grosse bloggerportraitreihe teil VI

die tage ein anruf: ein kurator wolle vorbei kommen, sich die neuen arbeiten anzusehen. was sich so nett anhört könnte es auch sein: wenn man nicht grad mitten drin stecken würde im sumpf der eigenen arbeit und überhaupt nicht weiss, was man da eigentlich tut.

ich persönlich weiss sowas ja meistens erst jahre später. bei der vernissage noch unter schock fragt man ein paar ausgesuchte kritiker nach ihrer meinung. die sagen natürlich alle „super“. über inhalte redet eh keiner. wenn keine „ausgesuchten“ da sind zum aussuchen fragt man andere, die sagen „so lala“. noch am selben abend werden freundschaften (zu den „so lala“ findern) gekündigt und tage später verkündet man, das dass eigentlich so ziemlich die beste arbeit sei, die man je gemacht habe. ein halbes jahr später hängt man vor dem kuratorenbesuch ein handtuch davor, ein weiteres halbes jahr später sortiert man die fotos aus der mappe aus. wieviel zeit vergehen muss, bis man die arbeit wieder einigermassen ertragen kann, ist variabel.

da man während dieser prozesse aber eh nie mit irgendwem über inhalte redet braucht man sich darüber ja auch garnicht allzusehr den kopf zerbrechen. könnte man meinen. leider zerbreche ich mir mit vorliebe grundlos den kopf. und zwar doppelt grundlos: schliesslich ist das antworten liefern nichtmal meine aufgabe. und obwohl die besucher von kunstateliers im allgemeinen wissen, dass künstler nicht dazu da sind, ihre eigenen arbeiten zu erklären, habe ich mir — aus prophylaktischen gründen — angewöhnt, meine besucher einfach garnicht erst zu wort kommen zu lassen.
wenn die zur tür rein sind habe ich mir die peinlichsten fragen längst alle selbst gestellt, bin also bestens vorbereitet und kann theoretisch loslegen mit dem vortrag der ergebnisse. leider bestehen die meist bestenfalls aus einem haufen anekdoten von denen nie sicher ist, ob ich mit denen jemals „zum punkt kommen werde“.

das fing schon an der hochschule an. bis heute hat mir der mehrwert von so einem „punkt“ nicht wirklich eingeleuchtet. die meisten meiner kommilitonen hatten im nullkommanichts die kurve gekriegt und den punkt getroffen. eben noch mit landschaftsaquarellen oder blauen katzen-kreidezeichnungen beworben, schon schrieb man zahlen auf milimeterpapier oder malte karopapierkästchen aus. für den fall der thema-frage hatte man sätze parat wie: „ich beschäftige mich mit zellstrukturen“ oder „mit linien“ oder „mein thema ist die wissenschaft“.
was blieb mir anderes übrig als zuzugeben: „ich male bilder“. als ich später in der der sog. „bildhauerklasse“ landete war das thema „raum“ gerade schwer in mode. man beschäftigte sich „mit raum“. ich konnte immerhin sagen: „ich knete“.

fast 10 jahre später nun letzte woche dieses treffen mit dem kurator, der die neuen arbeiten sehen wollte. und ich war mir einigermassen sicher, dass es irgendwas mit „raum“ zutun hat! was mein besucher dazu allerdings meinte, werde ich in zukunft sicher öfter zitieren: „naja. raum ist ja immer.“

One Trackback

  1. Trackbacked 04. April 2009 at 23:05

    [...] Kelm hat einen weiteren Blogger in Knete gesetzt. Sollten Sie die anderen f