Liebe Katia,

das ist ein schöner Text, der deutlich aufzeigt, dass es bei einer Kunstakademie hinter allem Gerede von der ach so tollen Freiheit auch um die Anlage einer Disziplinaranstalt geht.

Ich hatte auch schon in meiner Studienzeit in den 1980er Jahren bemerkt, dass es Frauen an der Hochschule besonders schwer hatten. Vor allem auch durch fehlende Identifikationsmöglichkeiten, die aber auch gleichermassen die Männer betrafen. Noch neulich wurde mir klar, dass ich in meiner Hamburger Zeit an der HfBK nur mit einer Frau zu tun hatte, – Christel Burmeier, die für kurze Zeit bei uns Akt unterrichtete. Alle anderen waren vom Hausmeister über die Werkstattleiter zu den Professoren nur Männer. Frauen waren allein in der Verwaltung und in der Mensa anzutreffen.

Als Mann war es für mich dadurch aber nicht in allen Teilen einfacher. Galt es doch den entsprechen Stereotypen nachzukommen, also mit-abhängen, mit-saufen und dumme Sprüche klopfen. Sich dem zu entziehen, bedeutete in einer Nische zu leben.

Als Kuriosum blieb mir noch B.J. Blume in Erinnerung, den Du vielleicht auch noch erlebt hast. Zu Anfang hatte er den Tick alle Männer „ödipal“ und alle Frauen „uterinär“ zu nennen. Es dauerte einige Zeit, bis wir uns zusammenfanden und austauschen konnten: Macht er das auch bei Dir? Ja, bei mir auch…

Wir sind dann zu ihm hin gegangen und haben ihm gesagt, dass wir das respektlos fänden. Es hat sich das angehört und dann entschuldigt. Er täte sich schwer im Lehrbetrieb nach vielen Jahren als freier Künstler.

Grundsätzlich war er sehr aufmerksam und konnte mir jedenfalls viel beibringen. Ich denke, er hatte auch durchaus einen Anspruch an seine Lehre und war tatsächlich zu Anfang an das System Kunsthochschule nicht ganz adaptiert. Mir wird das jetzt besonders deutlich, da ich das gleiche Alter wie Blume erreicht habe. Sollte ich jetzt noch einmal an einer Kunsthochschule lehren sollen, wäre ich wahrscheinlich auch verunsichert.

Ob Blume tatsächlich seine Sprüche aufgegeben hatte, kann ich nicht sagen, da ich selbst kurze Zeit später an eine andere Hochschule wechselte. Da war es in dieser Beziehung anders, aber kaum besser.

Beste Grüße
Stefan