Category Archives: „kunstmarkt“

wochenendausflüge in berlin

als berliner künstlerIn kann man aufs gallery weekend gehen, man kann aber genauso gut in den zoo gehen oder in ein möbelhaus, das hat nicht weniger mit der eigenen arbeit zu tun.

vielleicht liegt es auch daran, dass ich noch neu bin in berlin, aber irgendwie war mir alles so fremd, auf einer veranstaltung des deutschen münzenfachhandels hätte ich mich warscheinlich nicht weniger gut aufgehoben gefühlt. die aufgeblasenen räume, die aufgeblasenen leute und dazwischen die aufgeblasene vermarktungsbegünstigende kunst – das hat mit dem, was ich mache, irgendwie so überhaupt nichts zu tun.

möglicherweise tue ich dem ganzen ja unrecht, denn das beste habe ich eh mal wieder verpasst weil sich mein tempo zum schluss immer mehr verlangsamte. aufgrund von langeweile-induzierter schläfrigkeit schleppte ich mich von galerie zu café zur nächsten eisdiele, wie die insassen im krankenhaus, wenn sie versuchen, die zeit rumzukriegen indem sie sich darauf konzentrieren, auf die nächste mahlzeit zu warten.

anderen besuchern schien es nicht viel anders zu gehen. um sich wach zu halten bestaunte man die architektur: „tolle räume!“ raunte es aus allen ecken. die kunst in solchen räumen hat dann vielleicht noch die funktion eines garniervorschlages oder gummibaumes, den man aufstellt, damit es nicht so leer aussieht.

mein persönliches gallery weekend, oder wie die coolen berliner sagen „galerie wochenende“, fing freitag abend an mit nem opening hopping in der potsdamer strasse. die woche über war ich sehr erkältet, das hinderte mich aber nicht, den regenmantel aus eitelkeitsgründen zu hause zu lassen. kaum war ich aus der tür fing das gewitter an.
mit sturmfrisur und fliegen die mir auf den kontaktlinsen klebten betrat ich die erste galerie: michael janssen. bei janssen hatte ich vor jahren ausgestellt, als er noch in köln war. seitdem ich in berlin wohne gehe ich nun auch auf die janssen eröffnungen. auch wenn es sicher schmeichelhafteres gibt als galerien zu besuchen in denen man einmal testweise ausgestellt wurde und dann nie wieder.

das letzte mal als ich dort war hatte ich gerade einen israelischen rosenwasserpudding ausgehändigt bekommen als ich über ein kabel stolperte und die damit verbundene videoinstallation umriss. janssen brüllte: „katia! typisch!“ und der künstler kam angerannt und musste die arbeit neu aufbauen. ich stand rot angelaufen mit schweissperlen auf der oberlippe daneben und flüsterte „so sorry!“ und war froh dass ich wenigstens den pudding noch in der hand hielt.

die nächste galerie war blainsouthern, ein in erster line auffallend gigantischer laden, wo ich zufällig jürgen von dückerhoff begegnete mit dem ich den rest des abends weiter tingelte und noch jede menge anderer hamburger traf. ein super abend!
was wir gesehen haben erinnere ich nicht mehr.

samstag war ich verabredet. mit gunilla jähnichen und sebastian poerschke (in unserer szene stellt man sich ja immer mit vollem namen vor, damit jeder gleich abchecken kann, ob sich die unterhaltung lohnt).
wir trafen uns bei barbara weiss. ich kam rein, ein rundblick und hätte sofort wieder kehrt machen können, da entdeckte ich gunilla und sebastian im gespäch mit der galerie-assistentin. die assistentin blätterte im katalog und erklärte sich einen wolf. gunilla und sebastian nickten interessiert und ich überlegte, an welche wand ich mich am besten anlehnen sollte.
so ging das weiter. in jeder galerie blätterten sie zusammen mit den assistenten kataloge durch, seite für seite, und liessen sich alles erklären. ich begann zu zweifeln, ob wir die 51 gallerien und 20 museen tatsächlich schaffen würden.

nun muss man vielleicht sagen: wir kommen alle 3 aus hamburg und sind solche behandlung nicht gewohnt. in hamburg verstecken sich die galeristen in der abstellkammer wenn sie künstlerInnen nur von weitem sehen. man ist dort der ansicht, künstler wollen am ende eh nur fragen, ob man sie ausstellt, also spart man sich die kommunikation vorsichtshalber ganz.
in berlin müssen sich die galeristen nicht allzusehr ins hemd machen, man hat dafür ja personal. und das ist wirklich unfassbar freundlich. man kann fast sagen: nirgends wird man in berlin besser behandelt als in galerien.

der nachteil an der erklärerei ist aber: es macht die arbeiten nicht unbedingt besser. eine videoinstallation wurde uns auf diese weise ziemlich entzaubert. hatte ich am anfang noch herzklopfen und stand mit offenem mund davor kam mir die sache nach langwierigster erklärerei völlig banal, ja fast blöd vor.

meine zwei persönlichen highlights waren wie letztes jahr keine offiziellen gallery-weekend-teilnehmer. die ausstellung New Age of Aquarius bei duve und jong oh bei jochen hempel.

New Age of Aquarius war eine gruppenausstellung mit hauptsächlich in london ansässigen künstlerInnen, und – wie der name schon andeutet – ein seltsamer mix aus minimalen ansätzen und esogedöns. eine geballte ladung echter entdeckungen. und um entdeckungen geht es ja beim gallery-weekend sonst nicht gerade.

jong oh ist einfach der wahnsinn. man darf allerdings nicht den fehler machen nach ansicht der fotos auf der webseite zu meinen, einen eindruck zu haben, worum es dabei geht. man sollte sich schon dort hin bemühen und um diese hochfiligranen gebilde herum spazieren und erleben, was für eine physische präsenz diese gespannten fäden haben. so reduziert diese arbeiten erscheinen sind sie doch völlig verwirrend, fast poetisch versponnen, und hoch ästhetisch. auch eine enorme wohltat eine derartig zurückgenommene materialität zwischen der ganzen grosskotzerei. ausserdem ist mir sowas wie linien zeichnen mit edding auf glasschnittkanten einfach sehr sympatisch.
ich war und bin jedefalls völlig von den socken. merkt man vielleicht.

auch sehr gefallen hat mir die installation von alicja kwade bei johann könig. ich bin ja auch pendelmotor-erprobt, konnte mich aber gerade noch zusammenreissen, um der galerie-assistentin nicht von meinem pendelnden knet-uhu vorzuschwärmen. „ich könnte mir den uhu hier bei ihnen auch sehr gut vorstellen!“
die assistentin war jedenfalls auch wieder extrem freundlich, erklärte alles bereitwillig und war auch ganz erstaunt über unser sachverständnis. auf meine qualifizierte bemerkung, die arbeit sei ja eigentlich nur so gut wegen des besonderen raumes (für alle ahnungslosen: es ist eine kirche) setzte sebastian noch einen drauf: er habe die arbeit in köln schon in einem neubau gesehen mit 2 meter hohen decken! da käme das natürlich nicht so gut.

sonntag

am sonntag regnete es nicht, meine erkältung hatte sich dafür mittlerweile in die bronchien verzogen. was vorher noch ein hohl klingendes klötern war hatte sich nun in ein kurzes tiefes bellen mit einer großen portion schleimauswurf gewandelt. wer nicht wusste, dass es sich um eine erkältung handete hätte meinen können, dass ich nur ziemlich lautstark meinen hals säuberte.

der eingang bei cfa war verschlossen. also stellte ich mich gegenüber ganz eng an die mauer damit mir die touristen die füsse nicht platt traten (was nichts brachte, man trat sie trotzdem platt) und wartete auf meine verabredung. jetzt sah ich: die galerie hatte auf. der trick war: man musste eine weile vor der verschlossenen tür stehen bleiben und vielleicht hin und wieder mal am knauf rütteln. irgendwann machten zwei uniformierte die tür auf. die meisten hatten nur nicht die geduld, rüttelten zu kurz und zogen dann schulterzuckend weiter.
als meine begleitung kam rüttelten wir also lange genug und als die security die tür öffnete und wir eintraten nickte ich kurz und musste husten.

mehr kann ich über die ausstellung bei cfa allerdings auch nicht sagen.

anschliessend arbeiteten wir uns durch die massen richtung auguststrasse. rückblickend gefiel es mir dort am besten in der eisdiele. ich mochte aber auch die neuen arbeiten von isa genzken bei neugerriemschneider.
ich bin natürlich, wie alle coolen, immer schon fan von ihr gewesen. die figuren fand ich auch ganz grossartig obgleich mir diese galerie irgendwie nicht geheuer ist. diese seltsam künstliche raumaufteilung mit diesem überlangen arbeitstisch wo die assis hinter den rechnern wie ebenfalls ausgestellt aussehen und man nicht weiss, ob man vielleicht zu stimmungsaufhellung irgendwas sagen sollte, zb. „guten tag alle miteinander! wie läufts?“ – ich könnte so ja nicht arbeiten.

bei sprüth magers gabs noch george condo, von dem ich bisher (natürlich) auch fan war, die neuen bilder haben mich dann überraschenderweise garnicht so begeistert. die hätte man sich auch super im foyer einer bank vorstellen können. gefälliges geplänkel. die skulpturen dagegen waren ziemlich geil, da werd ich immer ganz sentimental sobald jemand irgendwo irgendwas zusammenmanscht.

abschliessend muss ich nochmal kurz gestehen, dass ich mal wieder nicht gerade bombig vorbereitet war. viele namen waren mir überhaupt nicht geläufig geschweige denn die erweiterten gesellschaftichen zusammenhänge (wer mit wem, wo und wann). so etwas erfahre ich dann immer erst hinterher, ganz ordinär ausm internet. aber vielleicht ist es ja sogar besser, es erst hinterher zu erfahren, dann verdirbt es einem nicht schon vorher die laune.

besonders aufgefallen sind mir da zb. diese artikel:
über den gerade schwer angesagten „newcomer“ oscar murillo, den isabella bortolzzi gezeigt hat. mich erinnert der artikel in erster linie an die geschichte des künstlers aus exit through the giftshop und wenn man das so liest kann man es sich mit dem namen-merken vielleicht auch sparen.

ebenfalls ziemlich entlarvend ist auch der zeit-artikel über hans peter feldmann, dem neuen “superstar”, den johnen ausstellt.
der beginnt mit dem satz:

„Warum nicht einen Hering für eine Million Dollar verkaufen? Wenn die Heringe irgendwann rarer als Gold wären, dann könnten sich die Reichen vielleicht sogar auf Fische einigen, sagt Hans-Peter Feldmann.“

zu johnen hab ich es auch nicht mehr geschafft, weiss aber auch nicht, ob ich wirklich was verpasst hab.

„Es ist schlimmer als Sie denken“, warnt ein Insider am Telefon, es könne wirtschaftlich sein Ende sein, sich in dieser Sache zu äußern.

Obwohl es schwer ist, einem Kartell nachzuweisen, dass es ein Kartell sein will, Furcht genug, um ein Kartell zu sein, verbreitet es schon mal.

als künstler bekommt man wirklich depressionen wenn man das liest

* * *

[nachtrag]
noch besser eigentlich aber ist der text zum selben thema von Andreas Koch und Peter K. Koch:
Provinz in Berlin / Zum vorläufigen Aus der Berliner Kunstmesse Art Forum – lesen!

kunst hat keinen abspann

ich hab mir also jetzt auch endlich exit through the giftshop angesehen. gestern. ich hatte keine sonderlich gute laune. tagsüber mit dem sohn über illegale hobbies gestritten, abends dann der film dazu.

die erste hälfte handelt hauptsächlich von streetart. meine begeisterung hielt sich in grenzen. als mutter macht man sich sorgen wenn der sohn die nächte auf hausdächern verbringt. ausserdem, welcher künstler will schon, dass sein nachwuchs künstler wird. mein sohn soll selbstverständlich anwalt werden oder arzt.

nach 56 minuten beginnt im film ein zweiter film. thierry guetta (ich muss die ganze zeit an die blues brothers denken) nennt sich jetzt mr brainwash und wird künstler. er klebt ein paar plakate und minuten später dirigiert er schon ein dutzend assistenten.
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Inside the Painter’s Studio

letzte woche bekam ich von meiner freundin anke ein buch geschenkt. es ist eine art sammlung von interviews mit 24 amerikanischen malern über ihre ateliers und wie sie arbeiten. die maler sind in usa möglicherweise etwas bekannter, ich kannte nur chuck close und dana schutz und seit ich die anderen alle einzeln gegoogelt habe (bildsuche) weiss ich, dass ich mir die namen der übrigen nicht merken werde.
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kunstblogs

kunstmagazine und bildbände sind teuer. und wer liest kunstmagazine und kunstbücher in erster linie? natürlich künstler. also die die eigentlich nie geld haben.
das kunstforum zb. abonnierte ich während des studiums, hauptsächlich wegen der ausschreibungen.
eine ausgabe des kunstforums kostete damals 35 DM, heute 20 €. es erscheint vierteljährlich und die ausgaben sind in der regel ca. 3 cm dicke taschenbücher (ungefär die hälfte davon ist werbung).
neben dem kunstforum hatte ich ein abo des schweizer kunstbulletins, der texte zur kunst und natürlich der art (für hamburger fast eine lokalzeitung).
ganze schrankwände standen voll mit dem zeug weil das einhalten von fristen (kündigung des kunstforumabos nur 1x im jahr) nie meine stärke war.
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hab ich was verpasst? – bilder

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noch mehr buchtipps

ende der woche muss ich einen pressetext abliefern, der von mirselbst handelt. da texte über mich selbst in der 3. person zu schreiben nicht zu meinen grössten hobbies zählt zerbreche ich mir schon seit tagen den kopf, wie ich mich am schlausten aus der affaire zieh.

nun ist es ja nicht so, dass es nicht möglich wäre, irgendnen humbuk zusammen zu fabulieren, wie alle anderen. zumindest könnte man sicher gehen, dass der name richtig geschrieben wird.
man könnte auch einfach irgendeinen pressetext aus dem emaileingang fischen und ein bischen umbauen. die pressetexte einer hamburger galerie zb. kommen seit jahren mit einer handvoll vokabeln aus, die sie jedesmal einfach nur ein bischen variieren. in jeder dieser presseerklärungen kommt garantiert mindestens 2x das wort „urban“ vor. egal welcher künstler. wär doch gelacht wenn ich bei meiner arbeit nicht auch was mit „urban“ machen könnte.

tatsächlich kommt jetzt aber alles anders. heute hatte ich the-one-and-only ina bruchlos zu besuch und ina schreibt mir einen text!
und das ist so ziemlich die grösste ehre, die ich mir vorstellen kann.

wer ina bruchlos’ texte (keine pressetexte sondern RICHTIGE, sinnvolle, hervorragend kluge und komische texte) noch nicht kennt kann sich hier ein paar kleine leseproben abholen und dann hier auch gleich alle bücher kaufen:

Der Kampf der Mähdrescher
Mittwochskartoffeln
Nennt mich nicht Polke

buch zum haben wollen

das hat der hoops aber geschickt eingefädelt: ein buch zu machen was man unbedingt besitzen will und wenn man es dann hat und darin blättert, das schwarze rauhe papier streichelt, die zeichnungen zum heulen gut findet und den wortschatz von nora sdun bestaunt (warum macht die eigentlich nur in verlagswesen, kunst und kunstkritik und galerismus – warum nicht auch in belletristik?) will man unbedingt auch so eine zeichnung haben.

hier kann man immerhin schon mal das buch bestellen oder auch hier.

über wasser halten mit mickeymäusen

auf die idee brachte mich eine freundin, die ihren trödelladen auflöste und bei ebay nun die restbestände verschachterte. ich half ihr indem ich die preise hoch trieb. die auktionen begannen immer bei einer mark, stiegen aber nicht selten bis 200 und mehr. die freundin brachte täglich eine einkaufswagenladung pakete zur post. da konnte ich nicht lange untätig zusehen.
“was kann ich denn mal versteigern?” wandte ich mich an die freundin die augenscheinlich wusste, was die leute wollten.
“also was immer gut geht sind mickey mäuse und alles mit sex.”

ich probierte es zunächst mit mickey mäusen. kaufte eine billige leinwand und malte eine mickey maus. eine nacht lang malte ich was das zeug hielt. die mickey maus ging weg für 10 mark, ich freute mich für den sammler.
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noch in der kamera

mein freund tim erzält mir am telefon, er habe letztens übrigens wieder ein boot gebaut. diesmal aus tesafilm. er sei auch schon darin gefahren. nen film gebe es auch.
ich so: “toll, wo denn? auf youtube? wie finde ich den da?”
er so: “den kannst du nicht finden, der ist noch in meiner kamera.”

hier immerhin schonmal der film über das boot davor, aus knallfolie: