Kategorie „früher war alles besser“

die trockennasenprimaten vom abendblatt

vielleicht sollte ich lieber nix drüber schreiben, vielleicht liest es eh keiner, wenn ichs hier nicht weiter erwähne. wer kauft schon das abendblatt bzw klickt sich durch die tiefsten untiefen der online version, bei der ja bekanntermassen hinter jeder überschrift die abofalle lauert.
leider ist dieser artikel aber nun ausgerechnet nicht hinter einer paywall verborgen, diesen artikel darf jeder lesen.

es ist üblich, dass redaktionen titel, subtitel und teaser bestimmen können oder ggf. umschreiben. so auch in diesem fall. der text den der autor wolf jahn geschrieben hat trug ursprünglich den titel „Die Evolution der Katia Kelm“. das war den zuständigen redakteuren beim hamburger abendblatt aber offenbar nicht „aussagekräftig“ genug. das abendblatt machte daraus:

Eine Frau macht sich zum Affen
Die Hamburger Künstlerin Katia Kelm zeigt bis zum 1. Mai Plastiken, Bilder und Rückblicke auf die Frühgeschichte der Primaten in Rothenburgsort.

abgesehen davon dass selbst die formulierung des subtitels missglückt ist (welche Primaten? wenn überhaupt geht es um die stammesgeschichte des menschen. was spricht ausserdem gegen die “Evolution” aus dem ursprungstitel?) ist die primär geläufige bedeutung der redensart, jemand mache sich zum affen, eine schlichte beleidigung.
im übrigen verhunzt der titel auch den eigentlichen text. er schickt eine abwertung voran, was die leser einen verriss erwarten lässt und beeinflusst so die lesart des relativ neutralen textes negativ.

über wasser halten mit mickeymäusen

auf die idee brachte mich eine freundin, die ihren trödelladen auflöste und bei ebay nun die restbestände verschachterte. ich half ihr indem ich die preise hoch trieb. die auktionen begannen immer bei einer mark, stiegen aber nicht selten bis 200 und mehr. die freundin brachte täglich eine einkaufswagenladung pakete zur post. da konnte ich nicht lange untätig zusehen.
“was kann ich denn mal versteigern?” wandte ich mich an die freundin die augenscheinlich wusste, was die leute wollten.
“also was immer gut geht sind mickey mäuse und alles mit sex.”

ich probierte es zunächst mit mickey mäusen. kaufte eine billige leinwand und malte eine mickey maus. eine nacht lang malte ich was das zeug hielt. die mickey maus ging weg für 10 mark, ich freute mich für den sammler.
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traurig über den verlust einer hervorragenden künstlerin

“In unserem Herzen bist Du zeitgenössisch”

foto: O. v. Poschinger

foto: O. v. Poschinger

vorhin besuch im atelier. besuch erzählt, er habe übrigens gestern vor der galerie der gegenwart blumen abgelegt und ein grosses “warum”. weil die die ja zu machen.

ich bin immer noch sprachlos. der bekannte hat mir eben die bilder geschickt von seiner “warum” aktion. und schreibt dazu:

Auf den Zetteln steht u. a.: “In unserem Herzen bist Du zeitgenössisch”

er habe die bilder auch an alle zeitungen geschickt, hat aber niemand reagiert. ich finde die bilder grandios. eine olle blume auf weiter flur – ist das was hamburg für zeitgenössische kunst übrig hat.
kultursenatorin welck, gerade noch kräftig rumgeschleimt anlässlich der gängeviertel-aktivitäten, kann eben doch nicht aus ihrer haut und hat mit gegenwartskunst so wenig am hut wie ich mit ihrer oper, ihrem hafenfest oder ihrer elbphilharmonie.

vielleicht sollten die die galerie der gegenwart einfach an ikea vermieten. dann bringt der laden wenigstens mal was ein.

sachlichere infos zur schliessung können sie hier einsammeln

update: die kunsthalle wird nun doch nicht geschlossen. die idee mit den brandschutzklappen als vorgeschobener schliessungsgrund war offenbar doch nicht so toll.
vielleicht kann sich ja gassner mal mit dem waldvogel aus dem kunstverein kurzschliessen. da scheint sich ja einiges zu tun in sachen ganz neue ausstellungskonzepte.

haufenhängung

Aufbauansicht: Collagen bei WEISSER SCHIMMEL, Phoenixhallen, Hamburg, 2010

Aufbauansicht: Collagen bei WEISSER SCHIMMEL, links: Martha Rosler, Phoenixhallen, Hamburg, 2010

Aufbauansicht: Collagen bei WEISSER SCHIMMEL, Phoenixhallen, Hamburg, 2010

Aufbauansicht: Collagen bei WEISSER SCHIMMEL, Phoenixhallen, Hamburg, 2010

Aufbauansicht: Collagen bei WEISSER SCHIMMEL, Phoenixhallen, Hamburg, 2010

die erste ansage war: du hast jede menge platz. ich so: „ok, ich hab 30, 40 arbeiten.“
ein paar tage später anruf beim kurator: „hab mirs anders überlegt. bilder brauchens sakral mit viel weissraum. wieviel wand hab ich?“ kurator: „4 meter.“ ich: „also keine 30 arbeiten sondern 4.“
packe ihm vorsichtshalber 10 ein.

eine woche vor eröffnung fahr ich hin, mir das ergebnis anzusehen. leichte irritation: alle 10 gehängt, alle auf einem haufen. haufenhängung. aufbauteam so: „reihenhängung gabs schon zu oft in der ausstellung.“
trete von einem bein aufs andere. mache fotos.
zuhause dann email an den kurator: „komme montag, hänge alles um“. kurator: „sag mir einfach was du wo hinhaben willst.“
abends im bett am laptop nehme ich mir die fotos vor. hänge per copy&paste alles um. email an den kurator: „alles umgehängt. nix bei rausgekommen. kann so bleiben.“
muss an den arbeiten liegen

gängeviertel die zweite

wer die presseberichte zum gängeviertel verfolgt muss doof sein wenn er spätestens jetzt nicht erkennt: die politiker die in hamburg an den hebeln sitzen wollen die künstler im gängeviertel nicht haben. und die hamburger bevölkerung hat diese politiker gewählt.
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