am ZOB

felix und ich sitzen träge am hamburger ZOB auf einer bank. die sonne knallt, wir sind viel zu früh und verpicknicken schonmal unseren reiseproviant.
alle paar minuten kommen flaschensammler vorbei und durchwühlen die mülltonne direkt neben mir. erst erschrecke ich mich immer aber nach dem zweiten oder dritten sammler hab ich mich daran gewöhnt.

vor uns am strassenrand schiebt sich noch jemand ins bild, der mit müll zutun hat: ein mann in grauer arbeitskleidung, wahrscheinlich so eine art hausmeister vom ZOB-betrieb, mit einem wagen mit besen, schaufeln und mülltüten. müsliriegel kauend beobachten wir ihn bei der arbeit.

während der hausmeister jetzt mit einer zange müll vom kantstein aufsammelt und in eine tüte am wagen wirft kommt von links wieder ein flaschensammler. diesmal ein auffallend zerlumpt aussehender, sehr junger, der trotz der hitze eine dicke jacke trägt. zielstrebig steuert er auf die mülltonne neben unserer bank zu und fängt an sie zu durchwühlen.

jetzt setzt sich auch der hausmeister in bewegung und steuert in unsere richtung, auf den jungen mann zu. als er neben ihm steht streckt er wortlos seine hand aus und gibt ihm eine flasche.
der junge mann nimmt die flasche, ebenfalls wortlos, und zieht weiter.

jeder ist für sich selbst verantwortlich

zu den nachbarn meiner ateliergemeinschaft am bullerdeich zählen neben dem leerstehenden hochwasserbassin auch die stadtreinigung
und direkt gegenüber ein recyclinghof.

mehrmals am tag benutzen müllwagen unsere hofeinfahrt zum wenden. mein fenster ist genau neben dem tor und mein tisch steht vor dem fenster, sodass ich jedesmal, wenn sich die piependen müllwagen rückwärts durchs schmale tor zwängen, einem grinsenden müllmann 20 cm vor meiner nase zunicken kann. (mehr …)