Kaninchen an der Wand, 1997

vom felle kneten und von löffeln

Kaninchen an der Wand, 1997

man müsste mal ausrechnen, wie viele jahre seines lebens man fell geknetet hat. ich habe mit grosser warscheinlichkeit in den letzten 10 jahren viel mehr viel fell geknetet als andere menschen in ihrem ganzen leben ihre haare bürsten. ich bürste weder meine haare noch fell. ich forme fell mit meinen fingern vor, dann nehme ich einen schmalen cappuchinolöffel und schneide, schabe und plätte es. wenn ich vollkommen durchdrehe benutze ich auch einen sogenannten comedonenquetscher. der nachteil am comedonenquetscher ist jedoch: man kommt kaum von der stelle.

den ersten cappucchinolöffel hatte ich mir mal aus italien mitgebracht. er war aus grauem blech, ganz fein und spitz. das non plus ultra unter den knetlöffeln. als ich ihn verlor war ich vollkommen aufgeschmissen. eine woche lang bin ich verstört durch die stadt gelaufen auf der suche nach dem richtigen löffel. nichts. ich gab mich letztlich mit einem knetlöffelkompromiss aus einem edel-cappuchino laden für 30 euro zufrieden, der allerdings schon nach absehbarer zeit eine kleine delle aufwies die das glattstreichen der knete sogut wie unmöglich machte.

vom löffel über knete streichen, drehen, drücken habe muskeln an stellen wo andere menschen muskeln vom wichsen haben.