das ham die ganz toll organisiert, meint meine mutter

hier kommt wieder so ein text, den ich im rahmen meiner memoiren-zusammen-schusterung aus alten ordnern gekramt hab und sonst nirgendwo gebrauchen kann:

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das ham die ganz toll organisiert, meint meine mutter

auch sehr zu empfehlen bei akuter frühjahrsdepression gepaart mit nem kontostand, der auch nicht so aussieht, als wäre in absehbarer zeit mal ein neues paar schuhe drin, ist flohmarktmachen in der alten heimat. meine flohmarktwütige mutter hatte bereits lange zuvor einen standplatz reserviert; ein turnverein, bei dem wir nie mitglied waren, hatte inseriert.

um 5 aufstehen und im eisregen pappkartons voll bücher ins auto wuchten, der mit tesafilm zusammengehaltene tapeziertisch obendrauf – das bringt müde wangen wieder zum glühen. und dass zwischen den aufgeweichten pappkartons kein platz mehr für michselbst blieb war mir auch egal, setzte mich auf ein altes klapprad und gurkte los.
die mutter, die seit kindheitstagen unverändert schiere protesthaltung wittert hinter allem, was ich so rede (wo sie ja auch richtig liegt) hatte diesmal aber nicht den richtigen riecher, als sie vermutete, ich würde nur so tun, als kenne ich den weg nicht.

als ich um 10.30 die anderen auf dem parkplatz wiedertraf konnte man den ort von der strasse aus leicht erkennen, weil sich vor der eingangstür zur turnhalle eine menge ungewöhnlich ausgestatteter leute versammelt hatte: jeder hatte einen tapeziertisch dabei. es hiess, der mit den schlüssel hätte verschlafen.

obwohl wir ausgewiesenermassen die nummer 86 waren und erst zur 2. gruppe zählten, die von ordnern einen platz zugewiesen bekommen sollten, war meine mutter, vordränglerin von jeher, kaum zu halten. eine turmhoch beladene sackkarre, den tapeziertisch und das enkelkind an beiden seiten, scharrte sie schon ungedulig in schlammigen startlöchern und eh ich mich versah fand ich mich auch schon in der hintersten ecke einer kleinen turnhalle wieder und wühlte beim auspacken der kartons in alten erinnerungen.

und das ist vielleicht auch der eigentliche sinn vom flohmarktmachen. denn wenn man auch sonst nichts verkauft: es findet sich immer irgendein alter kram den man freudig wieder mit nach hause schleppen kann und geld hat man dafür auch keins ausgegeben.

um 11.30 informierte uns eine der organisatorinnen, über das weitere vorgehen: sie würden die halle nun bis 12.30 schliessen, damit die anbieter gelegenheit bekämen, noch etwas essen zu gehen. es sollten dann alle ausnahmslos die halle verlassen weil sonst ja die gefahr des diebstahls bestünde. um 13.00 würden die türen dann auch für die kunden geöffnet werden und der verkauf ginge bis kurz vor 16 uhr.

das kind und ich tüdelten uns also die klamottenberge wieder an und trotteten los. planlos standen wir frierend auf dem parkplatz, die oma hatte sich schon vor einer weile verabschiedet und ihr handy könne sie sowieso nicht bedienen, wie sie erklärt hatte, da brauche man garnicht versuchen anzurufen.
um uns herum ansonsten: ausgestorbene reihenhäuser an ausgestorbenen strassen.

als wir schliesslich mit laufender nase und blau gefrorenen fingern von einem spontan-spaziergang durch die neuen randstädtischen wohnsiedlungen meiner alten heimat zurückkehrten war ich nun auch wirklich bereit zum totalausverkauf.

der ansturm war gewaltig, die gänge waren mit 1,5 meter eher knapp kalkuliert worden, dafür hatte man hinter den ständen gut die doppelte fläche eingeplant und die brauchte man ja auch, wenn sich dort, so wie bei mir, mehrere generationen aufhalten sollten: eine grossmutter, die nie ganz meine uninspirierten verkaufsgespräche aus den augen verlor während sie dem gelangweilten kind apfelsinenscheiben in den mund stopfte und alle nase lang quer über den stand brüllte: „zu billig!!!“, ein enkelkind, das aussah als hätte es eine schwere krankheit und deswegen die geschlagenen 3 stunden nicht mehr davon abliess, zu erwähnen, es müsse dringend nach hause (es sprach mir aus der seele.)

bei der rückreise kam mir das auto zwar noch voller vor als am morgen aber ein glücklicher zufall kam mir entgegen der mich immerhin vor dem leidigen ausladen bewahrte: mein rad hatte unterwegs nen platten.
als ich endlich zuhause eintraf lümmelten die anderen schon gemütlich auf dem sofa und teilten die beute: 29 euro.

2005-02-28 16:52

memoiren

seit ein paar monaten arbeite ich an einem etwas längerem text: meinen „memoiren“.

bereits während ich sie schreibe, weiss ich bei manchen kapiteln schon, dass ich sie wieder löschen werde. einfach weil sie für die themen, um die es mir eigentlich geht, irrelevant sind.

weil ich das aber auch irgendwie schade finde poste ich hier jetzt mal ein paar dieser „outtakes“. hier kommt der erste:

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Weil ich mit Baby nicht mehr so flexibel war beim herum Gurken durch die Stadt beschloss ich, mit 25 doch noch einen Führerschein zu machen. Mit den Fahrstunden begann ich während der Schwangerschaft. Klemmte meinen immer größer werdenden Bauch hinters Steuer und wartete, wann er dem Fahrlehrer auffallen würde (kurz vor der Entbindung).

Ich kaufte mir einen orangeroten Fiat Panda, Baujahr 84, für 1400 Mark über die Annoncen-Avis. Reparaturen waren im monatlich vorgesehenen Budget nicht mit drin und entsprechend lange dauerte es, bis sich erste Absonderlichkeiten bemerkbar machten. 

Das musste ich dem Panda wirklich zugute halten: er konnte einiges ab. Im ersten Winter fuhr ich zum Beispiel mit angezogener Handbremse quer durch Hamburg, von Bramfeld zur neuen Wohnung an die Landungsbrücken, wo mir an der Ampel jemand bedeutete, dass meine Reifen sich nicht drehten. 

Dann war irgendwas komisch mit den Scheibenwischern in Kombination mit den Bremsen. Meine Mutter, die immer schon ein Händchen fürs umsonst durchs Leben kommen besass, hatte einen todsicheren Geheimtipp: einen Zivi aus ihrem Büro. Ein „junger Mann“, wie meine Mutter ihn beschrieb, der sehr schöne Haare hatte, also so gesehen vielleicht ja auch was für mich wäre, und außerdem Maschinenbau studieren würde! Der mache auch immer ihr Auto und koste nicht viel.

Nicht nur, dass der Zivi meiner Mutter das Auto bei mir zuhause abholte, er hatte tatsächlich schöne Haare. Erschüttert davon, dass meine Mutter offenbar auf den selben Typ abfuhr wie ich, händigte ich ihm die Schlüssel aus. Er wolle sich etwas einfallen lassen, erklärte irgendetwas technisches, ich nickte begeistert und bekam Schweissausbrüche.

Wenige Tage später fuhr ich mit Anton im Buggy mit den Öffentlichen raus nach Tornesch um das Auto wieder abzuholen. Wir dümpelten durch die frisch asphaltierten Strassen eines Neubaugebietes, in der sich Fertigbauten aneinander reihten mit noch unbepflanzten Vorgärten davor, bis zu dem Haus, in dem der Maschinenbaustudent bei seinen Eltern wohnte.

Das erste was mir auffiel, war, dass seine Haare im Beisein seiner Eltern, nicht mehr so gut sassen. Die Magie war dahin. Überhaupt war der erotischste Moment der, als wir uns gemeinsam über einen seltsamen Schalter beugten, den er rechts neben dem Lenkrad eingebaut hatte. Mit diesem Schalter sollte ich von nun ab den Motor zünden, sowie auch den Scheibenwischer bedienen. 

Der Abschied war kurz und schmerzlos. Ich überreichte 50 Mark und es klang, als wäre der Auspuff abgefallen, als ich aus der Sackgasse rollte Richtung Autobahn.

Pentiment 2022

kommenden august (31.7. – 14.8.2022) nehme ich wieder als dozentin an der sommerakademie pentiment in hamburg teil!

letzten sommer war das schon sehr grossartig, freue mich unfassbar auf den kommenden kurs.

diesmal heisst mein kurs Gemalte Geschichten II und folgendes wird passieren:

In meinem Kurs „Gemalte Geschichten 2“ möchte ich mich wie im letzten Jahr wieder um die Bildideen-Entwicklung sowie die Verzahnung zwischen Inhalten und Malweise kümmern. Denn natürlich prägen die Farbauswahl, die Werkstoffe und ihre Eigenheiten und die Maltechnik auch das Motiv.

Wir werden uns also auch wieder um ganz pragmatische Fragen kümmern wie zum Beispiel:
Wie verhalten sich bestimmte Pigmente? Wie geht eine Untermalung bei der Lasurtechnik? Wie arbeitet man mit Gouache? Wie schafft man Raum und Perspektive? Wie geht eine limitierte Palette? Wann benutzt man Firnisse? Muss man Papier für die Malerei grundieren?

Inhaltlich beschäftigen wir uns wieder schwerpunktmäßig mit figurativer, realistischer Malerei, aber auch gegenstandslose Malerei erzählt etwas und gibt Rätsel auf, die wir in der individuellen Betreuung zusammen aufbauen und voran treiben.

Ziel des Kurses ist auch weiterhin, die Erzählung unserer Bilder dahin zu bringen wo es „wehtut“. Dies kann zum Beispiel in eine autobiografische Richtung gehen, oder auch gesellschaftskritische oder politische Ansätze verfolgen.

Dieses Mal möchte ich außerdem ein paar Tage draußen arbeiten, weil es eine ganz andere Haltung zum Malen evoziert: es geht nämlich garnicht mehr zentral um das Ergebnis.

In „Gemalte Geschichten 2“ gibt es keine Vorgaben. Ihr könnt weiter an Euren Projekten arbeiten, die ihr schon vor dem Kurs begonnen hattet, oder ganz neue beginnen. Für TeilnehmerInnen, die trotzdem gerne nach Vorgaben arbeiten werde ich aber optional welche anbieten.

„Gemalte Geschichten 2“ richtet sich an alle. Man muss den Kurs im letzten Jahr nicht besucht haben.

Die Arbeitsbesprechungen werden hauptsächlich individuell aber auch vereinzelt in Gruppengesprächen stattfinden.

würde mich freuen, euch da zu sehen!

hier kann man sich anmelden.

umlaute korrigieren ist das neue schrauben sortieren

eigentlich hatte ich mir vorgenommen was zu schreiben. stattdessen such ich aber erstmal zu recherchezwecken mehrere tage nach einem karton in dem meine alten kalender liegen.
um diese kartons zu finden muss ich an ein bestimmtes regal, aber immer wenn ich in das zimmer mit dem regal will macht felix darin gerade homeoffice und ist in einer konferenz.

als ich die kartons nach 2 tagen endlich habe und darin den kalender finde steht die information da aber nicht drin. also bitte ich felix, mir zugang zu einer alten festplatte herzustellen. darauf suche ich nach einer datei, finde sie aber nicht. dafür finde ich mehrere andere tolle dateien, die ich für ein anderes, ein neues projekt gebrauchen könnte.

die datei hat aber kaputte umlaute, die ich jetzt erstmal korrigieren muss. da wo fragezeichen sind muss ich die richtigen umlaute einsetzen.
da sitz ich nun auch schon wieder ein paar tage dran. und zwischendurch schreib ich das hier mal auf.

und weil blogartikel ohne bilder doof sind hier mal ein bild:

apropos bilder: ich muss dringend mal die letzten arbeiten bei mir im archiv einstellen. das mach ich gleich mal eben zwischendurch.

Von Hinten

die leute müssen mich für wahnsinnig unhöflich halten aber ich kann menschen, die einander fremd sind, die ich aber beide gut kenne, nie einander vorstellen. zum beispiel auf partys. ich stehe dann da vielleicht mit einer freundin und treffe einen alten freund. erstmal HALLO! und lange nicht gesehen! jeder normale mensch würde die beiden einander nun vorstellen, nur nicht ich. 

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gewölbe

seitdem ich psychopharmaka nehme sind meine träume interessanterweise viel deprimierender als vorher. dank der tabletten empfinde ich das zum glück aber garnicht so. im gegenteil, es ist einfach wahnsinnig viel los. und je langweiliger coronabedingt mein leben, desto wilder träume ich.

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neue drucke im shop

nur dass ihrs wisst: bei mir ist das level an aufgeregtheit bei einem schnöden online-live-gang genauso hoch ist wie vor ner analogen vernissage. hektisch wie ein huhn lauf ich durch die wohnung, vergesse wo ich meine teetasse abgestellt habe, was wollte ich nochmal, achja seit heut morgen aufs klo gehen. 

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