Kategorie „mit politik hab ich nichts am hut“

jeder ist für sich selbst verantwortlich

zu den nachbarn meiner ateliergemeinschaft am bullerdeich zählen neben dem leerstehenden hochwasserbassin auch die stadtreinigung
und direkt gegenüber ein recyclinghof.

mehrmals am tag benutzen müllwagen unsere hofeinfahrt zum wenden. mein fenster ist genau neben dem tor und mein tisch steht vor dem fenster, sodass ich jedesmal, wenn sich die piependen müllwagen rückwärts durchs schmale tor zwängen, einem grinsenden müllmann 20 cm vor meiner nase zunicken kann.

und so wie die müllwagen ständig in unseren hof fahren machen das auch leute, die ihren müll abladen wollen weil der recyclinghof gerade zu hat.
samstags hat der hof nur bis 14 uhr geöffnet und deswegen liegt sonntags oft eine ladung schrott vor unser haustür. mal eine LKW ladung alter bürostühle (also nicht etwa ein paar stühle sondern gleich 30 stück), mal ein berg zerbrochener autoglasscheiben. zur zeit sind es etwa zwei kubikmeter holzmüll.

leider gehört es nicht zu den stärken von künstlern, sich um solche sachen effektiv zu kümmern. meistens liegen die sachen einfach so lange im hof bis irgendwann ein schrottsammler vorbei kommt oder irgendwer, der gerade kaputte autoglasscheiben benötigt.
hinzu kommt, dass der müll für aussenstehende schwer zu unterscheiden ist von sachen, die die künstler dort selbst abgeladen haben. irgendwelche halbverrotteten kunst-im-öffentlichen-raum skulpturen oder einfach baumaterial, was nicht mehr ins atelier passte.

das ist insofern ein problem, dass wir nicht so einfach den vermieter anrufen können, um eine neue wilde müllkippe zu melden. der vermieter, in unserem fall die stadteigne sprinkenhof AG, ist zwar für gewöhnlich recht kulant und kooperativ, nur klingt eine beschwerde über einen haufen holzmüll wenig überzeugend, wenn man dann erklären muss, dass der holzmüll daneben noch gebraucht wird.

deswegen schob mein ateliernachbar vor ein paar wochen den müll einfach in einem anhänger über die strasse, um das problem kurzerhand selbst zu lösen. er wuchtete das riesige ding über das kopfsteinpflaster und erklärte den müllmännern auf der anderen strassenseite die sachlage.

die hörten nur „atelier“ und konstatierten: das sei gewerbemüll und bei der menge koste das 60 bis 80€. wenn das tatsächlich wild abgeladen worden sei müssten wir uns an die polizei wenden und anzeige erstatten. ansonsten sei da nichts zu machen.
mein nachbar schob also den karren mit dem müll wieder zurück vor unsere haustür wo er bis heute liegt.
inzwischen ist auch noch ein lattenrost dazu gekommen.

gestern habe ich also mal die stadtreinigungshotline angerufen, um nachzufragen, ob es nicht vielleicht doch möglich ist, die sache auf dem kurzen dienstweg zu klären.

die dame von der hotline war erstaunlich freundlich. da finde sich bestimmt eine lösung, sie würde mich jetzt mal durchstellen zu jemandem der mit sowas zu tun hat.

ein herr meldete sich und ich erklärte abermals die sachlage. auch dieser hatte vollstes verständnis und meinte, er würde gleich mal mit den leuten vom betreffenden hof sprechen, damit die wissen, dass wir nochmal kommen. wir müssten dann nur etwas unterschreiben und dann nehme man den müll gebürenfrei an. er würde sich gleich wieder bei mir melden.

eine halbe stunde später rief er an, er habe jetzt mit den leuten gesprochen, alles kein problem. man müsste die farbdosen aber… farbdosen? ich unterbrach. nee, in diesem fall ginge es um holz.
es stellte sich raus, dass er nur zuständig für sondermüll war und nicht für holz. unter diesen umständen müsse er mich leider nochmals weiter verbinden. der zuständige würde sich morgen bei mir melden.

das war gestern. der zuständige hat sich eben gemeldet. ein herr m., gruppenleiter des recyclinghofes bullerdeich 6. leider sah er die dinge komplett anders als seine beiden kollegen. nein, natürlich könne man die sog. „wildablagerung“ nicht so ohne weiteres annehmen. der müll gehöre in jedem fall dem eigentümer, auch bei wildablagerungen. er gehöre immer dem, auf dessen grundstück er sich gerade befinde. in diesem fall also der sprinkenhof AG. da es sich um gewerberaum handle müsste in jedem fall eine gebühr entrichtet werden.
um den müll also loszuwerden sollten wir uns an den vermieter wenden, der müsste dann den müll entsorgen und gegebenenfalls anzeige erstatten.
ausnahmen mache er keine, dann könne ja jeder kommen. die entsorgung von müll koste geld (diesen satz wiederholte er in dem gespräch noch ungefär 4 mal).

mein argument, dass das mittlerweile 10 minütige telefonat doch sicher auch schon einiges koste – ich ginge davon aus dass er als gruppenleiter etwas mehr verdiene als die männer auf dem hof – und das geld könne man ja auch schon sparen, indem er einfach einwillige, den müll anzunehmen, zündete auch nicht so richtig.

zum generellen wildablagerungsproblem in unserem hof riet er dazu, die hofeinfahrt einfach zu jeder zeit verschlossen zu halten. jeder sei schliesslich für sich selbst verantwortlich.
auf meine bemerkung, dass seine kollegen dann aber nicht mehr bei uns wenden könnten, sagte er nichts.

morgen schmeissen wir einfach den mist ins auto und fahren damit zum recyclinghof in der schanze.

hochwasserbassin

jahrelang hatte vor unseren ateliers ein hässlicher parkplatz die aussicht versaut und dann hiess es vor etwa einem jahr plötzlich, wir würden einen park bekommen. von heute auf morgen wurde ein bauzaun errichtet und der asphalt weggerissen. mit weggerissen wurde zwar auch ein romantisches kleines wildes birkenwäldchen, das im parkkonzept offenbar nicht vorgesehen ist, aber hauptsache park.

das mit dem wäldchen fiel im konzept wohl unter den programmpunkt “entschlackung”:

ENTSCHLACKUNG
Der dicht verwobene Bestand an eingezäunten Sportstätten, brachliegenden Gebäuden, struppigen Ruderalbiotopen und abweisenden Gewerbearealen vereinnahmt derzeit den zukünftigen Grünzug.
So wird an den richtigen Stellen mit dem Skalpell gearbeitet, um aus dem vorgefundenen Heterogenen durch behutsame Intervention eine zusammenhängende Parkanlage in Hammerbrook herauszuarbeiten. Zu erhaltende Sportbereiche werden auf ein funktional vertretbares Volumen beschnitten um an geeigneter Stelle allgemein nutzbare Erweiterungen entwickeln zu können (offene Parkräume, vernetzte Biotopbereiche, nutzbarer Künstlercampus…).

aber zurück zum thema.
auf der gegenüberliegenden seite des parks steht das sogenannte hochwasserbassin. das sind 3 gebäude, die schon seit 10 jahren leer stehen. im zuge der parkgeschichte hat sich die stadt überlegt, dass da ja auch irgendwas “kreatives” rein könnte und weil es ja jetzt die “hamburger kreativgesellschaft” gibt, haben die das projekt jetzt übernommen.

heute morgen hab ich eine mail erhalten mit einem link zur offiziellen ausschreibung der “hamburger kreativgesellschaft” für das hochwasserbassin.
da ich die seite der “kreativgesellschaft” nicht so häufig besuche (heute das erste mal) habe ich alle 4 besichtigungstermine verpasst.
zufällig habe ich dann aber jemanden gesprochen, der den letzten besichtigungstermin wahrgenommen hat und das, was hier beschrieben wird noch ergänzen konnte.

demnach handelt es sich um drei stark sanierungsbedürftige gebäude und 4.500 m² gesamtfläche. die soll entweder komplett oder aber in drei teilen (weil 3 gebäude) vermietet werden.
die vermietung ist auf 20 jahre begrenzt weil das gebäude dann abgerissen werden soll. der oder die mieter finanzieren auf diese weise den abriss.
der vermieter übernimmt die sanierung der äuseren hülle, den rest muss der mieter selbst finanzieren. und dieser rest sind ua. sanitäre anlagen, elektrik, heizung etc. – laut meines bekannten sehe es in den gebäuden “ziemlich krass” aus.
die miete liegt ab einzug bei 2-3 €/m² kalt.

jetzt frage ich mich nur: gibt es in hamburg irgendwelche künstler, die 4500 m² zu 2-3€ für ein komplett sanierungsbedürftiges projekt zahlen können? oder künstlerkollektive die 9.000 bis 13.500€ im monat aufbringen wollen um dann ein jahr lang daran zu arbeiten, dass sie irgendwann mal funktionierende klos haben und dafür auch nochmal bereit wären, keine-ahnung-wieviel kohle abzudrücken?
gibt es künstler, die tatsächlich in der lage wären, ein ernstzunehmendes nutzungskonzept für so eine große fläche auszuarbeiten, für die man eigentlich architekten bräuchte, die auch wieder bezahlt werden müssen?

oder spricht die hamburger “kreativgesellschaft” in dieser sache etwa garkeine künstler an sondern werbeagenturen und architekturbüros?

aber es sind ja noch 2 wochen zeit bis zum abgabetermin, vielleicht fällt uns ja noch was cooles ein.

UPDATE:

eben kam per mail rein, dass noch ein besichtigungstermin angeboten wird:

Aufgrund von Nachfragen bieten wir im Rahmen des Interessenbekundungsverfahrens einen weiteren Besichtigungstermin an: Am nächsten Montag, den 14. Mai 2012 um 10.00 Uhr. Treffpunk ist wieder der Innenhof. Wenn Sie an dieser Besichtigung teilnehmen möchten, dann melden Sie sich bitte kurz [...] an.

Zu Ihrer Information: Auf unserer Internetseite finden Sie mittlerweile die Pläne der Gebäude als dwg-Dateien: http://kreativgesellschaft.org/de/schwerpunkte/projekte/entwicklung-hochwasserbassin

Hamburg Kreativ Gesellschaft mbH
Hongkongstr. 5 / 3. Boden – 20457 Hamburg

Telefon +49. 40. 87 97 986-17
Telefax +49. 40. 87 97 986- 20

www.kreativgesellschaft.org

„live-protokoll“

beim werkstattgespräch zur neubebauung des grundstücks hafentor 7 (siehe „werkstattgespräch“ und „bildzeitung gegen anwohner“ hier im blog) wurde ein sogennantes „live-protokoll“ erstellt. während der veranstaltung wurde mitgeschrieben und die eingabemaske wurde während des schreibens auf eine kleine leinwand projiziert.

grundsätzlich ist es eine ziemlich gute idee, eine veranstaltung so zu dokumentieren. ein bisschen irritierend fand ich jedoch, dass das protokoll erst 20 tage nach der veranstaltung zugänglich gemacht wurde: es wurde am 2. märz von euroland per email an die anwohner verschickt*. das erstellungsdatum der PDF-datei ist der 27. februar.

angekündigt war eigentlich, das protokoll auf der euroland-seite zu veröffentlichen. tatsächlich ist es jetzt auch auf den webseiten vom quartiersmanagement neustadt gelandet. dort habe ich es allerdings nur mit googles hilfe finden können, auf den webseiten des quartiersmanagements neustadt selbst nicht.

was euroland oder markus birzer in den 16 tagen zwischen dem 11. februar und dem 27. februar mit dem protokoll gemacht haben ist nicht ganz klar. allzuviele korrekturen fanden aber offensichtlich nicht statt. so war zum beispiel der „Teilnehmer“ der sich laut protokoll “als Bewohner des Gebäudes Hafentor 2 zu erkennen“ gab, kein einfacher bewohner, sondern der besitzer des hauses hafentor 2, herr stoll.

immerhin kann jetzt jeder interessierte nachlesen, was am 11. februar besprochen und versprochen wurde.

*) witzigerweise wurde die email an die anwohner mit dem angehängten protokoll von euroland mit einem deppendisclaimer einer juristisch eher fragwürdigen geheimhaltungsklausel und einem haftungsausschluss für virenschäden verschickt. auf englisch. doppelt absurd. bleibt zu hoffen, dass euroland stringenter baut, als emails verschickt:

The information contained in this communication is confidential, may be privileged and is intended for the exclusive use of the above named addressee(s).  If you are not the intended recipient(s), you are expressly prohibited from copying, distributing, disseminating, or in any other way using any information contained within this communication.  We have taken precautions to minimise the risk of transmitting software viruses, but we advise you to carry out your own virus checks on any attachment to this message.  We cannot accept liability for any loss or damage caused by software viruses.  If you have received this communication in error please contact the sender by telephone or by response via mail.  This communication is from EUROLAND Projektierungen GmbH, principal place of business is Hamburg, Germany. EUROLAND Projektierungen GmbH is registered at Hamburg HRB 67883. Management: Karsten Horx, Ulrich Menten, Robert Rocholl.

von felix schwenzel

bildzeitung gegen anwohner

beim workshop, bzw. „werkstattgespräch“ zur neubebauung des hafentors war leider nur ein einziger journalist anwesend. der „chefreporter“ bei der bild hamburg, jörg köhnemann. das liess nichts gutes ahnen. und tatsächlich, bereits am dienstag, nur 10 tage nach der veranstaltung, veröffentlichte er einen kurzen bericht in der bild hamburg (leider nicht online).

bereits die überschrift lautet leicht desinformierend: „Elbblick gefährdet — Anwohner gegen Hafentor-Wohnungen“.

nur: grundsätzlich gegen die bebauung sind die anwohner gar nicht. die diskussion zeigte klar, dass die mehrheit lediglich ein problem mit der geplanten bauhöhe und der gigantischen kubatur des entwurfs hat — zu dem es, trotz gegenteiliger versprechen, übrigens auch keinen alternativentwurf gibt. hier ein bild der visualisierung der architekten auf den neubau vom kuhberg herunter:

die bild-zeitung meint, der bau sei unauffällig

köhnemann nennt den entwurf „unauffällig“. und er schreibt: „So plant Euroland: Der Neubau würde Schweden-Kirche und Elbphilharmonie nicht verdecken“

das ist natürlich eine frage der perspektive.

ob ein neubau etwas verdeckt oder nicht, ist auch eine frage der perspektive

weiter schreibt köhnemann:

Entwickler Euroland will in bester Lage mit Blick auf Elbe, Docks und “Rickmer Rickmers” 50 Mietwohnungen (davon 26 Sozialwohnungen für behinderte Studenten, ältere Menschen), Läden und einen neuen, hellen S-Bahn-Zugang bauen.
Aber den meisten Anwohnern sind die sechs Stockwerke (22,50 m) zu hoch, sie bangen um ihren Sahne-Blick auf den Hafen.

auch das scheint mir eigentümlich für jemanden der sich „reporter“ und nicht etwa „fakten-ausdenker“ nennt. denn viele der anwohner die sich während des „werkstattgesprächs“ zu wort meldeten und sich über die zu grosse höhe des geplanten neubaus beklagten, wären in ihrer sicht gar nicht eingeschränkt. auch der eigentümer eines direkt gegenüberliegenden hauses, herr stoll, sagte ausdrücklich, er habe nichts gegen den neubau, wundere sich aber darüber, dass er, als er sein haus aufstocken wollte, „um jeden zentimeter“ mit der baubehörde ringen musste und euroland jetzt plötzlich viel höher bauen dürfe.

um den sahne-blick bangt in wahrheit euroland. wenn sie nicht ungewöhnlich hoch bauen könnten, wären eben auch weniger wohnungen mit „sahneblick“ zu vermieten. denn der aussicht der ersten paar geschosse des neubaus steht die hochbahn im weg. hochbahn-blick, lässt sich natürlich nicht so gut verkaufen, wie elbblick. die geplanten sozialwohnungen (köhnemann: „für behinderte Studenten, ältere Menschen“) haben ohnehin keinen elbblick.

am ende bietet jörg köhnemann dem euroland-sprecher GAL-chef-mitte michael osterburg noch gelegenheit die sicht eurolands seine sicht ausführlich darzulegen:

Der Bezirk ist für den Bau. Fällt durch die Anwohner-Proteste eine Etage weg, ist das Gesamtprojekt gefährdet, weil es sich für den Investor dann nicht mehr rechnet.

der bezirk ist für den bau? hier fehlt noch der hinweis, dass auf der auf der stadtplaungsausschusssitzung die unter ausschluss der öffentlichkeit stattfand, vom bezirk lediglich beschlossen wurde, dort zu bauen. dem bau nach dem derzeitigen planungsstand und finanzierungsmodell, wie michael osterburg das darstellt, wurde keinesfalls pauschal zugestimmt. der bezirk beschloss auch, dass über rahmenbedingungen wie die höhe und die nutzung der öffentlichen flächen, erst verhandelt werden solle, nachdem die stimmen der anwohner gehört wurden. michael osterburg scheint das was die anwohner zu sagen haben nicht zu scheren. er (und jörg köhnemann) ziehen es offenbar vor, die anwohnerbedenken als egoistisches rummäkeln und wutbürgertum zu denunzieren.

der leiters des zuständigen stadtplanungsamts michael mathe wurde während des werkstattgesprächs nicht müde zu betonen, dass der bezirk und die verwaltung hart verhandeln würden und die einwände der anwohner sehr ernst nehmen würden. auch der anwesende SPD-vertreter arik willner machte mit seinen wortmeldungen nicht den eindruck, dass der neubau, so wie er präsentiert wurde, für den bezirk eine ausgemachte sache sei.

immerhin beruhigend zu sehen, dass die bild hamburg weiterhin nicht allzugrossen wert auf sauberen journalismus legt, sondern dass die bild-zeitung ihre hauptaufgabe vor allem in stimmungsmache, freundschaftsdiensten und faktenbiegung zu sehen scheint.

von felix schwenzel

werkstattgespräch

wer sich für den newsletter des quartiersmanagers eingetragen hatte bekam die einladung zum workshop per mail. im vorfeld hiess es zwar, dass wurfzettel verteilt werden sollten, in unserem haus wurden jedoch keine wurfzettel verteilt. auch in anderen häusern am kuhberg und eichholz nicht.
ein paar tage vor dem workshop wurden immerhin zwei aufsteller auf der strasse angebracht – dumm nur, dass die ausstellung der entwürfe, die ebenfalls auf den aufstellern beworben wurde, bereits am wochenende zuvor stattgefunden hatte.

dafür war der workshop immer noch recht gut besucht. für einen „workshop“ fast etwas zu gut, aber es war ja auch kein workshop mehr: bei der unter ausschluss der öffentlichkeit stattgefundenen sondersitzung des stadtplanungsausschusses wurde er umbenannt in „werkstattgespräch“.

das „werkstattgespräch“ war dann auch eher eine informationsveranstaltung, bei der im anschluss fragen gestellt werden konnten. frontal zum publikum sassen die initiatoren (für die firma euroland die herren horx und rocholl, sowie herr dinse von dinse feest zurl), dahinter eine leinwand für die powerpointpräsentation. ausserdem gab es einen moderator, der die wortmeldungen moderierte.

an der hinteren wand waren auch ein paar stuhl-halbkreise um improvisierte flip-charts aufgebaut, da aber das interesse des publikums gar nicht darin lag, sich irgendetwas nettes für das erdgeschoss auszudenken oder etwa die fassadenfarbe zu bestimmen sondern einzig, zu erreichen, dass das ding nicht so unproportional und hoch gebaut wird, erübrigten sich die stuhlkreise.

es gab kaffee und brötchen, stellwände mit entwürfen, visualisierungen und verschattungsstudien sowie ein stadtteil-modell. es liess sich jedoch (abgesehen von den brötchen) nichts entdecken, was nicht schon bekannt gewesen wäre.

3 stunden waren eingeplant. gut das erste drittel ging für vorträge der investoren und des architekten drauf, danach war zeit für fragen aus dem publikum bzw. eine diskussion. als der moderator nach der ersten hälfte darauf hinwies, dass nun eine mittagspause auf dem programm stünde, lehnten die anwohner mehrheitlich dankend ab.

euroland schien sich das mit der bürgerbeteiligung irgendwie anders vorgestellt zu haben. einfacher vielleicht. zumindest entstand unter den anwohnern während der veranstaltung keine allzugrosse begeisterung für das projekt. der architekt und die investoren waren nach wie vor ziemlich begeistert von ihrem projekt, allerdings weniger angetan von der immer wieder artikulierten forderung der anwohner nach einer geringeren bauhöhe.

die euroland-vertreter bemühten sich nach kräften, ihr projekt ins beste mögliche licht zu rücken. auch der achitekt plauderte munter drauflos, wie er extra auf den kichtturm gekraxelt sei, um die situation mal von dort oben zu betrachten, und wie er sich darum kümmern wolle, dass das gebäude auf der gegenüberliegenden strassenseite auch noch ein geschoss obendrauf bekommt und damit gleich hoch sei.

in diesem zusammenhang wurden wieder dieselben visualisierungen gezeigt, die in den vergangenen monaten schon öfter moniert wurden. zuletzt sogar von mitgliedern der stapla-sitzung im oktober. weitere visualisierungen, auch aus anwohnerperspektive, würden nachgereicht, hiess es damals. neu war nun lediglich eine 3D-animation, die aber ebenfalls fast ausschliesslich ansichten aus „touristenperspektive“ umfasste.

euroland beklagte, dass das projekt in verschiedenen berichten falsch dargestellt wurde. so sei zum beispiel von eigentumswohnungen nie die rede gewesen, man sei sogar bereit, dies vertraglich zuzusichern. daraufhin erklärte ein anwohner, dass es für die meisten bürger überhaupt keine rolle spiele, ob dort nun eigentumswohnungen oder wohnungen zu hochpreismieten entstünden.

ein weiterer aspekt, mit dem euroland zu punkten versuchte, war der „biosupermarkt“. im laufe der veranstaltung wurde der „biosupermarkt“ fast zu einer art running gag.
bei der stadtteilkonferenz im september hatte ein anwohner als spontane idee für die erdgeschossnutzung des neubaus einen biosupermarkt vorgeschlagen und daraus machte euroland nun gewissermassen das hauptglied ihrer argumentationskette: sie wollten einen biosupermarkt, wir setzen das für sie um – wie sie sehen, hören wir auf sie, also was wollen sie denn jetzt noch?!
es seien sogar bereits gespräche mit potenziellen betreibern geführt worden und sei zu dem schluss gekommen, dass man an diesem ort so etwas profitabel betreiben könne.
doch so aufmerksam euroland auf einen einzelnen einwurf wie „biosupermarkt“ hörte, so taub gab man sich auf mehrfach geäusserte aussagen wie „zu hoch“ oder „zu klotzig“.

fast jede anwohner-wortmeldung forderte einen verzicht auf ein bis zwei stockwerke. ohnehin schon schmale strassen würden verengt, gegenüber liegende gebäude verschattet, vorhandene grünfläche überbaut und verschiedene blickachse zum hafen verstellt.
aber nichtmal das nutzungskonzept schaffe für die bewohner des viertels einen erkennbaren mehrwert. weder inhaltlich noch formal nehme der geplante neubau einen echten bezug auf das viertel und die interessen der anwohner.
wenn euroland tatsächlich, wie es vorgibt, an einem guten auskommen mit den bewohnern des viertels gelegen ist, sollte es den bewohnern ein stück weit entgegenkommen und zwei oder mindestens ein geschoss niedriger zu bauen.

auf die frage „ist es denn für sie denkbar, ein geschoss weniger zu bauen?“ hiess es, die planung sei schon zu weit fortgeschritten, man müsse dann ja alles nochmal überarbeiten, das sei schlecht möglich. einen alternativ-entwurf gebe es leider auch nicht. ausserdem könne man schliesslich auch nicht jeden einzelfall berücksichtigen (bloss weil einzelne ihre schöne aussicht verlieren, könne man ja nicht ein derart komplextes projekt einfach umwerfen).

die bitte einer anwohnerin, die mehrheitliche kritik an der höhe des geplanten neubaus doch ernst zu nehmen und nicht als „einzelfälle“ kleinzureden, führte in der antwort von karsten horx auf direktem wege wieder zurück zum biosupermarkt.

ein weiteres argument der euroland-vertreter gegen eine niedrigere kubatur war die finanzierbarkeit. dies wurde bereits bei der stadtteilkonferenz diskutiert, als sich euroland um verständnis dafür bemüht hatte, dass eine gewisse größe und höhe unumgänglich sei. man habe das grundstück zu einem sehr hohen preis erworben und irgendwie müsse das geld schliesslich auch wieder reinkommen.

was bei dem „werkstattgespräch“ allerdings ans licht kam war die nicht ganz nebensächliche information, dass euroland noch gar nicht die gesamte fläche gehört, auf der sie zu bauen planen. um so bauen zu können wie geplant, muss euroland noch grund und boden von der stadt hinzu kaufen und ist darauf angewiesen, dass die stadt ihr dabei preislich entgegen kommt. tut die stadt dies nicht würde das projekt möglicherweise scheitern.

mit 50% gefördertem wohnraum und der wohnraum-für-menschen-mit-behinderung-trumpfkarte hofft euroland nun die stadt in eine lage zu bringen, in der sie ihnen entgegen kommen muss.

vor diesem hintergrund erschien die diskussion um die höhe in korrelation zur finanzierbarkeit natürlich in einem ganz neuen licht. ein anwohner meldete sich zu wort und fragte, wieso es eigentlich die bürger ausbaden müssten, wenn ein investor zuviel geld für ein grundstück ausgegeben habe. es sei doch bedenklich, dass selbst wenn die stadt den investoren entgegen käme, indem sie den hinzukauf von billigem grund ermögliche, eine optimale geschossflächennutzung trotzdem nur durch eine maximal hohe bebauung erzielt werden kann. eine bauhöhe, die in dieser höhe im viertel bisher noch gar nicht möglich war und nur durch änderung der bebauungspläne (derzeit ausgewiesen als grünfläche) möglich würde.

im laufe der diskussion wurde die befürchtung geäussert, dass sich möglicherweise niemand „traue“ ein projekt, das günstigen wohnraum für „behinderte“ schaffe, zu kritisieren. sogesehen sei ein wohnkonzept für menschen mit behinderung und ältere mitbürger auch als eine form von erpressung wahrnehmbar.

an die anwesenden politiker wurde der vorwurf gerichtet, dass die stadt bisher kaum ernsthaft an der förderung solchen wohnraums für menschen mit behinderung interessiert gewesen sei, da die potenziale für solche projekte in der nahegelegenen hafencity noch nicht mal ansatzweise ausgeschöpft wurden. auch in der „neuen mitte“ von altona sei bisher von solchem geförderten wohnraum nichts zu erkennen.

nichts spreche gegen die vergabe von 50% der §5-schein-wohnungen an einen behindertenverband, aber der bedarf des hafenviertels könnte diesen geförderten anteil des neubaus ebenfalls problemlos füllen. schliesslich benötigen nicht nur die allerärmsten in unserer gesellschaft hilfe, sondern auch die “ein-bisschen-armen” oder kinderreiche familien.

nicht ganz so klug wie die diskussionsbeiträge aus dem publikum waren die des GAL-fraktionsvorsitzenden michael osterburg. dieser schien auch ausgesprochen verständnislos für die mehrheitliche ablehnung der 7 geschosse und machte aus seiner begeisterung für das projekt und die firma euroland keinen hehl.

einzelnen gespächsbeiträgen aus dem publikum zu folgen ist sicher auch nicht so einfach, wenn man während der gesamten diskussion an seinem i-phone und i-pad rumdaddelt oder kaffee holen ist – dass sich der GAL-mann aber nichtmal die mühe machte, aufzuschauen, als ein teilnehmer der veranstaltung die anwesenden politiker direkt ansprach, war schon etwas irritierend.

die herablassung mit der er das anwesende publikum zurecht wies: „sie wollen keinen biosupermarkt, keine landkarten, keine gastronomie – langsam müssen sie sich aber schon mal überlegen, was sie eigentlich wollen!“ war ebenfalls erstaunlich.

immerhin sorgte er für einen guten lacher als er das publikum belehrte, dass man sich doch freuen könne, wenn auf diese weise auch mal menschen mit behinderung einen elbblick bekämen.
was herr osterburg hierbei übersah war, dass sich der geförderte wohnraum nur über die unteren stockwerke erstrecken soll, während der elbblick nur menschen mit entsprechendem einkommen vorbehalten sein wird. andererseits gibt es natürlich auch menschen mit behinderung und vermögen, vielleicht meinte er ja die.

osterburg schien die interessen der anwohner vor allem für lächerlich, egoistisch und allgemein ignorierenswert zu halten. man fragte sich, ob osterburg hinter irgendeiner unsichtbaren karotte herrennt, die ihm euroland vor die nase hält, ob er euroland einfach so knorke findet oder ob ihm bürgerbeteiligung einfach grundsätzlich zuwider ist.

euroland dagegen meint es tatsächlich ernst mit der bürgerbeteiligung. man will auf jeden fall den eindruck vermeiden, dass man an den interessen der bürger vorbei agiere. allerdings ist die vorstellung von bürgerbeteiligung bei euroland eine etwas andere als bei den betroffenen: euroland möchte die bürger von ihren plänen überzeugen, die bürger möchten die pläne ändern und die negativen auswirkungen auf das viertel möglichst gering halten.

der anschein von bürgerbeteiligung und akzeptanz ist natürlich auch enorm wichtig für die weiteren verhandlungen von euroland mit der stadt und der verwaltung. er ist neben den 50% geförderten wohnraum und der (angeblichen) verbesserung der s-bahn-eingangssituation das pfund mit dem euroland in den verhandlungen zu wuchern gedenkt.

es bleibt zu hoffen, dass zumindest ein paar der anwesenden vertreter der verwaltung und der politik anders gestrickt sind als michael osterburg und das, was die anwohner erstaunlich sachlich vorgetragen haben, ernstnehmen und mit in die weiteren verhandlungen mit euroland einbringen. schenkt man den worten des SPD-vertreters arik willner und des leiters des zuständigen stadtplanungsamts michael mathe glauben, könnten die verhandlungen für euroland komplizierter als erwartet verlaufen.

felix schwenzel und katia kelm

ausflugstipp

heute, am Samstag, den 11.02.
von 11:00-14:00 Uhr
Im Haus der Jugend, Stintfang,
Alfred Wegener-Weg 3, 20459 Hamburg

findet das sog. “Werkstattgespräch zur Neubebauung des Grundstücks Hafentor 7″ statt.
Anwohner und Hamburger Bürgerinnen und Bürger wurden hierzu vom Investor EUROLAND zur Mitsprache eingeladen.

Davor findet außerdem eine Begehung des Standortes mit EUROLAND von 9:30-10:30 Uhr statt.

update hafentorbebauung

heute und morgen (am samstag, den 4.2. und sonntag, den 5.2.) findet zwischen 15 und 18 uhr eine kleine ausstellung der pläne sowie eines modells des geplanten neubaus direkt am hafentor 7 statt.

ein empfehlenswerter abstecher auch für durchgefrorene sonntagsspaziergänger zumal es bei frau oelker, der dort bis zum abriss noch residierenden malerin, sogar glühwein gibt.

neues vom hafentor

nachdem bereits teilnehmer der stapla-sitzung im oktober (bericht im abendblatt) die visualisierungen beanstandet hatten wurde die abstimmung verschoben. der neue termin sollte nun jedoch unter ausschluss der öffentlichkeit stattfinden.

euroland hatte zwar zugesichert, weitere ansichten zu erstellen, die das geplante gebäude etwas weniger panoramisch und vogelperspektivisch zeigen sollten – um allerdings ganz sicher zu gehen, dass die “beschönigungen” der bereits vorliegenden visualisierungen auch zur kenntnis genommen werden haben wir einfach eigene erstellt. diese haben wir mit folgendem anschreiben an die teilnehmer der „konspirativen“ abstimmungs-sitzung gemailt:

Sehr geehrte Damen und Herren,
anliegend erhalten Sie überarbeitete Ansichten der durch Euroland geplanten Bebauung Hafentor 7. Wie Sie den Ansichten entnehmen können, weicht die dargestellte Gebäudehöhe, welche durch Herrn Horx/Fa. Euroland in einem Gespräch mit unserer Anwohneriniative auf 22 bis 24 Meter angegeben wurde, teilweise deutlich von den durch Euroland erstellten und den Mitgliedern der Bezirksversammlung vorgestellten Ansichten ab. So entsteht aus unserer Sicht der fälschliche Eindruck, als handele es sich um ein an der Gebäudehöhe des gegenüberliegenden Hauses (Hotel Hafentor) orientierten Baukörper.

Die aus unserer Sicht nicht mit der bestehenden Bebauung des umliegenden Viertels in Einklang stehenden Ausmaße des geplanten Gebäudes werden aus verschiedenen Gründen in den von Euroland gelieferten Ansichten nicht ausreichend deutlich. Neben der offenbar nicht maßstabsgetreuen Darstellung, welche die tatsächliche Höhe falsch abbildet (s. Anlagen), wurden in einigen Ansichten (z.B. von Kuhberg aus) Passanten und Bäume unverhältnismäßig groß dargestellt, um das Gebäude kleiner wirken zu lassen.
Das Sockelgeschoss soll etwa 4m Höhe messen, endet aber weit unter der tatsächlich 4m hohen Litfasssäule. In der Ansicht von der Fußgängerbrücke U3 fällt die linke Dachfläche ab und verschwindet so hinter den Bäumen. Sieht man sich aber den Standpunkt des Fotografen an dieser Stelle auf der Flurkarte mit dem Bebauungsvorschlag an, kann man sehen das Fotograf und Gebäude parallel zueinander stehen.

Wir Anwohner hoffen, Ihnen mit diesen Ansichten vor der Abstimmung über die Gebäudehöhe am 19.12.2011 eine weitere Entscheidungshilfe liefern zu können. Dazu haben wir ihnen mehrere von uns erstellte Perspektiven aus anderen Positionen (mit realen Höhen (18+4m)) geliefert. Als Grundlage wurden umliegende Gebäude in der Höhe gemessen.

Vor diesem Hintergrund möchten wir auch noch einmal unsere Befürchtung zum Ausdruck bringen, dass durch die Abstimmung am 19.12.2011 eine der öffentlichen Diskussion entzogene Vorentscheidung über die Gebäudehöhe getroffen wird. Dies widerspricht unseres Erachtens der zunächst von Euroland und BV angekündigten Möglichkeit der Bürgerbeteiligung. Es entsteht zudem der Eindruck, dass der eigentlich für diesen Monat angekündigte „Workshop“ nunmehr in den Februar verschoben wurde, um dem Protest der Anwohner ein mögliches Forum zu entziehen und diese angesichts der zu befürchtenden Vorentscheidung bezüglich der Gebäudehöhe/-ausmaße vor vollendete Tatsachen zu stellen.

Der zunächst entstandene Eindruck, dass es sich um einen ergebnisoffenen Prozess handelt, in dem das Gesamtobjekt in Ausmaßen und Nutzung mit den Anwohnern diskutiert werden könne, entpuppt sich für uns somit als Chimäre. Es entsteht viel mehr der Eindruck als würde Euroland Bezirkspolitik und Anwohner „an der Nase herumführen“. So wurde uns im Gespräch mit Euroland von der Geschäftsführung deutlich gemacht, man habe das Grundstück nunmal teuer von der Stadt gekauft und gehe nun davon aus, den bestehenden Entwurf ohne Abstriche realisieren zu können. Auf unsere Frage, was denn alternativ – im Falle einer Nichtzustimmung der BV – auf dem Grundstück geplant sei, sagte man uns, dass es keine Alternativplanung seitens Euroland gäbe und ein kleineres Gebäude sich nunmal nicht „rechnen würde“. Auch bei dem Workshop ginge könne es letztlich nur noch um die Nutzung des Erdgeschosses und evtl. noch ein wenig um die Fassadengestaltung gehen. So werden die Entscheidungsträger letztlich mit dem Argument erpresst „Wenn Sie dem Entwurf nicht zustimmen, dann geschieht hier erstmal gar nichts !“. Bei allem Verständnis für das betriebswirtschaftlich gesehen verständliche Gewinnsterben eines Investors ist es für uns nicht nachvollziehbar, warum die Stadt ein derartiges Grundstück offenbar höchstbietend verkauft, ohne zuvor entsprechende Auflagen gemacht zu haben, um sich dann mit diesem Argument vom Investor zur Zustimmung nötigen zu lassen. Alternativ wäre zum Beispiel eine Anheimgabe des Grundstückes an ein städtisch gefördertes Wohnungsbauunternehmen denkbar gewesen, welches hier in kleinerem Maßstab dem Viertel gerecht werdenden sozial geförderten Wohnraum hätte schaffen können.

Das geplante Gebäude zerstört unseres Erachtens den Blick auf die Bastion, greift unverhältnismäßig ins Bild des Viertels und die Sichtachsen vom Stintfang ein und die geplante Nutzung mit 50 % hochpreisiger Wohnungen birgt die Gefahr, der schleichenden Gentrifizierung des Viertels weiter Vorschub zu leisten.
Wir beabsichtigen auch, unseren Protest mit einer Unterschriftensammlung von Anwohnern zu belegen, wenden uns aber zunächst mit diesem Schreiben an Sie, in der Hoffnung, eine übereilte Zustimmung am 19.12. noch abwenden zu können.

Mit freundlichen Grüßen
Kai Bögle und Peter Wohlgemuth für die Anwohnerinitiative Hafentor


interessant ist ausserdem eine von euroland erstellte ansicht von der aussichtsplattform am stintfang. als ich vor ein paar wochen versuchte, die perspektive nachzustellen, fiel auf, dass das bild mit ca. 7 meter abstand zur mauer gemacht wurde.
nur: welcher tourist bleibt 7 meter vor der mauer stehen? tatsächlich soll auch hier ein falscher eindruck geweckt werden. aus der gewählten perspektive wirkt das gebäude niedriger als es tatsächlich aussieht. die bilder wurden nicht in der absicht zur neutralen information erstellt.

ein paar tage später erreichte uns eine mail, dass dem bauvorhaben zugestimmt wurde.
rahmenbedingungen wie höhe und nutzung sollten jedoch erst nach dem geplanten workshop mit den anwohnern festgelegt werden, damit, so hiess es, unsere bedenken „zumindest eine chance hätten“. der investor sei allerdings in punkto gebäudehöhe und -größe etwas „hartherzig“. (absurder kann man das wohl nicht formulieren)

des weiteren habe man einen termin für den anwohner-workshop festgelegt. er findet statt am:

samstag, den 11.02.2012 – von 11 bis 14 Uhr
voraussichtlich im haus der jugend neben der jugendherberge

auf die frage, wieso die bezirkspolitiker die größe des gebäudes nicht einfach zur bedingung ihrer zustimmung gemacht haben, kam keine antwort.

aber auch wenn unübersehbar ist, dass anwohner und hamburger bürger hier mit einem workshop abgespeist werden, bei dem von vornherein die einzig relevante frage ausgeschlossen wird – es ist trotzdem wichtig, dass alle, denen das hafenviertel (sog. portugiesenviertel) am herzen liegt, zu diesem “workshop” kommen.
ich werde selbstverständlich auch da sein und freu mich auf euch!

neues zur stintfangbebauung

meine frage, ob es ein fake ist wenn der investor EUROLAND den anwohnern und betroffenen des bauvorhabens “hafentor” diskussionsbereitschaft signalisiert und einen workshop anbietet, ist sogut wie beantwortet: ja, es ist ein fake.

das angebot eines workshops kam erstmalig auf bei der stadtteilkonferenz am 27.9., als ich mich über die „kristalline form“ und dimension des monströsen neubaus echauffierte. ob denn schon alles feststehe, wollte ich wissen. herr horx von EUROLAND erwiderte: das könne man alles noch diskutieren – zb. im rahmes eines workshops.

vor etwa zwei wochen trafen sich anwohner mit herrn horx und um genauere informationen zum workshop zu erfragen.
zufällig wohnen in unserem haus 3 architekten, die auch bereit wären, mit EUROLAND über die bauliche form und höhe des gebäudes auf fachlich kompetente weise zu sprechen.
herr horx machte bei diesem treffen überraschend klar: der workshop wird sich ausschliesslich auf die nutzung beziehen – an der hülle und höhe wird nicht gerüttelt.

es handelt es bei diesem “workshop” aus meiner sicht insofern um eine reine PR aktion.

von seiten mancher fachbehörden hört man übrigens bereits, dass diese für das bauvorhaben eher nach gründen gegen wohnungen und für die errichtung eines ‘wirtschaftfreundlichen bürogebäudes‘ suchen.
immerhin scheint das denkmalschutzamt etwas mehr begriffen zu haben: von dort gibt es eine stellungnahme aus der sinngemäß hervorgeht, dass aus denkmalpflegerischer sicht ein verbauen des hangs und der aussicht auf die volle höhe der bastion äußerst kritisch gesehen wird.

rum traube und die hamburger kulturstiftung

das letzte mal dass meine arbeiten gefördert wurden war vor 10 jahren. damals hatte ich das hamburg stipendium. man bekam damals 1400 mark im monat plus teilnahme an einer gruppenausstellung mit katalog.
seitdem hatte ich mich nie mehr für eine förderung beworben. welche auch? die orte, an denen ich in hamburg meistens ausstelle werden selbst schon gefördert. da bekommen die künstler für gewöhnlich nichts.

für rum traube nuss hatten wir uns bei der hamburger kulturstiftung für eine projektförderung beworden. von der kulturbehörde wird das westwerk eh bereits unterstützt – was allerdings auch nur miete und postkartendruck deckt und dank der elbphilharmonie auch gerade erst wieder gekürzt wurde.

die jury der kulturstiftung lehnte unser projekt ab. auf nachfrage bekamen wir die erklärung, dass wir zu alt seien. man fördere eher jüngere kunst.
das erstaunliche daran war, dass sich diese äusserung nicht auf irgendeine offzielle altersgrenze bezieht. die gibt es im bewerbungsverfahren der stiftung nämlich nicht. man weiss also garnicht, was für die kulturstiftung “junge kunst” bedeutet.

am selben tag, als wir die ablehnung erhielten, traf ich zufällig eine galeristin, die einmal im jahr eine grosse verkaufsausstellung organisiert. sie schwärmte davon, wie gut das geschäft laufe und meinte, sie riefe auch gleich mal bei der kulturstiftung an, die wollten schon so lange mal was für sie tun.