anarchie in jena

ich war so bescheuert, dass ich ernsthaft meinte, für jede ausstellung immer etwas neues machen zu müssen. statt einmal irgendwas hinzukneten und das dann hermann mässig weiterzureichen baute ich immer etwas neues. die Anarchie … zeigte ich immerhin zweimal. ursprünglich baute ich sie für eine einzelausstellung in meiner ehemaligen galerie in frankfurt, wo am eröffnungsabend zirca 10 leute waren (freunde, galeristen und michselbst eingeschlossen) und wo ich auf allen 3 installationen sitzen blieb. sowas passiert. nur mir eben nicht und das war auch der grund für meinen spleen, arbeiten nie mehrfach zu zeigen. wie auch wenn alles verkauft war. mein atelier war eh gerade gross genug für das zeug, an dem ich gerade arbeitete.

frankfurt allerdings war ein echter tiefpunkt. eine installation setze ich komplett in den sand, die technik, mittels derer ein aal die fussleisten entlang gleiten sollte, versagte eine stunde vor eröffnung. die anderen drei, Tot! Oder ich ess Dich auf , 4 überlebensgrosse schweine die zeitgleich auf der örtlichen kunstmesse zu sehen gewesen waren und die Anarchie … entwickelten sich, abgesehen davon, dass ich keinen cent verdiente, nach der ausstellung noch zu einem echten problem.

der galerist rief mich an und verkündete, dass ihm für schweine und Tot! … sein lager zu eng werde. binnen einer bestimmten frist solle ich meine arbeiten abholen und selber einlagern. dass ich mir einen transport in dieser grössenordnung nicht leisten konnte interessierte ihn nicht. die vorstellung, das ganze sperrige zeug, was eh durch keine normale tür ging, wieder an der backe zu haben, raubte mir nachts den schlaf: ein paar quadratmeter lagerfläche anzumieten wo es in kisten gestapelt die nächsten 50 jahre im dunkeln verbringen würde, bis zu meinem tod. dann würde die miete ausbleiben und einer würde kommen, mit einem gabelstapler, meine ecke freiräumen für den nächsten mieter.

ich schlug also dem galeristen am telefon vor, er solle die sachen einfach entsorgen, was er auch tat: ein paar wochen später rief mich kunstgeschichts-studentin aus weimar an, sie habe meine arbeiten in frankfurt auf der strasse liegen sehen. als sie bei den galeristen im haus nachfragte sagte man ihr, die arbeiten seien sperrmüll, sie könne sie aber gerne mitnehmen.

seitdem habe ich keine grösseren knetarbeiten mehr gemacht.
als der kurator der galerie im stadtmuseum jena, mich anrief und bat, bei ihm auszustellen, sagte ich zu, behielt mir aber vor, nur eine kleinteilige plastische arbeit zu zeigen, eine kofferaum-taugliche.

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