Von Hinten

die leute müssen mich für wahnsinnig unhöflich halten aber ich kann menschen, die einander fremd sind, die ich aber beide gut kenne, nie einander vorstellen. zum beispiel auf partys. ich stehe dann da vielleicht mit einer freundin und treffe einen alten freund. erstmal HALLO! und lange nicht gesehen! jeder normale mensch würde die beiden einander nun vorstellen, nur nicht ich. 

mein problem ist nämlich, dass ich eine vorstellungs-blockade habe. und zwar erinnere ich grundsätzlich die namen von leuten nicht, wenn die situation es erfordert. grundsätzlich im sinne von: ohne ausnahmen. 

das geht soweit, dass ich beim einchecken in ein hotel den namen meines ehegatten nicht erinnerte: „ich geh dann schonmal auf das zimmer. sie könnten dann meinem mann einfach die zimmernummer nennen.“

„ok, wie heißt denn ihr mann?“

wo mein gedächtnis dagegen gut funktioniert sind farben und formen und allen arten von bildern. an die namen der kinder meiner grundschulklasse erinnere ich mich nicht, wohl aber an die form ihrer fingernägel. ich kann auch leute gut an ihrem gang erkennen oder an der struktur der haare, wenn ich sie von hinten sehe.

ich warte nur auf die gelegenheit, endlich mal einem phantombildzeichner einen zu täter beschreiben.

das fällt mir jedenfalls zu der neuen reihe „Von Hinten“ ein. 

und die ersten 2 hinterköpfe (eins, zwei) gibt es bei mir im shop schon zu kaufen. 

haufen

eigentlich mag ich keine wiederholungen. marktorientiertere künstlerInnen finden wiederholungen aber ganz praktisch, weil man damit die eigene marke prägt. und das mag auch funktionieren, aber mich langweilt es eigentlich.

die wahrheit ist bloss: ich wiederhole mich auch ständig. ich krieg es nur meistens erst mit wenn es schon passiert ist.

„huch, schon wieder ein kaninchen!“

„na wen ham wir denn da? eine taube!

den ersten laubhaufen hatte ich vor 20 jahren am wickel. zweimal hab ich einen geknetet. der zweite davon ist hier abgebildet. und hier gab es kürzlich einen in gouache. 

und jetzt gibt es ihn auch von innen betrachtet bei mir im shop als tintenstrahldruck.

gewölbe

seitdem ich psychopharmaka nehme sind meine träume interessanterweise viel deprimierender als vorher. dank der tabletten empfinde ich das zum glück aber garnicht so. im gegenteil, es ist einfach wahnsinnig viel los. und je langweiliger coronabedingt mein leben, desto wilder träume ich.

als kind war einer meiner standard alpträume die fahrt zu meiner oma. meine oma lebte damals in hamburg und wir, meine eltern, schwester und ich, etwa 40 km entfernt, in elmshorn. diese strecke fuhren wir gefühlt jedes wochenende mit dem auto. ich hab sie so oft gesehen dass ich sie träumen konnte: am komet vorbei, autobahn, ausfahrt schnelsen, horner kreisel, die rotklinker und die torbögen mit den affen und eulen.

nur fuhr ich in meinen träumen alleine, ohne die familie und fuhr motorrad. und wider erwarten verfuhr mich. 

heute finden meine träume fast ausschließlich in innenräumen statt. es sind meistens so verschachtelte und verwinkelte gewölbe mit mehreren etagen, inneren balkonen, fahrstühlen, aber auch hier verlaufe ich mich regelmässig. 

die drucke gewölbe grün und gewölbe lila hab ich mir zwar so nicht erträumt aber das innenraum-thema finde ich auf jeden fall künstlerisch schwer interessant und die tage kommen auch noch mehr gewölbe in meinen shop.

jetzt auch in digital

na geil. ich will ja nicht unbescheiden wirken aber kaum wende ich mich einer neuen maltechnik zu wird das ein paar tage später zum absoluten hype ausgerufen. und das kam so:

letzten herbst hab ich mir ein grafiktablett gekauft. mein plan war, damit entwürfe zu machen für meine analogen bilder. was dann aber anders kam, war ja klar. als hobbynerd bin ich natürlich komplett abgetaucht. ein paar youtube tutorials und schon war klar: DAS wird mein neues ding!

schnell wurde deutlich: nee, das werden eigene bilder, nicht bloss entwürfe. ich würde sie drucken lassen und kann dann preise nehmen, die bezahlbar sind. 

die ersten testdrucke hab ich schon gemacht. papierauswahl steht und in 4 wochen werde ich hier wohl die ersten drucke einstellen. wer weiss – vielleicht bau ich sogar mal nen kleinen online-shop?!

am montag erzählt mir dann ein kumpel am telefon von NFT. anders als ich liest dieser kumpel zeitung und erzählt mir regelmässig davon am telefon. ein künstler namens beeple habe seine digitalen bilder in form von „NFTs“ bei christies für 70 millionen versteigert. 

ich also: „genial, die zukunft hat mich eingeholt!“ und google „NFT“. blablabla und irgendwas mit kryptowährung.

die suche nach beeple bei instagram ergibt: totaler scheiss. und an meiner chronischen schlechten laune kann es nicht liegen, meine psychopharmaka wirken. es wird also den tatsachen ensprechen und tatsächlich scheisse sein.

„kannst DU mir nicht meine dateien in NFTs umwandeln?!“ frage ich meinen mann, der von beruf nerd ist, aber er lehnt ab. er habe es nicht so richtig verfolgt was da gerade passiert aber dieser typ, der die NFTs gekauft hat, sei wohl sone art NFT-berater.

wow. 

also alles weiterhin wie immer. der kunstmarkt ist und bleibt eine blöde geldblase, da helfen auch keine tabletten. 

später daddel ich ein bischen im clubhouse und entdecke ein NFT-panel und höre mal rein. ich verstehe nichts, das liegt aber daran dass ich parallel wieder abgetaucht bin in einer neuen datei und mich auf mein ebenen-kuddel-muddel konzentrieren muss. 

hier kommen jetzt meine ersten digitalen zeichnungen, alle aber noch mehr oder weniger work-in-progress:

meine kleine schwester

meine schwester und ich hatten immer ein schwieriges verhältnis. wir sind 3,5 jahre auseinander, sie die jüngere, die unter mir zu leiden hatte. ich war laut, sie leise, ich war größer und stabiler als sie und neben mir sah sie aus wie ein kleines äffchen. sie weißblond und süss, ich nervig. sie war das lieblingskind unseres vaters, ich das der mutter.
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was wollte ich nochmal?

jedes jahr im juli falle auch ich in die sommerstarre. wenn ich es überhaupt schaffe, mich aus dem haus (zuverlässige 22° weil die sorte altbau wo man auch tagsüber licht anmachen muss) zum fahrrad zu schleppen, draußen sagen wir mal 32°, mir erstmal am fahrrandlenker eine leichte brandwunde zuziehe und dann ohne von einem laster überfahren lebend beim atelier ankomme, die haustür aufschliesse und bei angenehmen 26° die 3 stockwerke hochdümpel, wenn ich dann endlich die ateliertür aufschliesse und mir die 32° warme atelierluft entgegenströhmt, dann freue ich mich, das alles ist wie immer. (mehr …)

gouache

das mit der gouache kam so: seitdem ich mal vor jahren sein buch „color and light“ gelesen hatte bin ich ein ziemlicher fan von james gurney. nicht unbedingt so sehr von seinen dinosaurierbildern aber von seinem ganzen know how über maltechnik, seiner bereitwilligkeit, das zu teilen und wie gut er das macht. und gurney wiederum ist ein fan von gouache. er malt pleinair hauptsächlich in gouache und weil ich gouache noch nie benutzt hatte hab ich mir vor einem jahr mal eine ganze palette davon selbst zum geburtstag geschenkt. (mehr …)

neue farben

immer wenn ich mir neue farben kaufe überkommt mich eine euphorie, die manchmal sogar mehrere tage anhält.
besonders doll ist dieser effekt, wenn es sich dabei um ganz neue medien handelt, mit denen ich vorher noch nicht gearbeitet hab. einfach nur leergewordene ölfarben nachkaufen kann jeder, komplett neue medien sind ein abenteuer.
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