sammler und gefühle

beim lesen des artikels über anselm reyles angebliches „aussteigen“ fiel mir ein abschnitt besonders ins auge:

die autoren Ackermann und Tittel fragen reyle:

Aber ein Sammler, der fünf große Reyles aus allen Werkphasen zu Hause hängen hat, könnte sich fragen: „Hat der Künstler das jetzt doch nicht so intensiv gefühlt?“

ich kenne reyles sammler leider nicht persönlich, habe aber schon einige vielsagende berichte mit gagosian-kunden gesehen und gelesen. und die erweckten eigentlich nicht den eindruck, als würde es da noch gross um gefühle gehen.

reyles antwort klingt dann auch eher ausweichend:

Das ist wahrscheinlich ein Denkfehler, wenn man annimmt, dass jedes Mal, wenn ein Künstler ein Bild macht, er dabei die intensivsten Erlebnisse hat. Das würde ich bestreiten. Ich glaube nicht, dass Andy Warhol bei jedem Siebdruck gleich die Tränen kamen.

und das verstehe ich nicht. wieso sagt er nicht einfach wie es ist? dass sammler seiner preisklasse sich garnicht so doll für die gefühle der künstler interessieren und dass die bei seinen arbeiten eh nicht sone rolle spielen. wieso tut er so als würde es ausser business- und PR-künstlern und emotionalen wracks nichts anderes geben?

ich kenne persönlich nur einen grosssammler der auf messen mit einkaufswagen geht. der jedenfalls wollte nie wissen, wie ich mich bei der arbeit gefühlt habe. ausser meinen beziehungsstatus wollte er auch sonst nie etwas wissen, weil er sich eh in der liga sieht, die MIR meine arbeit erklärt.
eine arbeit, die er vor 13 jahren gekauft hat, hat er immer noch nicht ausgepackt, ich habe aber die hoffnung noch nicht ganz aufgeben dass er eines tages anruft, wenn er die arbeit ausgepackt hat, und mich nach meinen gefühlen fragt.

nein, jetzt mal im ernst: ich gebe zu dass ich noch nie über gagosian verkauft hab. ich kann also nicht mit völliger sicherheit sagen, wie gross das interesse an künstlergefühlen ist bei sammlern, die sich bilder für ne halbe million leisten können.
ich kenne aber künstler, die von ihren (zugegeben nur mittelklasse-)galeristen nichtmal den namen des sammlers erfahren. wie soll da der künstler denn wissen, was der sammler denkt?
vielleicht denken die russischen oligarchen ja total viel darüber nach, was der künstler fühlt, was der aber nie erfahren wird weil der oligarch anonym bleiben will? das kann natürlich sein.