Tote Katze, 1997

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Tote Katze, 1997

die tote katze verkaufte sich wie eine warme semmel. ein artikel in der zeitschrift art hatte einen haufen interessenten angespült, die sich daraufhin in meinem wohnzimmer drängelten und wissen wollten, was das alles kosten sollte.
in einer ecke lag die tote katze. „was soll die kosten?!“ wollte ein arzt aus schleswig holstein wissen. ich hatte keine idee. hatte noch nie zuvor etwas verkauft. ich nannte irgendeine zahl und verlieh meiner stimme den klang einer, die jeden tag hunderte von toten katzen verkauft.
wir vereinbarten, dass ich die katze persönlich vorbeibringen und einen haken für den wollfaden anbringen sollte. mit einem selbstgezimmerten katzensarg im öffentlichen nahverkehr schonmal eine nur mittelgute idee.

es war nicht mehr viel platz im haus des arztes, balkenhohl überall. für die katze war eine ecke im eingangbereich neben der garderobe vorgesehen. wir einigten uns auf eine bestimmte wand, cremefarbene strukturtapete, man holte die bohrmaschine. ich setzte an und bohrte. nach ungefähr 1 zentimeter machte es „pock“. fachfraulich klopfte ich prüfend gegen die wand: „das ging aber schnell“.
die wand die ich durchbohrt hatte entpuppte sich als der rücken einer weissen schleiflack-vitrine durch die hindurch man das wohnzimmer vom hausflur aus jetzt sehr gut überblicken konnte.

weil das gewinde des anzubringenden hakens für die geringe dicke der wand nun zu lang war beschloss der sammler, es zu kürzen. er holte eine eisensäge und ging damit vor die haustür. dort legte er den haken auf eine stufe und begann zu sägen. die tür liess er offen.
als ein paar nachbarn vor dem haus entlang schlenderten und neugierig grüssten stand der arzt auf, ging zur tür und schloss sie: „braucht keiner wissen, was wir in unserem flur liegen haben“.
wie er das wohl in zukunft handhaben wird, dachte ich aber was ging mich das an.