zurück in hamburg

gestern galerien-rundgang in hamburg.
wenn man gerade die hallen der berliner durchschritten hat, kommen einem die hamburger 1-zimmer-galerien irgendwie sehr kuschelig vor.

wenn man dann noch mit dorothea schlueter anfängt, die mit cirio eher mundgerechte formate präsentiert, hätte der kontrast zu berlin nicht grösser sein können.
in der ausstellung haben mir insbesondere die bleistiftzeichnungen von aleksandra chaushova gefallen. ein bischen wie dennis scholl, nur nicht so überkandidelt.

die nächste station war die admiralitätsstrasse. weil ich zu früh war vertrödelte ich die überflüssige zeit bei sautter & lackmann, der beste kunstbuchladen der stadt und vielleicht sogar der welt: seitdem ich dort mal mit namen angesprochen wurde, bin ich sautter & lackmann fan. ausserdem hatten die bis vor kurzem sogar einen katalog von mir. den hab ich dann aber selbst gekauft, weil ich keinen mehr hatte.

im hinteren ladenteil traf ich annette streyl. ich fragte sie, was das eigentlich für tolle steinskulpturen seien, die ich letztens irgendwo von ihr gesehen hätte.
nun macht annette streyl öfter mal was in stein, sie ist gelernte steinbildhauerin. was es denn genau gewesen sei, wann und wo ich es gesehen hätte, wollte sie wissen und hier endete der dialog.

das meiste, was in den admi-galerien gezeigt erinnere ich aber genauso wenig.

ganz gut gefallen hat mir christoph blawert bei den produzenten und völlig begeistert, fast verstört, hat mich khalil rabah bei sfeir-semler.
hängen geblieben bin ich ausserdem vor einem kassettenrekorder in der galerie priess, einer arbeit von wolfgang müller, der stimmen ausgestorbener vogelarten hat imitieren lassen.
hier gibt es ein ganz lesenswertes interview dazu.
erinnert hat mich das übrigens an dieses vogelgezwischter-projekt, was hier noch genauer erklärt wird.

die nächsten etappen waren die von mir sehr verehrte ingrid scherr bei white trash contemporary, danach alexandra birken im kunstverein und zuletzt stefan panhans bei conradi.

den kunstverein fand ich, naja ziemlich unmöglich.
vor einem strumpfhosenbild traf ich julia mummenhoff und quatschte mich fest. zehn lange minuten stand ich dabei vor den strumpfhosen und musste leider feststellen, dass man mich mit strumpfhosen, bügelbrettern, schaukelpferden und wäscheständern jagen kann.
als ich im zweiten semester war hantierte garantiert jede zweite kunststudentin mit strumpfhosen, latex und fell herum (ichselbst eingeschlossen) und jede die strickten konnte oder häkeln häkelte oder strickte. und zwar HAARGENAU SO!
ok, abgesehen von den zur zeit üblichen retro-einflüssen (in diesem fall arte porvera und objektkunst).

falls übrigens jemand das H&M plakat dazwischen kapiert hat, lasse ich mir das gerne in den kommentaren erklären.

apropos erklären: bevor mir ich ausstellung ansah, hatte ich die künstlerin ein bischen gegoogelt und stiess dabei auf einen text des kunstvereinsleiters waldvogel. ein auzug hieraus:

Durch die Kontextverschiebung erfahren ihre Fragmente eine Nobilitierung und brechen aus der reinen Selbstbezüglichkeit der Kunst aus. Die hybriden Konstellationen und die Kontrastierung der verschiedenen Materialien beziehen das “Außen” mit ein. Der Betrachter wird eingeladen, die Leerstellen zu synthetisieren und erfährt durch die offene Struktur des Werkes eine aktive rezeptionästhetische Konsequenz.

mehr worthülsen und komplett austauschbare phrasen sind wohl nicht möglich. für wen und zu welchem zweck man sowas schreibt, wird mir immer ein rätsel bleiben.
(aber immerhin muss man sowas dank internet ja nicht mehr selber schreiben)

in der gleichen rubrik gibt es übrigens auch einen text von harald falckenberg zu markus vater und (ausgerechnet) den würde ich sogar als ein beispiel dafür anbringen, dass es solche texte auch in “lesbar” gibt. falckenberg sagt darin so so schöne sätze wie:

Die großen menschlichen Themen scheint Markus Vater aus der Sicht eines halb schlafenden Schülers in der letzten Reihe des Klassenraums zu behandeln.

aber ich schweife ab.

die letzte etappe war stefan panhans bei conradi.
weil ein freund dort auf mich wartete musste ich mich etwas beeilen. ich war mit dem fahrrad unterwegs und obwohl ich schon oft dort gewesen bin, rief ich den freund von unterwegs noch mehrfach an, um mir den weg beschreiben zu lassen.
weil ich das orientierungsvermögen eines brummkreisels hab fuhr zunächst mehrmals an der galerie vorbei. ich rief abermals den freund an (“HIER IST KEINE GALERIE!”) und war schon kurz davor aufzugeben, da erblickte ich bekannte gesichter am strassenrand.
in der galerie war es abgedunkelt und leise, es lief ein video. auf der suche nach dem freund musste ich leider mehrmals durchs bild laufen und weil ich befürchtete, dass der freund inzwischen gegangen war, rief ich ihn einfach nochmal an.
das telefon klingelte ein paar meter hinter mir, klang aber wie neben mir weil der freund eine sirene als klingelton hat. die passte dafür aber ganz gut zum film.

stefan panhans kannte ich schon, als er noch in kleinen finnischen clubs spielte stricklieselwürste ausstellte. das war vor 20 jahren in einem schaufenster in der friedensallee, gemietet von den kommilitonen silvana toneva und christian jankowsi. alle fanden die würste ziemlich bescheuert aber panhans selbst trotzdem irgendwie gut.

mittlerweile hat er schätzungsweise aufgehört zu stricken. zumindest stellt er es nicht mehr aus, sondern videos und fotos. er ist einer der zähesten und umtriebigsten hamburger künstler und halte ihn für ziemlich herausragend, nicht nur seine arbeiten sondern ihn insgesamt.
besonders empfehlen würde ich übrigens seine stilleben-fotos und damit schliesse ich für heute.

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