ publiziert. ein grund dafür könnte vielleicht sein, dass die bildende kunst szene fraglos die hinterwäldlerischste unter den künstlerischen disziplinen ist. viele haben einfach noch immer nichts am hut mit dem netz. geschweige denn mit computern. da sind die grafiker natürlich um einiges weiter vorn.

vielleicht kranken die kleineren deutschsprachigen blogprojekte aber auch an der vg bildkunst. so konnte das mittlerweile eingestellte kunst-blog.com die ihre artikel immer nur kurzfristig bebilderten, nach dem ablauf einer kurzen frist mussten die bilder raus genommen werden, wenn sie sich nicht finanziell ruinieren wollten. und kein kunstblog, ja überhaupt keine webseite kommt ohne bilder aus.

wie dem auch sei. hier eine liste der blogs und seiten die ich zur zeit lese:

VVORK
ARTNICKS
Contemporary Art Daily
the artblog
Painter’s Bread
SHARKFORUM: OPINION WITH TEETH
Art21 Blog
Art Fag City
hello my name is ART
C-MONSTER.net
(fundamental) PAINTING
LOOK INTO MY OWL
MW Capacity
ARTICULATED ARTISTS
Sparked » Culture
DRAGONAUT
LondonPainting
Art Splash
HoertAuf
rebel:art
Am Hochsitz

ausserdem noch ein ein weiterer artikel zum thema kunstblogs den ich eben gefunden hab.