foodporn

so, ich poste hier jetzt hin und wieder mal bilder und rezepte von den delikatessen, die ich mir mittags im atelier koch.
wie manche von euch vielleicht wissen war ich im früheren leben ja mal eine legende in sachen foodblogging.
den durchbruch hatte ich mit diesem rezept.

hier also jetzt mein erstes foodporn-posting von heut mittag. die nächsten dann kommentarlos.

winti

letzte woche war ich wie gesagt in der schweiz zum aufbau. hier mein bericht (mit exklusiven touri-tipps!):

DONNERSTAG
gegen 3 eingeschlafen und um 5.45 wieder hoch, dann ne halbe stunde fürs anziehen und zähneputzen gerechnet und los.
am flughafen von der security wieder weggeschickt: „komm se ma inna stunde wieda!“ festgestellt, dass ich ne stunde zu früh aufgestanden bin.

mittags pünktlich am gewerbemuseum in winterthur.
kann sofort loslegen und wie immer bewundern alle meine transportkiste.
die sieht nicht nur professionell aus, offenbar hat sie auch funktioniert: jedes objekt was ich aus der verpackung schäle ist heil. nichtmal risse! sowas hab ich in den letzten hundert zehn jahren noch nicht erlebt.

transportkiste

das letzte objekt was ich aus der box hole hat immerhin ne ecke ab. heimlich bin ich sehr erleichtert und tu so, als ob das jetzt voll die hochkomplizierte operation wäre. der ganze aufbau dauert 20 minuten.

kurz bevor ich die acrylglashauben über die fertige karton-gruppe und den niggemeier stülpe gibts mittag. das verlängert meinen aufbau zum glück nochmal um ne halbe stunde.


touri-tipp:
fahren sie nach winterthur und essen sie mittag im café des gewerbemuseums. unfassbar lecker! (und das obwohl mir gesagt wurde dass man „lecker“ in der schweiz nicht sagt.)

nach dem essen nochmal arbeit: hauben drüber, mit dem ärmel staub abwischen, fertig.

mein beitrag zu "plot in plastilin", gewerbemuseum winterthur

henrik jacob, der auch aus berlin gekommen ist, baut derweil eine ganze kneipe auf. außerdem hat er ein phänomenales bodybuilder knet-bild in der ausstellung, was ich sofort kaufen würde.
überhaupt gibt es viele großartige arbeiten und der raum ist gut gefüllt. es gibt fantastische videos, mein liebstes ist das der russin ira elshansky, da musst ich fast heulen.
auch schön: „7 more minutes“ von iza plucinska.

der ausstellungsraum ist ziemlich voll, hauptsächlich mit sockeln an die bildschirme geschraubt sind und meine kartonfarbene kartongruppe und die blogger-miniatur, ebenfalls auf sockeln, kommen mir plötzlich ganz klein vor. im sockelgewirr behaupten sie sich so doll wie zwei käsewürfel zwischen… käsewürfeln.

die zeiten, als sich die kollegen bei den kuratoren beschwerten, dass meine arbeiten zu groß, bunt und laut sind und doch bitte nicht ausgerechnet neben ihrer arbeit stehen müssten, sind jedenfalls eindeutig vorbei.

vorbeie zeiten (knetkartons in winterthur)

ich dann also ins hotel. ein bischen schlaf nachholen.
fast verschlafe ich das abendbrot: essen gehen mit henrik auf kosten des museums.

weil vorsichtig angedeutet wurde, wir sollten ein bischen auf den preis achten, klappern wir diverse ausgehängte speisekarten ab. döner 12 euro, aha.
am ende entscheiden wir uns für einen etwas lahmen aber vergleichsweise günstigen nudelladen: zwei teller nudeln, wasser und rotwein für 75 euro.

ich bin früh im bett kann aber wieder nicht einschlafen, diesmal wegen dem mittagschlaf.
die halbe nacht kuck ich filme, die ich schonmal gesehen hab, auf netflix und schreib dem mann zuhause ne sms:
„deine kiste kam sehr gut an.“

FREITAG
pressekonferenz. etwa 20 leute, die kuratorin susanna hält einen vortrag und kündigt an, dass die künstler auch noch was sagen werden. gut, dass ich das tags zuvor noch nicht wusste sonst hätte ich sicher überhaupt nicht geschlafen.

den rest ihres vortrages verpasse ich, weil ich darüber nachdenke, was ich gleich sagen werde. mal überlegen. vielleicht „hier sehen sie einen ihrer kollegen im teppich“?
am ende sage ich dann nichts von dem was ich mir zurecht gelegt hab, sondern erkläre irgendwas technisches und: „das hier ist meine letzte arbeit in knete.“
während ich rede scheinen mir so manche augenlider etwas schwer zu werden aber ich bin dafür jetzt knallwach.

niggi im teppich im gewerbemuseum winterthur

danach mache mich auf den weg nach zürich, eine alte schulkameradin zu treffen, die bei facebook gelesen hat, dass ich in der schweiz bin.
barbara holt mich vom bahnhof ab und wir zuckeln zusammen durch die stadt. vorher hatte sie gefragt, was ich gerne unternehmen würde und ich hatte ihr mein bevorzugtes touri-programm vorgeschlagen: rumlaufen.


touri-tipp: zürich. eine fantastische stadt zum rumlaufen.

zürich im märz 2016

einmal setzen wir uns kurz irgendwo rein und ich bestell für 7 euro eine eierbechergroße portion cappuchino.
auf meine frage, ob sie auch sojamilch hätten, die bedienung so, auf schweizerdeutsch: „ich glaube ja, aber ich hab das noch nie gemacht.“
ich: „ach naja, is egal, dann nehm ich den einfach mit normaler milch“
bedienung: „nein, kein problem! ich möchte nur, dass sie wissen: ich hab das noch nie gemacht, ich kann nicht versprechen, dass er gut wird.“
ich: „ach, machen sie sich keine umstände, ich nehm den dann einfach mit milch.“
bedienung: „lassen sie mich ihren kaffee BITTE mit sojamilch machen!!!“

abends in winterthur bin ich wieder mit henrik zum essen verabredet. heute haben wir vom museum bargeld bekommen und weil meine schwiegermutter in der schweiz immer käsefondue isst will ich das auch mal machen und wir gehen in eine gaststätte wo uns schon im türrahmen beissender käsegeruch entgegen schlägt.

wir setzen uns und fangen augenblicklich an zu streiten. henrik ist dafür, wenn schon käsefondue dann mit herzhaftem käse. ich, die käse eigentlich garnicht mag, bin für milden. später geht es um die frage, ob picasso ein genie war (er dafür, ich – natürlich – dagegen) und, wo wir schon bei picasso sind, um frauen in der kunst.

zum glück schaltet sich jetzt das paar am nebentisch ein: entschuldigung, aber man habe gesehen, dass wir bier trinken. ob wir wahnsinnig seien, zu käsefondue trinke man weisswein!
sie laden uns zu wein und später zu schnaps ein und weil wir noch geld übrig haben beschliessen wir, auf die mischung aus käse, bier, wein und schnaps noch ein paar cocktails zu kippen.
da uns nichts besseres einfällt machen wir uns auf den weg richtung hotelbar.

grosses käsefonduefressen mit henrik jacob

es regnet aber mir ist warm in meiner polar-winterjacke also versuche ich, den reissverschluss zu öffnen, doch irgendwas hat sich verhakt. im gehen rüttle ich am reissverschluss.
vor der hotelbar angekommen bleiben wir stehen und ziehen mit vereinten kräften am reissverschluss. henrik ruckelt ihn mal probeweise ganz bis nach oben unters kinn wo er sich nun endgültig keinen milimeter mehr bewegt.
langsam ergreift mich panik. ich kann doch unmöglich in der jacke schlafen! und morgen auf der vernissage? ich muss doch vorher auch nochmal duschen!
ich versuche, meinen dicken kopf durch das kleine verbliebende halsloch zu zwängen aber bei der vorstellung, mit dem kopf in der jacke festzustecken, ohne mehr was zu sehen geschweige denn luft zu kriegen, kriege ich platzangst und reisse wie eine bekloppte mit aller kraft am reissverschluss: knorgs knorgs knorgs. die jacke ist offen. was für eine erleichterung.
dass der reissverschluss jetzt kaputt ist und ich die nächsten zwei tage mit offener jacke rumlaufen muss, egal.

weil ich drinnen auf dem barhocker kurz ohnmächtig werde gehen wir wieder nach draussen und trinken unsere cocktails im regen. henrik meint, das läge am sauerstoff. es sei immer wenig sauerstoff in solchen bars.

SAMSTAG
bevor die vernissage schon nachmittags beginnt mache ich mich im nieselregen auf, richtung kunstmuseum. die leute vom gewerbemuseum haben mir eine karte gegeben mit der ich in alle museen umsonst rein komm und – hier wieder ein touri-tipp – samstags um 11 ist das winterthurer kunstmuseum zumindest im märz, bis auf die 3 aufsichten, denen ich begegnet bin, leer.

allein im kunstmuseum winterthur

in den meisten sälen bin komplett alleine mit den bildern. in einigen sogar mit van gogh, vallotton, vuillard und morandi – ich bin total hingerissen!

van gogh im kunstmuseum winterthur


touri-tipp: gehen sie in das kunstmuseum winterthur, ein kleines museum mit einer wirklich herausragenden sammlung.

als ich hunger bekomm mach ich mich auf die suche nach einem supermarkt um anschliessend zu picknicken aber weil es immer noch regnet und ich meine jacke ja nicht mehr zu kriege schleppe ich meinen einkauf einfach wieder ins hotel. ich krümle das bett voll und kuck mir dabei einen ultra-traurigen liebesfilm auf netflix an, den ich schon zweimal gesehen hab.
kurz erwäge ich, mir das traurige ende für nach der vernissage aufzuheben aber dann heule ich doch nochmal kurz rotz und wasser und schreite danach zugeschwollenen auges und mit offener jacke zur vernissage.

leider hat sich das gefühl, dass meine pappkartons und die teppichrolle ziemlich untergehen, nicht gegeben. es ist voll. leute stehen um die zwei sockel herum aber scheinen nicht zu merken, dass da auch was drauf steht. zum glück darf man keine gläser mit reinnehmen sonst würden sie die wahrscheinlich darauf abstellen.

aufgrund der vielen videos tendiert das licht eher in richtung bar-beleuchtung. henrik lobt zwar die tatsache, dass man in diesem licht immerhin frisch aussehe, anders als sonst auf vernissagen, wo man ja immer besonders scheisse aussieht, mich kann das aber nicht aufmuntern. die feinen packpapierfarb-nuancen meiner kartons verschwimmen zu einem einheitsbraun.

ich beschliesse, dass es sicher nicht auffallen wird, wenn ich mal für ne stunde verschwinde um mir die anderen ausstellungen im hause anzusehen. erst die erotik-ausstellung eine etage tiefer und anschliessend noch das materialarchiv und bin von beidem schwer beeindruckt.


touri-tipp: schauen sie sich das material-archiv vom gewerbemuseum winterthur an. es gibt da ua. einen tisch mit verschiedenen „material-gerüchen“, wo man ein synthetisch hergestelltes parfum mit banknoten-geruch geniessen kann.
und wenn sie schonmal da sind schauen sie sich auch alle anderen ausstellungen im haus an!

zurück in der knet-etage labert mich eine niedliche kleine schweizer oma am weinstand voll. ich verstehe fast nichts, außer, dass sie wissen will, wie man knet-animationsfilme macht. ich erkäre es ihr.
meine arbeit, welche das sei, fragt sie, und als ich sie ihr beschreibe: „ah, das hab ich leider nicht gesehen.“

gegen 19 uhr bin ich wieder im hotel, packe und rechne aus, dass ich um 8 uhr aufstehen muss. ich lege mich vorsorglich schonmal ins bett und schlafe um halb eins völlig erschlagen vom liegen ein.

hotel loge, winterthur: wanddekoration und meine füsse

SONNTAG
heimreise. nach sprengstoff durchsucht worden.

juhu!

ich hab jetzt ne webseite für over-forties! die schriftgrössen passen jetzt auch zu meinem vorhaben, mal wieder zum augenarzt zu gehen.

felix hat sie mir schick gemacht! die webseite und auch das blog.
was er genau gemacht hat schreibt er hier.

ich hatte mal wieder rumgejammert, dass mir diese ganzen einzelnen bilderreihen auf der alten webseite zu sehr voneinander getrennt wären. mein pseudo-minimalistisches layout hing mir schon ewig zum hals raus. viel zuviele klicks. ausserdem war es immer ein riesen murks, was dieses lightbox-plugin aus meinen bildern gemacht hat. die waren nie richtig scharf. sogar die sättigung hat die alte webseite irgendwie von alleine eliminiert.

jetzt muss ich nur noch alle bilder neu bearbeiten und hochladen (die meisten bildgrößen stimmen jetzt nicht mehr) und wo ich schonmal dabei bin die texte überarbeiten, mehr und bessere kunst machen (weil man die ja jetzt sieht) und bloggen.

trotzdem danke felix!

making of caesars palace

caesars palace (mein beitrag zu rum traube nuss) habe ich nicht alleine gemacht. die arbeit gehört mir nichtmal, zumindest nicht mir alleine. hier eine liste der leute die mitgeholfen haben und von denen ich mir das material zusammengeliehen hab:

den ersten vorhang bekam ich von laila unger. sie hatte noch 13 meter molton, was sich für die 2,50 breite kabine allerdings immer noch als zu kurz herausstellte.
ich rechnete mit dem schlimmsten (15 meter molton kosten ca. 150€ plus nochmal 100 für die ösen) als meiner ateliernachbarin christine ebeling einfiel, sie kenne jemanden beim schauspielhaus. zufällig würde sie den später noch treffen.
am nächsten morgen hatte sie einen 15*5 meter großen samtvorhang, schon fix und fertig mit messingösen, aufgetrieben.

der gong gehört philipp schewe, den er mir lieh, obwohl er ihn eigentlich selbst brauchte. ausserdem gab er mir tipps zu imovie und wie man das synchronisationsproblem umgehen könnte.

nachdem ich mich beim filmschneiden um einen frame verrechnet hatte und die augen sich nach einer stunde filmdurchlauf schon vor dem gongschlag öffneten setzte sich boris vogeler vom westwerk nochmal mit seinem gummiball-mikro hin und mass abermals den zeitlichen intervall. er und christine rechneten dann gemeinsam aus, wieviele frames nötig sind, damit sich die augen pünktlich öffnen. ich hockte eine weile nickend daneben und tat als würde ich noch folgen.
„du hast kein wort verstanden, oder?“ „genau.“

die armierung für die große figur baute felix schwenzel. er half mir bei diversen materialtransporten und tüftelte aus, wie man die filmdatei so konvertiert, dass der beamer sie abspielt. ohne felix hätte ich auch die haken nicht in die decke bekommen (wer steht schon stundenlang freihändig auf der leiter in 3 meter höhe und ruckelt an kippdübeln, die nicht kippen?).
bei der eröffnung hat er alle paar stunden den film mit dem gong neu synchronisiert und gemeinsam mit christine den pfotenschlag repariert, als dieser von einem besucher zerstört wurde und ich haareraufend daneben stand.

henrik spohler hat während der eröffnung geholfen, leuten zu erklären, dass es unüblich ist, kunst anzufassen. so forderte er bespielsweise eine dame auf, es zu unterlassen, die weisse knetoberfläche des tisches mit der flachen hand zu tätscheln. die dame entgegnete entrüstet: wie er überhaupt dazu käme, sie zurecht zu weisen! es sei ja schliesslich nicht seine arbeit. „doch“ antwortete er, er habe sie gerade eben gekauft.

stefanie clemen half mir bei der auswahl der radierungen und bei der hängung, heike gross vom westwerk hat die ausstellung betreut und chris zander die einladungskarte entworfen.

christine ebeling hat, wie immer, alles übrige gemacht. sie hat die anschlagsmechanik für den gong ausgetüftelt und gebaut, den stahlring organisiert, alle schweissarbeiten gemacht und allen möglichen krempel hin und hergefahren und besorgt. und während ich im atelier sass und meine füsse knetete war sie auf irgendwelchen vorträgen oder vereinssitzungen und hat ca. 600 einladungen verteilt.

beim aufbau hat nicht christine mir geholfen sondern ich ihr. leute, die christine während des aufbaus besuchen wollten, fragten mich, ob die chefin da sei und während der eröffnung, die rammelvoll war, sagte ich leise zu felix: „da hat christine ja wieder ganze arbeit geleistet.“

danke.

rum traube und die hamburger kulturstiftung

das letzte mal dass meine arbeiten gefördert wurden war vor 10 jahren. damals hatte ich das hamburg stipendium. man bekam damals 1400 mark im monat plus teilnahme an einer gruppenausstellung mit katalog.
seitdem hatte ich mich nie mehr für eine förderung beworben. welche auch? die orte, an denen ich in hamburg meistens ausstelle werden selbst schon gefördert. da bekommen die künstler für gewöhnlich nichts.

für rum traube nuss hatten wir uns bei der hamburger kulturstiftung für eine projektförderung beworden. von der kulturbehörde wird das westwerk eh bereits unterstützt – was allerdings auch nur miete und postkartendruck deckt und dank der elbphilharmonie auch gerade erst wieder gekürzt wurde.

die jury der kulturstiftung lehnte unser projekt ab. auf nachfrage bekamen wir die erklärung, dass wir zu alt seien. man fördere eher jüngere kunst.
das erstaunliche daran war, dass sich diese äusserung nicht auf irgendeine offzielle altersgrenze bezieht. die gibt es im bewerbungsverfahren der stiftung nämlich nicht. man weiss also garnicht, was für die kulturstiftung „junge kunst“ bedeutet.

am selben tag, als wir die ablehnung erhielten, traf ich zufällig eine galeristin, die einmal im jahr eine grosse verkaufsausstellung organisiert. sie schwärmte davon, wie gut das geschäft laufe und meinte, sie riefe auch gleich mal bei der kulturstiftung an, die wollten schon so lange mal was für sie tun.