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	<title>katias blog &#187; karriere</title>
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		<title>der beginn meiner karriere in der rüstungsindustrie</title>
		<link>http://katiakelm.de/blog/2009/07/21/der-beginn-meiner-karriere-in-der-rustungsindustrie/</link>
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		<pubDate>Tue, 21 Jul 2009 11:22:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>katia kelm</dc:creator>
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		<description><![CDATA[ich kam gerade ins dritte semester, da hiess es aus der verwaltung: klasse kp brehmer stellt aus. eine klimatechnik firma, die jedes jahr eine klasse der hamburger hochschule in den firmeneigenen räumen ausstellen liess winkte mit 5000 mark und diesmal waren wir dran.
ich bin vor stolz fast gestorben. meine erste ausstellung! als neue in der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>ich kam gerade ins dritte semester, da hiess es aus der verwaltung: klasse kp brehmer stellt aus. eine klimatechnik firma, die jedes jahr eine klasse der hamburger hochschule in den firmeneigenen räumen ausstellen liess winkte mit 5000 mark und diesmal waren wir dran.</p>
<p>ich bin vor stolz fast gestorben. meine erste ausstellung! als neue in der brehmer klasse, hatte ich keinen arbeitsplatz abbekommen (die älteren studenten hatten vorrang), arbeitete also ausserhalb der schule und kannte meine kommilitonen kaum. der professor liess mich machen, das war zwar angnehm, lag aber daran, dass er sich für meine arbeiten nicht interessierte und das kränkte mich. ich wollte ruhm und anerkennung und bekam beschwichtigendes schulterklopfen. <span id="more-218"></span></p>
<p>zunächst mussten wir uns die räumlichkeiten einmal ansehen und die aufbautechnischen einzelheiten klären. die firma residierte in einem industriegebiet am stadtrand. wir fuhren mit öffentlichen verkehrsmitteln.<br />
am empfang wurden wir abgeholt und in die firmeneigene mensa geführt. hier sollte die ausstellung stattfinden. die wände waren mit grün lackierten stahlplatten vertäfelt und die niedrigen decken mit grauen loch-platten verkleidet. der raum stand natürlich voll mit geschirrwagen und tischen und über den tischen hingen grosse hängelampen aus metall. die stimmung war gedrückt aber — optimistisch.</p>
<p>am abend telefonierte ich mit meinem vater und erzählte von der ausstellung. mein vater klärte mich auf. die firma stelle hauptsächlich klimatechnik für kriegsschiffe her. rüstungsindustrie eben.</p>
<p>so war das also mit meiner legendären ersten ausstellung. kaum gings los mit der steilen karriere befand man sich auch schon im gewissenskonflikt. die rüstungsgeschichte ging mir ja am arsch vorbei aber der raum! war für eine riesengrosse scheisse. meine bilder über dampfender kantinenpampe? niemals wollte ich so enden und meine arbeiten in irgendwelchen gastrostätten in verqualmte sitzecken hängen. und jetzt wurde das sogar von der hochschule für uns organisiert.</p>
<p>klar war jetzt auch, dass die PR heinis der firma offenbar ganze arbeit geleistet hatten: wir machen schön auf kulturelles engagement und holten uns ne klasse aus der kunsthochschule &#8211; die sind sowieso immer dankbar wenn sie ihre scheisse irgendwo zeigen können und geben sich womöglich noch richtig mühe, wenn man <s>die wurst nur hoch genug hält</s> das budget für die ankäufe nur klein genug hält. bei der eröffnung hält die dämliche präsidentin dann noch ne schicke rede, das bringt die springerpresse auf touren. obendrein gibts für umsonst ne neue deko für die mensa und die angekaufte kunst kann dann beim chef im vorzimmer stehen, da stört die keinen.</p>
<p>ich hätte natürlich so tun können als hätt ich wegen der kriegsschiffe moralische bedenken. hatte ich aber nicht. ich wollte geld verdienen und kunst machen. nur die rolle des deppen zu übernehmen &#8211; das zehrte an mir. aber ich wollte die hoffnung nicht aufgeben, dass es doch vielleicht irgendetwas bringen würde. vielleicht würde die firma ja verstehen, wenn ich ihr ein ubootgeschwader aus seife schnitzte und einen sockel mit einer waschschüssel und einem stück seife daneben zum verkauf anbot? ausserdem stellte ich extra für die ausstellung eine reihe zeichnungen von den bremer stadtmusikanten her. </p>
<p>selbstverständlich waren transport und aufbau nicht im buget der firma vorgesehen. wir mieteten also auf eigene kosten einen bus und fuhren unsere sachen selbst zur firma.<br />
der aufbau war hart. es gab einen überforderten hausmeister und eine absolut kunstfeindliche umgebung. bilderrahmen halbwegs gerade vor den stahlplatten zu befestigen erwies sich als unmöglich und da die mensa während des aufbaus und der ausstellung weiterhin genutzt wurde konnte man plastische arbeiten fast nicht unterbringen. für die eröffnung durften wir allerdings die tische kurz verschwinden lassen und so hängte ich meine uboote mit nylonfäden von der decke einfach so frei in den raum.<br />
zwei tage dauerte der aufbau. wir waren zwar ab vom schuss aber so traf es sich immerhin gut, dass wir hier in einer mensa waren. als sich der hunger meldete fragten wir mal nach, ob wir auch etwas kaufen könnten. das personal reagierte misstrauisch. man müsse mal nachfragen bei der geschäftsleitung, ob das ginge. nach einer weile hiess es, wir könnten einen teller grütze haben. es gab nur noch einen. einen dessertteller mit roter grütze. für 1,50.</p>
<p>kurz vor der eröffnung hatte sich die firma noch ein besonderes schmankerl einfallen lassen. als wir studenten kurz vor eintreffen der gäste ein letztes mal in die ausstellung traten standen überall gummibäume. man hatte in unserer abwesenheit jede menge hydrokulturkübel aus dem gebäude eingesammelt und in der ausstellung verteilt. es sehe einfach zu leer aus.<br />
ich schob einen der kübel mal probeweise zwischen meine uboote und stellte fest: besser so.</p>
<p>die eröffnung war ein voller erfolg. jede menge reden wurden gehalten und es gab kübelweise sekt und schnittchen. man frass und soff als hätte man die letzten 2 tage nichts gehabt.<br />
ich weiss nur noch, dass auch unser professor irgendetwas redete, unter anderem, dass man doch die gelegenheit für fragen nutzen solle, die künstler seien anwesend. und dass ich später ein paar mitarbeitern (die gäste der veranstaltung waren hauptsächlich die mitarbeiter der firma) die mit ihren aktentaschen vor meinen zeichungen standen, anbot, gerne ihre fragen zu beantworten. und dass ich gefragt wurde, ob ich nicht zugeben will, dass ich da, man zeigte mit dem finger auf eine stelle im bild, doch wohl geschummelt hätte. sie hätten in der schule jedenfalls gelernt, dass gute zeichner nie radieren.</p>
<p>einige wochen später berichtete unser professor, dass die firma übrigens habe verlauten lassen, dass sie die ausstellungreihe in zusammenarbeit mit der hochschule im folgenden jahr nicht fortsetzen wolle. es sei diesmal doch ein recht enttäuschendes event gewesen. viel zu leer, viel zu wenig gute kunst und vor allem diese unsäglichen bremer stadtmusikanten zeichnungen. von wem die eigentlich gewesen wären?</p>
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