antons arbeit

wenn man weiss, dass ich, antons mutter, auch künstlerin bin, könnte man vielleicht annehmen, dass anton in einem besonders kunstfreundlichen umfeld aufgewachsen ist. das ist aber eher nicht der fall. ich hab einiges dafür getan, meinen sohn nicht auf die idee zu bringen, künstler zu werden. 

ich selbst stamme aus einer kleinbürgerlichen familie, die überhaupt nicht begeistert reagierte, als ich bereits als kind verkündete, künstlerin werden zu wollen. mein vater setzte in den folgenden jahren alles daran, mich von dieser schnapsidee wieder abzubringen.

als anton geboren wurde war ich im 5. semester. ich brauchte mir das garnicht vorzunehmen, intuitiv war klar: mein sohn wird arzt. oder anwalt. oder steuerberater.

insgesamt studierte ich 10 semester. das heisst, ich musste ihn noch zweieinhalb jahre irgendwie ablenken. das war garnicht so einfach, weil ich alleinerziehend war.

das hiess zum beispiel, dass ich ab und zu doch nicht ganz drumrum kam, ihn mit in die hochschule zu nehmen. oder abends auf vernissagen. oder zu ausstellungsaufbauten. weil letzteres manchmal viele tage dauerte schleppte ich immer unmengen an ablenkungsmaterial mit. während ich also meine beim transport verformten plastiken aus knetmasse restaurierte versorgte mich anton, in seinem schlauchboot liegend, mit kinderliedern aus dem kassettenrekorder die er auf der plastikgitarre begleitete.

oder er fuhr auf seinem kleinen holzroller durchs museum und liess sich vom aufbauteam heimlich mit schokolade und cola versorgen. nur in die halle mit den fistfuckenden menschenaffen von bjarne melgaard durfte er nicht.

einmal nahm ich ihn mit auf eine pressekonferenz. anton war vier und eigentlich waren wir nur kurz angereist, von hamburg nach wolfsburg, um meine arbeiten zu reparieren. weil aber die presseleute am selben tag erwartet wurden fanden auch wir uns im bistro des museums ein, um gemeinsam mit dem deutschen feuilleton zu speisen. ich glaube es gab fisch. und sehr viel besteck. 

anton hockte schüchtern neben mir während ich so tat als wäre es komplett normal sich von diesen vielen uns komplett fremden alten weissen männern beim essen anglotzen zu lassen. sinn machte das jedenfalls keinen, es frage niemand wieso wir überhaupt da waren.

wenn aufbauten besonders lange dauerten durfte anton auf den fernsehern, die ich in meine arbeiten einbaute, kinderfilme auf vhs-kassetten schauen. es lief das disney gesamtwerk, die muppet show, pippi langstrumpf und alles von pixar. hörspielkassetten waren ein ebenso gut funktionierendes ablenkungstool. auf der baseler kunstmesse sass anton stundenlang artig auf einer bank und hörte kassetten. die bank stand etwas ausserhalb der koje, was auch so gewünscht war weil die galeristin bekennende kinderhasserin war, die sich dafür rühmte, bisher alle künstlerinnen aus dem programm geworfen zu haben sobald diese eltern wurden. bei mir machte sie eine ausnahme, ich war schon vorher mutter.

zuhause war anton immer ein extrem verspielter, ja versponnener junge, der auch ohne mein zutun in seiner eigenen welt lebte. und er malte und zeichnete leidenschaftlich gerne.

beim elternsprechtag in der grundschule, besprachen wir seine noten. es hiess, in kunst bekäme er eine zwei. da stutzte ich dann doch: „ok aber das kommt mir komisch vor” konstatierte ich. der lehrer blickte mich fragend an. „also wenn ich ihn benoten müsste hätte ich ihm schon eine 1 gegeben.” nicht dass ich darauf wert gelegt hätte, aber man muss ja schon fair bleiben.

so bekam anton also im nächsten zeugnis in kunst eine 1.

meine eigene karriere kam mit der zeit zum erliegen. anton war etwa 8 jahre alt da war ich gezwungen, mein atelier zu kündigen und zum sozialamt zu gehen. mehrere jahre bezogen wir harz IV. anton äusserte später, dass ihn unsere armut definitiv belastet hat. und noch bis heute nachhallt. 

den zusammenhang zwischen meiner berufsentscheidung und bis heute eher prekären lebenssituation scheint aber er dennoch nicht so stark verinnerlicht zu haben, dass er ihn später davon abgehalten hätte, den gleichen weg einzuschlagen. aber zurück zur geschichte.

als anton 10 oder 11 war, schenkte ich ihm in einem anflug von blödheit  zum geburtstag ein paar bücher über graffiti, streetart und einen banksy bildband. ein voller erfolg denn es dauerte keine 3 jahre bis ich ihn das erste mal von der polizei abholen musste.

graffiti also, seine erste grosse leidenschaft. vor diesem hintergrund konnte ich ihm nach beendigung der schulzeit immerhin erstmal ein studium im bereich design aufschwatzen. das schloss er ab und verkündete anschliessend: so und jetzt studier ich kunst.

das war allerdings auch fast keine überraschung mehr. die letzten semester hatte er sich ziemlich herumgequält. und er hatte schonmal per email kontakt aufgenommen zum freie kunst department seiner damaligen hochschule. die konnten seine sachen, die irgendwo in der ritze zwischen kunst und gestaltung steckten, aber nicht so richtig einordnen.

so machte er eben schnell sein BA und fing nochmal von vorne an. mit fast 26.

alt genug um sich gegen die familie zu stellen: die mutter, die sich „was besseres” für ihren sohn erhofft hatte, den vater, ein fotograf, ebenfalls erfolgs- und mittellos, der auch nicht so viel hielt von der idee und an vorderster front interessanterweise nochmal mein vater, also antons opa, der nun dermassen aggressiv gegen die entscheidung seines enkels zu felde zog, dass anton sich sogar gezwungen sah, diesen komplett zu ghosten.

ausgerechnet meine alte hochschule hatte er sich ausgesucht. nur hier wollte er sich bewerben. ich eröffnete ihm umgehend, dass ich ihm bei der bewerbungsmappe nicht helfen würde. was auch in seinem sinne war. auf meine nervigen vorträge konnte er verzichten. stattdessen bekam er die nummer eines exfreundes von mir, ebenfalls erfolgsloser künstler, dem er fotos seiner arbeiten schickte. am telefon besprachen sie den aufbau der mappe. zu meinem grossen erstaunen klappte alles wie am schnürchen und schon auf den ersten anlauf bekam er die zusage.

wenn also meine versuche, ihn auf den „rechten weg“ zu führen, etwas bewirkt hatten dann eigentlich nur, dass er während der letzten 26 jahre kaum mitbekommen hat, was ich währenddessen gemacht hab. also meine arbeiten, die kannte er kaum. 

das hat er dann aber in den ersten zwei semestern nachgeholt. inzwischen kennt wahrscheinlich niemand meine arbeiten genauer als mein sohn.

seine ersten arbeiten an der hfbk sahen aus wie von jemandem, der vielleicht besser mal ein paar semester design studiert hätte. wie kann man eigentlich sowas wie komposition so dermassen ignorieren?! kein motiv war irgendwie kontrolliert auf dem blatt positioniert. keinerlei wahrnehmung von sowas wie bildrändern. mein gott.

zunächst fand er sich in der klasse von anselm reyle wieder. hier fühlte er sich künstlerisch aber nicht aufgehoben. stattdessen hing er mit den studentInnen der jutta koether klasse ab. die machten sachen die er toll fand. so wie jutta herself. bei der wollte er sein und auf seine eher vorsichtige art schaffte er es am ende in die klasse.

jutta verstand ihn und seine malweise und stellte die richtigen fragen. in diesem rahmen konnte er sehr gut arbeiten.

auch zu meiner studienzeit in den neunziger jahren wurde es an der hfbk ungern gesehen, dinge gewissermassen „grundlos” zu machen. alles musste erklärbar sein. malerei war zu beginn der neunziger jahre eh regelrecht verpönt an der hfbk. es gab zwar zwei malklassen, die allgemeine stimmung jedoch drängte diese eher an den rand des interesses. in meinen kreisen wollte jedenfalls keiner mehr malen.

stattdessen war „konzept” das gebot der stunde. ich fand das erstaunlich zumal konzeptkunst doch eigentlich mit beginn der 80er längst vorbei sein sollte aber es waren halt zu viele ex-konzeptler profs in hamburg.

für die malerInnen in den grundklassen galt es jedenfalls, sich konzepte auszudenken. mir fiel nix ein, ich hatte auch garkeine lust lange zu denken. mit meiner gedankenlosen malerei kam ich jedenfalls nicht vom fleck, ausserdem kam mir das medium plötzlich auch zu besetzt vor. vor dem hintergrund von mehreren hundert jahren malerei von männern sah ich irgendwie keinen platz mehr für mich. also wandte ich mich, wie ja bekannt ist, der plastik zu.

aber zurück zu anton. der machte das anders. er liess sich seine „konzeptlose” malerei nicht austreiben. jutta koether öffnete ihm genau dafür den raum. in ihrer klasse konnte anton seine bildnerischen assoziationen frei laufen lassen ohne sich rechtfertigen zu müssen.

und es ist ja auch nicht so, als würde es kunst, die ohne beipackzettel funktioniert, ausserhalb der hochschulen nicht geben. im gegenteil. viele malerInnen lehnen es mit mit zunehmendem alter ab, über ihre arbeiten zu sprechen. oder tun es weiter und wären besser beraten, es zu lassen. 

malerei erklärt sich nicht durch sprache, weder in die eine noch in die andere richtung. in die eine richtung kommen illustrationen heraus, in die andere werden äpfel zu birnen. was gemalte bilder sind und was sie zeigen kann sprache nur umkreisen. wer seine malerei tatsächlich vollständig in sprache übersetzen kann der braucht aus meiner sicht eigentlich nicht malen.

während meines studiums hatte ich mal eine tote katze modelliert. neben ihr lag ein wollknäuel. letzteres war mit seinem faden an der 4 meter hohen raumdecke befestigt. wahrscheinlich war es also von dort heruntergefallen. so genau wusste ich das aber nicht. ich konnte die arbeit jedenfalls nicht erklären. warum die katze tot war. und ich kann das bis heute nicht beantworten.

30 jahre später macht anton nun ebenfalls dinge, die sich nicht erklären lassen. und das ist wahrscheinlich der grund, warum er sie malt.

in den ersten semestern an der hfbk wandte sich anton jedenfalls noch stärker der malerei zu. er kam von der zeichnung, die er nun mit pinsel und ölfarben auf leinwand ausführte.

es ging um den prozess. anders als bei mir kann man den durch seine offenen, eher gezeichneten pinselstriche genau nachvollziehen. da wird nicht getrickst und illusionen kommen da schonmal garnicht auf. der krempel wird hart erarbeitet und nichts wird vertuscht. jeder fehler bleibt einfach offen stehen, jede vermurkste nase, jeder verkackte hintergrund. alles wurde mit höchstem mass an direktheit so da hingeknallt und wenn eine linie nicht sitzt dann tut sie das halt nicht.

da bin ich schon neidisch, wie viel mutiger und gnadenloser er ist als ich.

antons bilder wirken auf mich fast alle unfertig, so als wäre ihm etwas dazwischen gekommen beim malen und dann hat er es anschliessend angeguckt und beschlossen: „kann so bleiben.” aber gerade durch dieses fehlende ende legt sich der fokus auf den prozess.

antons bildinhalte sind mir komplett rätselhaft. da ich aber seine kindheit ganz gut kenne kann ich zumindest sagen: mit der haben die nicht viel zu tun. auch wenn sie auf fremde betrachter vielleicht nostalgisch anmuten. wenn man aber mal kurz nachdenkt kann es eh nicht sein, denn anton ist 1995 geboren. so etwas wie die friedenstaube oder das atomkraft-nein-danke-zeichen stammen ja aus einer früheren generation.

die dinge die er zitiert scheinen ihm eher im vorbeigehen ins auge und kurz darauf wieder zurück, aus seinem kopf auf die leinwand gefallen zu sein. kurz rein und sofort wieder raus.

an einigen dingen bleibt er aber auch länger kleben. so wie zum beispiel an pilzen. in diesem fall weiss ich zufällig mal, wo die herkommen. die hat er nämlich von mir, der sack.

anton hat das glück, dass ich nicht erfolgreich bin weil er sich deswegen ohne dass es auffallen würde in meinem bildrepertoire bedienen kann.

es gibt aber noch eine zweite quelle in der familie: die pilzsammlung seiner oma. meine mutter hat einen leichten sammelzwang und sammelt unter anderem pilze aus holz. einen dieser exponate benutzt sie als türstopper. und dies ist auch der pilz auf den es anton abgesehen hatte. den hat er sich ausgeliehen und in der hochschule gemalt. er hat ihn mit in die gipswerkstatt genommen und multipliziert und die gipsversionen hat er dann bemalt. das original hat er danach meiner mutter zurück gebracht.

das besondere an dem original pilz ist, dass er gerade in seiner hölzernen fassung aussieht wie ein gedrungener penis. in antons grün- und dunkelbraunem abguss verschwindet diese assoziation komplett. und in antons bildern bekommt er sogar nochmal einen ganz anderen spin. dort sieht er plötzlich aus wie die weibliche brust. und das würde ich eigentlich als programmatisch in antons kunst betrachten: sie ist alles andere als besonders männlich. ich kenne kollegen, die in ihren arbeiten ihre im privatleben eher unauffällige sexualität plötzlich überraschend laut haben heraushängen lassen. mein sohn dagegen ist jemand, der aus penismaterial lieber nette kleine brüste formt. das macht mich schon stolz.

es gibt zwei künstler, die mir einfallen, die wichtig waren für antons entwicklung: michel majerus und philip guston. so wie majerus sieht anton keine hierarchie zwischen kunst und alltagsbild. biene maja ist so gut wie gerhard richter. majerus hat auf einer halfpipe im kölnischen kunstverein geschrieben: „fuck the intention of the artist” – und das könnte auch von anton stammen. nur etwas höflicher vielleicht.

so wie guston malt auch anton was ihm einfällt, nicht was theorie verlangt. er wählt seine motive nicht weil sie symbolisch sind sondern weil sie ihm zufällig begegnen und keine ansprüche stellen. zeichentrick und comics muss man nicht studieren, man konsumiert sie einfach.

wobei kunst die mit cartoons arbeitet das ja meistens mit ironischer distanz macht. bei anton habe ich das gefühl, dass er seine motive alle gleichermaßen ernst nimmt.

seine ironie ist jedenfalls deutlich subtiler als die man von früheren männlichen malergenerationen kennt. mit dem lauten gebaren eines kippenberger hat er zum glück nichts am hut. statt distanz ist da eher sowas wie freundliche höflichkeit. und auch verletzlichkeit. zwischendurch malt er eher mal ein paar murkisige blumenbilder.

der kippenberger der familie bin eher ich.

deswegen habe ich mir anfangs auch sorgen gemacht, dass er zu sensibel sein könnte für die hochschule. zum glück kenne ich anton aber auch als ultra sturen bock, zumindest was meine manipulationsversuche betrifft. denn ich perle ja nun leider, wie wir gesehen haben, in den wichtigen punkten komplett an ihm ab.

umso mehr meint er dagegen inzwischen mir reinquatschen zu können. als ich ihm kürzlich eine neue idee erzählte rief er: „was ist das denn schon wieder für ein scheiss?!” es ging um ideen für arbeiten für eine geplante ausstellung, wo auch er mitmachen sollte. „wenn du das machst, mach ich nicht mehr mit!” 

selbstverständlich mache ich es dann auch nicht.

und am wochenende fahr ich nach hamburg und schaue mir die aktuelle absolventenausstellung an der hfbk an wo anton seine bachelor arbeit zeigt.

bockige bilder

ich mach wieder mit bei pentiment diesen sommer und würde mich freuen, euch dort zu treffen!

mein kurs heißt diesmal: bockige bilder und folgendes habe ich mir überlegt:

Bilder halten sich an nichts. Sie folgen keinen Plänen, sind nicht brav und oft haben sie andere Vorstellungen als wir. Man malt los, meint es gut, und irgendwann stellt man fest: das Bild macht doch, was es will. Jedenfalls nicht das, was man vorhatte. Das ist kein Fehler, sondern der Zustand, in dem Malerei interessant wird. In diesem Kurs geht es um genau diesen Moment: wenn Bilder widerspenstig werden, sich querstellen und anfangen, eigene Bedingungen zu stellen.

Gearbeitet wird an eigenen Projekten, ohne Themenvorgaben und ohne Aufgabenlisten. Jede Arbeit bringt ihre eigenen Fragen mit und an denen bleiben wir dran. Der Kurs ist als offenes Atelier gedacht. Ich begleite die Teilnehmenden in regelmäßigen Einzelgesprächen durch ihren Arbeitsprozess. Wir sprechen über Farbe, Aufbau, Material, Entscheidungen – immer bezogen auf das jeweilige Bild. Technische Fragen ergeben sich dabei von selbst und werden dort besprochen, wo sie gebraucht werden.

Meine eigene Arbeit ist in der figurativen, gegenständlichen Malerei verankert, und dieser Bereich bildet auch den gemeinsamen Bezugspunkt im Kurs. Unterschiedliche Herangehensweisen sind willkommen, solange das Interesse an malerischer Arbeit im Vordergrund steht.

Der Kurs richtet sich an Personen mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen. Entscheidend ist nicht, wie viel man schon kann, sondern die Bereitschaft, sich auf den Prozess einzulassen – auch dann, wenn Bilder bockig, störrisch oder überraschend eigensinnig werden.

neue bilder und bezüge

ich hab mal wieder mein archiv aktualisiert

dieses jahr hab ich fast garnicht in öl gemalt sondern hauptsächlich gezeichnet, mit buntstiften auf gouache auf papier. 

gouache ist mein lieblingsmedium, und das obwohl ich damit eigentlich überhaupt nicht so gut klarkomme und regelmäßig verzweifle. ich bekomme es nämlich nie wirklich hin, die töne zu treffen, und helfe deswegen immer mit buntstiften nach.

zu meinen neusten bildern ist vielleicht noch erwähnenswert, das ich zum teil zurück gegriffen habe auf ganz altes material aus meiner „collagenphase” von 2010.

aber auch sonst haben die neuen fensterbilder viel gemeinsam mit den alten arbeiten, nicht bloss, dass es auch collagen sind.

solche bezugnahmen, verweise und wiederholungen passieren mir selten mit absicht. um sie mir bewusst zu machen hat mir felix schlagwörter eingebaut: jeder eintrag in meinem archiv, jede arbeit ist damit versehen und auf diese weise kann ich diese verbindungen visualisieren.

so zum beispiel in welchen arbeiten schonmal köpfe vorkamen. oder fenster. oder vorhänge. oder spiegel. oder interieure.

als mir felix das gebaut hat dachte ich, das wäre doch ein hübsches tool für die besucherInnen meiner seite, aber eigentlich bin ich ihr größter fan.

artist frames

rahmen hatten in meiner welt immer einen ähnlichen stellenwert wie sockel unter plastiken. also eher zu vermeiden. das sockel-problem ist ja, dass man nicht einfach einen klotz unter eine arbeit stellen kann, ohne dass der teil der arbeit wird. 

dasselbe gilt für rahmen. nicht ganz so streng, weil malerei ja oft ihre eigene körperlichkeit ignoriert, aber rahmen sind ja auch nicht unsichtbar.

weil ich öl inzwischen gerne auf dünnen holzplatten oder holzverbundstoffen male, lieber als auf leinwand, ergaben sich dadurch neue fragen der hängung. bezogene keilrahmen lassen sich einfach auf nägel stellen aber bei flachen bildträgern müsste das bild dann auch von oben gehalten werden und man sieht die nägel. bei  kleineren formaten ist mir das zu dominant.

letztes jahr kaufte dann ein sammler eine reihe meiner auf holz gemalten stofftiere und wollte dafür schattenfugenrahmen. ich liess welche anfertigen, und weil mir das ganz gut gefiel, wie sich die bemalten platten da hinein schmiegten, wollte ich für die joseph beussel biennale auch sowas haben.

ich besorgte leisten, eine gehrungssäge und spannriemen und sägte, klebte und spannte eine woche lang was das zeug hielt. das ergebnis war garnicht mal so scheisse. man sieht ihnen an, dass sie von mir sind.

auf der beussel biennale erzählte mir sebastian dann, dass sowas auf dem kunstmarkt “artist frame” heisst. 

ich: !
er: so nennt man das aber auch wenn der artist die rahmen bei ikea gekauft hat.

NEUE DRUCKE

endlich hab ich die digital überzeichneten fotos meiner knetminiaturen drucken lassen und hier könnt ihr sie jetzt kaufen zum einführungspreis von 80,-€!

aber ich sag noch ein bischen was dazu. und zwar hatte ich vor ein paar jahren ja mal so eine knetmodell-phase. um rauszufinden, wie es aussieht, wenn beispielsweise licht durch einen türspalt fällt, wenn jemand von von nem induktionsherd angeleuchtet wird oder wie ein tischfeuerwerk aussieht, hab ich figuren aus knete modelliert und entsprechend beleuchtet.
davon machte ich fotos und nutzte die als vorlagen für malerei. 

weil ich die fotos am ende aber viel interessanter fand als die gemalten bilder, zu schade, sie in der digitalen schublade verstauben zu lassen behielt sie im hinterkopf.

und nun sind sie halt wieder aufgetaucht.

schminkköpfe sehen müssen

tatsächlich war diese neue reihe anfangs bloss ein versuch. ich hatte im netz fotos zusammengesucht und wollte die erstmal bloss malen um zu sehen, ob „das irgendwas ist“. bischen aufwändig um sowas rauszufinden aber ich hab ja sonst nix zu tun.

ich fand einfach die fotos gut aber die übertragung in malerei mit den jeweiligen entscheidungen, wie man sowas nun genau malt, was man weglässt, was dazu erfindet, wie man die farben anlegt undsoweiter – ich musste das tatsächlich sehen.

dieses sehen müssen, weil man es sich nicht vorstellen kann, passiert mir scheinbar öfter in den letzten jahren. früher fand ich es eher affig, weil so ein klischeehaftes malerInnen ding. „muss man sehen“ – ist das nicht so ein kunstlehrerInnen-spruch?

aber es stimmt leider, zumindest wenn man stark intuitionsbasiert arbeitet muss man manchmal sachen erstmal sehen.

und ich sah: die ersten köpfe waren mist. aber das konnte es irgendwie noch nicht sein. dann kamen zwei, die „waren was“: nicole und anja. was genau das könnte ich jetzt natürlich auseinanderfriemeln aber dazu habe ich keine lust. 

ich erkenn quasi aus dem augenwinkel, dass sich in hier neue wege auftun. extra abmarschieren muss ich die aber nicht. zu wissen dass sie da sind und wo die grob hinführen reicht.

was mir auch auffällt sind verbindungen zu früheren arbeiten. mit köpfen zum beispiel hab ich es. 

und ich erinnere, dass die immer schon fragen aufwarfen, besonders in der zeit als ich noch plastisch gearbeitet hab. ich zerbrach mir zum beispiel den kopf (!) wo ich die räumlich eigentlich positionieren sollte. ja wohl kaum auf nem beschissenen sockel?! 

und wieso überhaupt nur köpfe, hals aber kein rumpf? warum wurden die abgeschnitten? und wieso offene augen? meine innerkünstlerische logik geriet jedenfalls an ihre grenzen. 

bei den schminkköpfen muss ich mich mit derartigen fragen zum glück nicht mehr rumärgern. denn die waren ja schon so, als ich sie fand.

weiße blätter

sieht ja aus wie bei mir zu hause!

da ist der schreibtisch auch so zugeknallt, dass ich irgendwann einfach noch einen tapeziertisch bestellt habe. 

der ist jetzt natürlich genauso voll.

im atelier gibt es nur diesen einen tisch und die staffelei. und wenn der tisch voll ist, arbeite ich an der staffelei. 

nee, im ernst, im atelier bin ich tatsächlich verblüffend ordentlich, denn im chaos kann ich nicht arbeiten. zumindest nicht in meinem eigenen. nach einem projekt oder spätestens vor dem nächsten räume ich auf. 

ein leerer tisch ist wie das weiße blatt. 

ich weiß, dass viele das weiße blatt irgendwie blockiert, so geht es mir selbst auch manchmal, aber im kopf ist das blatt ja nicht mehr weiss. zur not muss ich halt ein bischen kramen in der rübe, hier mal ne schublade aufziehen, da was aufklappen, irgendwo findet sich schon ein nicht mehr ganz so leerer zettel.

vielleicht ist die scheu vor dem weissen blatt auch einfach nur eine frage des übergangs. manche bevorzugen den halt weniger abrupt. oder es löst stress aus so wie beim suchen des haustürschlüssels wenn man los muss.

wie dem auch sei, ich liebe weisse blätter. nur leinwände nicht so doll.

ich lass das jetzt so

ich lass das jetzt so. die übrigen schminkkopfbilder sind ja alle öl auf holz bzw. mdf und auch eher kleinformatig (30 x 35 cm).

dieses hier ist jetzt aber mal auf etwas größerem papier – weil das holz alle war. und ich bin halt papierfan. keilrahmen kann ich wirklich nicht mehr ertragen. ich hab gerade erst alle leeren leinwände meinem sohn vererbt und haufenweise alte ladenhüter von ihren keilrahmen befreit.

in öl auf papier malt es sich erstaunlich gut – auch wenn man es angeblich ja grundieren soll. dazu bin ich aber zu faul. eine lage farbige acrylfarbe reicht völlig. das öl schlägt nichtmal ein, bin selber überrascht.

joseph beussel biennale

am samstag, den 7. und sonntag, den 8. dezember findet bei mir im atelier, in der beusselstraße 47, die erste joseph beussel biennale statt.

gemeinsam mit henrieke ribbe, sebastian zarius, lisa herfeldt, esther enzian und anton kelm stelle ich dort arbeiten aus, die sich vielleicht ja auch als weihnachtsgeschenke eignen. 

die öffnungszeiten sind an beiden tagen jeweils von 15 bis 19 uhr.

außerdem besteht die möglichkeit, während der woche danach, vom 9.12. bis zum 14.12, unter info@josephbeussel.de einen privattermin zu vereinbaren.

am abbau-tag, dem 14.12. sind wir zwischen 15 und 18 uhr noch einmal alle vor ort und laden euch ein zu einer kleinen finissage.

kommt vorbei und trinkt einen glühwein mit uns, wir freuen uns auf euch!