{"id":1281,"date":"2011-09-23T11:44:18","date_gmt":"2011-09-23T09:44:18","guid":{"rendered":"http:\/\/katiakelm.de\/blog\/?p=1281"},"modified":"2017-02-15T10:52:50","modified_gmt":"2017-02-15T08:52:50","slug":"mein-wankender-glaube-an-das-gute-im-jurymitglied","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/2011\/09\/23\/mein-wankender-glaube-an-das-gute-im-jurymitglied\/","title":{"rendered":"<!--:de-->mein wankender glaube an das gute im jurymitglied <!--:-->"},"content":{"rendered":"<p><!--:de-->ich hab das mit den jurys nie so ganz durchschaut. ich weiss nur: meine f\u00fcrsprecher waren ausgerechnet immer die sch\u00fcchternen, die sich am ende selber frugen, wieso sie mich eigentlich vorgeschlagen hatten.<br \/>\n<!--:--><!--more--><!--:de--><\/p>\n<p>so wie damals, als mir das wasser wieder mal bis zum hals stand. ich musste mein atelier aufgeben und konnte auch die wohnungsmiete kaum bezahlen.<br \/>\ndie ausschreibung kam wie gerufen. ein jurymitglied rief mich an, ich k\u00f6nne mich f\u00fcr einen lehrauftrag bewerben. das gehalt war zwar auch eher ne art almosen, aber die miete h\u00e4tte es wenigstens gesichert. man musste unter 35 sein (ich war 34 einhalb), weiblich, in hamburg ans\u00e4ssig und \u2013 bildhauerin.<br \/>\ndie meisten jurymitglieder kannte ich pers\u00f6nlich und ich war ziemlich sicher, dass die meine arbeit zumindest respektierten. ausserdem hatte ich eine weile in privaten kunstschulen gejobbt, kann einigermassen reden und weiss sogar ein bischen was \u2013 konnte eigentlich nichts mehr schiefgehen.<\/p>\n<p>das bewerbungsgespr\u00e4ch verlief schleppend. die juryvorsitzende, der leiter der p\u00e4dagogik-abteilung und ich \u2013 wir wurden keine freunde. der p\u00e4dagoge stellte mehrere fragen, die minutenlange monologe waren und die ich alle mit \u201ewie lautet nochmal die frage?\u201c beantwortete. die vorsitzende fragte soetwas wie: \u201edu bist ja nicht gerade daf\u00fcr bekannt, besonders konzeptuell zu arbeiten \u2013 siehst du dich \u00fcberhaupt in der lage mit studenten, die konzeptuell arbeiten, umzugehen?\u201c<br \/>\nwenn ich richtig erinnere hab ich mit &#8220;ja&#8221; geantwortet.<\/p>\n<p>ein paar tage sp\u00e4ter erhielt ich die nachricht, dass sie die stelle der lieblingsstudentin der juryvorsitzenden gegeben hatten, eine videok\u00fcnstlerin, die gerade ihr diplom gemacht hatte. den namen hatte ich noch nie geh\u00f6rt, das lag wohl daran dass ihre bisherigen ausstellungsteilnahmen an einem finger abzuz\u00e4hlen waren.<\/p>\n<p>mein f\u00fcrsprecher meinte hinterher, ich h\u00e4tte noch unbedingt erw\u00e4hnen sollen, dass ich schon lehr-erfahrung hatte, das h\u00e4tte es sicher gebracht.<\/p>\n<p>**<\/p>\n<p>sechs jahre ist das jetzt her. seitdem hab ich mich nur selten irgendwo beworben. das letzte mal beim <a href=\"http:\/\/www.kunstfonds.de\/\">kunstfonds<\/a>, aber nach dem 5. oder 6. versuch beschloss ich erstmal auf eine andere jury zu warten. solange der damalige hamburger kunstvereinsleiter, bekennender uninteressant-finder meiner arbeit, dort mitglied war hatte es eh keinen zweck und die vielen ortsgebundenen stipendien, wo man rausgeschmissen wird, wenn man zu oft das dorf verl\u00e4sst, kamen f\u00fcr mich auch nie in frage.<\/p>\n<p>als ich vor einigen wochen die aufforderung erhielt, mich f\u00fcr eine bestimmte f\u00f6rderung zu bewerben, war meine fotomappe auf dem stand von 2005 .<br \/>\nich hatte noch 8 wochen bis zur abgabe. geplant waren eine reihe neuer objekte, radierungen und die fotomappe.<\/p>\n<p>die erste woche ging f\u00fcr recherche und ideenentwicklung drauf. die n\u00e4chsten 3 f\u00fcr die objekte. dann eine woche f\u00fcr die photomappe (das scheint \u00fcbertrieben aber material zusammensuchen, bilder nachbearbeiten, drucken lassen, zum labor fahren, papier f\u00fcr die mappe kaufen, texte drucken, eint\u00fcten \u2013 das dauert.)<br \/>\ndann die radierungen. die ersten acht ergebnisse waren schonmal schrott. um das festzustellen brauchte ich schon 2 wochen. also nochmal 8 platten besorgt, radiert, ge\u00e4tzt, gedruckt, das dann in der letzten woche.<br \/>\nalles in allem hab ich locker 500\u20ac ausgegeben. 300\u20ac f\u00fcr acrylglashauben und holz, knapp 100\u20ac f\u00fcr die neuen fotos und f\u00fcr papier, kupferplatten, \u00e4tzgrund etc. sowieso schon ein verm\u00f6gen.<\/p>\n<p>bei abgabe erfuhr ich, wer in der jury sass. unter anderem ausgerechnet der ehemann der juryvorsitzenden von damals. die meisten jurymitglieder kannte ich nicht pers\u00f6nlich aber immerhin musste ich nicht pers\u00f6nlich vorsprechen und seltsame fragen beantworten.<\/p>\n<p>ein paar tage sp\u00e4ter dann die ablehnung. ich fragte, wen sie denn genommen h\u00e4tten. es wurden namen aufgez\u00e4hlt, einige hochkar\u00e4tige leute, allesamt sehr verdient. u.a. sogar ein ehemaliger professor von mir, der selbst mal in dieser jury war und mit besagtem &#8220;ehemann&#8221;- jurymitglied seit jahren eng befreundet ist. dem hat \u00fcbrigens auch die juryvorsitzende, an der ich bei meiner lehrauftragsbewerbung scheiterte, ihren job zu verdanken.<\/p>\n<p>und wo ich jetzt grad so im flow bin hab ich beschlossen, die mappe gleich weiter zu schicken zum kunstfonds. leider bin ich wieder mit keinem dieser jurymitglieder weder befreundet noch verwandt aber die mappe war einfach zu teuer um rumzuliegen.<!--:--><\/p>\n<div class=\"syndication-links\"><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ich hab das mit den jurys nie so ganz durchschaut. ich weiss nur: meine f\u00fcrsprecher waren ausgerechnet immer die sch\u00fcchternen, die sich am ende selber frugen, wieso sie mich eigentlich vorgeschlagen 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