mein wankender glaube an das gute im jurymitglied

ich hab das mit den jurys nie so ganz durchschaut. ich weiss nur: meine fürsprecher waren ausgerechnet immer die schüchternen, die sich am ende selber frugen, wieso sie mich eigentlich vorgeschlagen hatten.

so wie damals, als mir das wasser wieder mal bis zum hals stand. ich musste mein atelier aufgeben und konnte auch die wohnungsmiete kaum bezahlen.
die ausschreibung kam wie gerufen. ein jurymitglied rief mich an, ich könne mich für einen lehrauftrag bewerben. das gehalt war zwar auch eher ne art almosen, aber die miete hätte es wenigstens gesichert. man musste unter 35 sein (ich war 34 einhalb), weiblich, in hamburg ansässig und – bildhauerin.
die meisten jurymitglieder kannte ich persönlich und ich war ziemlich sicher, dass die meine arbeit zumindest respektierten. ausserdem hatte ich eine weile in privaten kunstschulen gejobbt, kann einigermassen reden und weiss sogar ein bischen was – konnte eigentlich nichts mehr schiefgehen.
(mehr …)

„Es ist schlimmer als Sie denken“, warnt ein Insider am Telefon, es könne wirtschaftlich sein Ende sein, sich in dieser Sache zu äußern.

Obwohl es schwer ist, einem Kartell nachzuweisen, dass es ein Kartell sein will, Furcht genug, um ein Kartell zu sein, verbreitet es schon mal.

als künstler bekommt man wirklich depressionen wenn man das liest

* * *

[nachtrag]
noch besser eigentlich aber ist der text zum selben thema von Andreas Koch und Peter K. Koch:
Provinz in Berlin / Zum vorläufigen Aus der Berliner Kunstmesse Art Forum – lesen!

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Schwules Museum

(Selbst)-Portrait
Abbilder und Netzwerke

Eine Ausstellung mit zeitgenössischer Kunst und Fotografie, kuratiert von Ulrich Dörrie

Mit Arbeiten von Jürgen Baldiga, Marc Brandenburg,
Boris von Brauchitsch, Julius Deutschbauer, Jochen Flinzer, Andreas Fux, Caroline von Grone, Esther Haase, Silke Helmerdig, Katia Kelm, Eike Laeuen, Jan Holger Mauss, Mark Morrisroe, Aron Neubert, Bernhard Prinz, David Robbins, Miron Schmückle, H.N. Semjon, Gerhard Spring, SUSI POP, Ingo Taubhorn, David Trullo, Wolf von Waldow, Sascha Weidner, Wrench & Franks

Ausstellung vom 7. Oktober 2011 bis 16. Januar 2012

Zur Eröffnung der Ausstellung
am Donnerstag, dem 6. Oktober 2011 um 19.00 Uhr
sind Sie und Ihre Begleitung sehr herzlich eingeladen.

20.30 h Performance von Julius Deutschbauer:
„Selbstportrait mit Mauss nach Prinz“

Führungen am 12. Oktober, 9. November, 7. Dezember 2011 und am 4. Januar 2012, 18 Uhr

Mehringdamm 61, 10961 Berlin
Tel. 030.69 59 90 50, Fax 030.61 20 22 89
www.SchwulesMuseum.de ,
kontakt@schwulesmuseum.de
Eintritt 5,00 €, erm. 3,00 €
täglich außer Di 14 bis 18 Uhr, Sa bis 19 Uhr

Abb.: Bernhard Prinz, Ohne Titel # 9, aus Parvenü, 2000