wiederholungen

„es wiederholt sich alles…“ sage ich zu meinem mann am abendbrottisch.
„genau. wir werden ohne zähne geboren und sterben ohne. ausserdem haarverlust und auf allen vieren laufen.“

was ich meinte war natürlich meine arbeit.
normalerweise finde ich beim kunstmachen wiederholungen ja immer eher doof so wie ich es nie kapiert habe, wieso wiederholungen unter künstlerInnen so beliebt sind, aber das ist eine andere geschichte (die ich auch schon hundert mal erzählt hab).
diese art von wiederholungen meine ich aber nicht. ich meine ich die unbeabsichtigten, die grossen kreise. und dann das deja-vue-hafte „huch, das kenn ich!“ – für mich ist sowas meistens ein gutes zeichen.

das letzte mal als mir so eine richtig große schleife passierte war zu beginn meines studiums an der HFBK. damals war es dort ja mode, nicht zu malen. es dauerte ein jahr, dann hatte ich auch keine lust mehr und machte mich auf die suche nach einem neuen material. was ich entdeckte war seife.
ich hatte aber schonmal mit seife zutun und das war im kindergarten. im kindergarten sollten wir jeder ein küchenmesser und ein paar stücke haushaltsseife mitbringen und daraus schnitzten wir fische und schildkröten. genau dasselbe machte ich 20 jahre später an der kunsthochschule (nur schnitzte ich da penisse).

jetzt ist wieder so eine zeitschleife passiert.
vor 30 jahren bauten meine schwester und ich zuhause städte. hauptsächlich aus bauklötzen und lego, aber auch aus sofakissen, decken, kartons, papier, fimo, knete, getrockneten hülsenfrüchten und nudeln. wir bauten schulen, krankenhäuser, läden, eine fabrik in der spiegeleier am fliessband hergestellt wurden, strassen, gärten und bahnhöfe. die einwohner der städte waren schlümpfe, playmo- und legofiguren, barbies, der cast von biene maja, pinocchio und sesamstraße.

mit der zeit verschob sich der fokus dabei vom rollenspiel hin zum aufbau. dieser dauerte oft mehrere tage und wenn alles irgendwann fertig war und die figuren einziehen konnten, hatte ich keine lust mehr.
mit 14 merkte ich, dass meine 3 jahre jüngere schwester in einer ganz anderen welt zu leben schien.
während sie fröhlich weiter spielte, sass ich frustriert in meinem zimmer. nicht nur, dass ich das rollenspiel scheinbar verlernt hatte, offenbar wurde es gesellschaftlich auch garnicht anerkannt, als 14-jähriges mädchen mit schlümpfen zu spielen!
im zimmer meiner schwester befiel mich jetzt blanker neid: die wohnungen ihrer figuren sahen viel virtuoser aus als meine! bei ihr war alles so schön chaotisch und improvisiert während bei mir der perfektionismus ausgebrochen war! kein wunder dass ich keine lust mehr auf rollenspiel hatte.
ich überredete sie sogar zu tauschen, mein steriles luxus-loft gegen ihre verschnörkelte spinner-laube, doch auch das brachte nichts.

was mir allerdings immer noch spass brachte war das malen. in der schule hatten wir damals das thema drucken: radierungen und linolschnitt. auf motivsuche nahm ich meine pocketkamera und fotografierte im zimmer meiner schwester ihr aktuelles bauklotzwerk und dessen bewohner.
die fotos waren alle unscharf aber es reichte aus, und ich zeichnete sie ab auf die druckplatten.
die fertigen drucke gefielen mir nicht besonders aber das machte nichts, es war gut, sie gemacht zu haben.

30 jahre später: wieder motivsuche. in letzter zeit hab ich mich wieder öfter selbst gemalt. wie schon früher bei den plastiken hat das hauptsächlich den grund, dass ich zufällig gerade da war. ausserdem hab ich selber keine grosse hemmschwelle was peinlichkeit angeht und nöl‘ auch nicht rum, wenn ich auf dem bild hinterher scheisse ausseh.
leider hatte ich in letzter zeit aber immer öfter bildideen, die über eine in der wanne sitzende person hinaus gehen. dafür bräuchte ich mindestens ein fotostudio, was ich nicht habe. räume kann ich malerisch verändern aber was ich nicht so gut fingieren kann, ist licht. ich weiss zwar auswendig, wie einzelne körperteile aussehen, aber nicht, wie es aussieht, wenn bestimmtes licht darauf fällt.

nun las ich kürzlich über michelangelo, dass der, wahrscheinlich aus ähnlichen gründen, wachsmodelle formte und sie mit kerzenlicht beleuchtete. das trifft sich ja gut, dachte ich, zufällig hab ich noch etwa 200 kilo knete…
und weil die knetmodelle natürlich auch einen raum brauchen baute mir mein mann ein… puppenhaus.

gestern hab ich nun das erste bild angefangen. es haut mich noch nicht um, das das wird noch. an der vorlage liegts jedenfalls nicht.