Category Archives: „alltag“

es bleibt spannend

ne wohnung zu finden hat 2 wochen gedauert, am atelier arbeite ich noch. seit gut 8 wochen jetzt. selbst bei minus 6 grad zieh ich los, zettel an ampeln kleben. alle 14 tage nerv ich meine facebookfreunde mit ner kleinen erinnerung, dass ich noch suche und es hat sich auch schon jemand darauf gemeldet: eine hörfunkjournalistin, die wissen wollte, ob sie mich bei meinen atelierbesichtigungen begleiten dürfe. sie mache was zum thema „atelierknappheit in berlin“.
im prinzip könne sie gerne mitkommen, erwiderte ich, nur würde ich eben leider garnichts besichtigen.

bisher hatte ich 4 besichtigungen. eine davon war nichtmal eine echte besichtigung, ich hab nur eine freundin in ihrem atelier besucht. sie hat ein atelier an der ritterstrasse. hier. weil das haus mehrere eingänge hat dachte ich: frag ich mich durch. ich fragte mehrere leute die auf das haus zusteuerten: “tschuldigung, kennst du gunilla?“
ich hab gerade mal nachgesehen: das haus hat 11.000 qm über fünf etagen. da wäre schon ein echt glücklicher zufall gewesen, hätte von den drei leutchen auf der strasse vor dem haus jemand gunilla gekannt.

es gibt in berlin aber sogar noch grössere häuser: das „ECC“ (“European Creative Center Weißensee”) ist nämlich das das „größte Kultur- und Atelierzentrum Berlins“ mit „Künstlern aus über 20 Ländern aus fünf Kontinenten“! das steht zumindest auf der webseite. klingt vielversprechend, dachte ich, und fuhr hin.

eine studentin in secondhand-maklerinnen-look forderte mich höflich und mit französischem akzent auf, platzzunehmen. ich glaub, es waren sogar gartenstühle die in einem riesenhaften fensterlosen saal an der wand standen. der hintere teil wurde von einem langen tresen abgetrennt, dahinter die tür zur geschäftsführung.
die auslegeware am boden war getränkt mit katzenpisse, der ammoniakgeruch kaum zu ertragen. alles war übersäht mit haaren und zwei dicke perserkatzen schlenderten in einer gangart durch den saal, die auszudrückten schien: “dies ist UNSER katzenklo.”

dann ging es los mit der führung. wir durchwanderten gefühlte 10 etagen, endlose, menschenleere flure mit nichts als zahlen an den türen. eine atmosphäre wie zwischen bahnhofsschliessfächern. kein anzeichen deutete darauf hin, dass hinter diesen türen ateliers sind, ausser vielleicht der verwahrloste zustand des gebäudes.
wir blickten in 3 oder 4 exakt gleich geschnittene, mit rigips abgetrennte parzellen. sie hatten eine größe von 20 qm und kosteten 200€ warm. für diesen abgelegenen standort schon ein stolzer preis.
ich fragte, ob es erlaubt sei, in den räumen beispielsweise eine hochebene einzuziehen. dies, antwortete die sekretärin, müsse ich mit dem geschäftsführer besprechen.

der geschäftsführer war gleich feuer und flamme: selbstverständlich könne man mir so ein podest zur verfügung stellen! das würde alles vorschriftsmässig und professionell von vermieterseite eingebaut und die gewonnenen quadratmeter dann zusätzlich berechnet.
die frage, ob auch der einsatz von grösseren tischen auf die miete aufgeschlagen würde, verkniff ich mir.

von 4 besichtigungen waren 3 solche legebatterien. riesenhafte komplexe mit eigenem vermietungsbüro und geschäftsführer, der notfalls auch mal anklopft um die miete einzutreiben. für jemanden der wie ich eher zu den orientierungslegastenikern zählt eine echte herausforderung. einmal wählte ich den falschen ausgang, stand plötzlich auf einem hinterhof und suchte eine stunde lang mein fahrrad. ein anderes mal verirrte ich derartig schlimm, keine menschenseele in sicht, dass ich kurz davor war, “hilfe” zu rufen. zum glück hat mein telefon einen kompass.

da wo ich herkomm gibts sowas nicht. da stehen namen an den türen! auch die kommunikation lief da viel simpler ab. neulich schrieb ich zum beispiel ein ateliergesuch an einen email newsletter, wo man atelierangebote und -gesuche veröffentlichen kann. von diesen verteilern gibt es mehrere in berlin und die sind grundsätzlch auf deutsch und englisch. viele sind sogar ausschliesslich auf englisch.

als ich mein ateliergesuch an diesen verteiler schickte vergass ich natürlich die englische übersetzung. in dem dorf aus dem ich komme käme niemand auf die idee, ein zweisprachiges ateliergesuch zu schreiben.
ich bekam auf meine anfrage genau eine antwort: ein „musician, painter and drawer, also working in a restaurant“ sei sehr interessiert an dem studio und fragte ob ich fotos schicken könne.

hach ich finds toll.

Atelier gesucht

ich suche ab sofort dringend ein atelier.

es sollte unter 200€ kosten, am liebsten in berlin-wedding oder was sich vom wedding einigermassen erreichen lässt. also: gesundbunnen, pankow, prenzlauer berg, charlottenburg, moabit, mitte, kreuzberg, tempelhof und reinickendorf

ich benötige einen eigenen raum (wegen dreck), mindestens 28 qm und schön wäre EG mit wasseranschluss. keine zwischenmiete.

wenn ihr was wisst oder mal was hört oder sonst welche ideen habt:
kontakt

ateliernachbar räumt auf

atelier im august


jeder ist für sich selbst verantwortlich

zu den nachbarn meiner ateliergemeinschaft am bullerdeich zählen neben dem leerstehenden hochwasserbassin auch die stadtreinigung
und direkt gegenüber ein recyclinghof.

mehrmals am tag benutzen müllwagen unsere hofeinfahrt zum wenden. mein fenster ist genau neben dem tor und mein tisch steht vor dem fenster, sodass ich jedesmal, wenn sich die piependen müllwagen rückwärts durchs schmale tor zwängen, einem grinsenden müllmann 20 cm vor meiner nase zunicken kann. Read More »

wo ich meine sommerferien verbring

hier!

(man beachte auch die gelungene englische übersetzung meines kurstitels. kurzzeitig tendierte ich noch zu
“how to lose ten pounds in 3 weeks” aber der war irgendwie irreführend)

bildzeitung gegen anwohner

beim workshop, bzw. „werkstattgespräch“ zur neubebauung des hafentors war leider nur ein einziger journalist anwesend. der „chefreporter“ bei der bild hamburg, jörg köhnemann. das liess nichts gutes ahnen. und tatsächlich, bereits am dienstag, nur 10 tage nach der veranstaltung, veröffentlichte er einen kurzen bericht in der bild hamburg (leider nicht online).

bereits die überschrift lautet leicht desinformierend: „Elbblick gefährdet — Anwohner gegen Hafentor-Wohnungen“. Read More »

rum traube und die hamburger kulturstiftung

das letzte mal dass meine arbeiten gefördert wurden war vor 10 jahren. damals hatte ich das hamburg stipendium. man bekam damals 1400 mark im monat plus teilnahme an einer gruppenausstellung mit katalog.
seitdem hatte ich mich nie mehr für eine förderung beworben. welche auch? die orte, an denen ich in hamburg meistens ausstelle werden selbst schon gefördert. da bekommen die künstler für gewöhnlich nichts.

für rum traube nuss hatten wir uns bei der hamburger kulturstiftung für eine projektförderung beworden. von der kulturbehörde wird das westwerk eh bereits unterstützt – was allerdings auch nur miete und postkartendruck deckt und dank der elbphilharmonie auch gerade erst wieder gekürzt wurde.

die jury der kulturstiftung lehnte unser projekt ab. auf nachfrage bekamen wir die erklärung, dass wir zu alt seien. man fördere eher jüngere kunst.
das erstaunliche daran war, dass sich diese äusserung nicht auf irgendeine offzielle altersgrenze bezieht. die gibt es im bewerbungsverfahren der stiftung nämlich nicht. man weiss also garnicht, was für die kulturstiftung “junge kunst” bedeutet.

am selben tag, als wir die ablehnung erhielten, traf ich zufällig eine galeristin, die einmal im jahr eine grosse verkaufsausstellung organisiert. sie schwärmte davon, wie gut das geschäft laufe und meinte, sie riefe auch gleich mal bei der kulturstiftung an, die wollten schon so lange mal was für sie tun.

analoge blogs beim nachbarn an der wand


die rolle unter der decke hängt 3 meter hoch. sie werden nach jeder notiz, die unten angeklebt wird, mit einer kleinen kurbel aufgerollt.
wie im echten leben also.

gefunden in tilmans atelier am bullerdeich.

aufbau