{"id":129,"date":"2009-05-08T16:49:33","date_gmt":"2009-05-08T14:49:33","guid":{"rendered":"http:\/\/katiakelm.de\/blog\/?p=129"},"modified":"2009-05-08T17:24:17","modified_gmt":"2009-05-08T15:24:17","slug":"neue-zipfel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/2009\/05\/08\/neue-zipfel\/","title":{"rendered":"<!--:de-->neue zipfel<!--:-->"},"content":{"rendered":"<p><!--:de-->merkw\u00fcrdiges gef\u00fchl, wieder zipfel zu kneten. <a href=\"http:\/\/katiakelm.de\/96\/50000-zipfel-fur-vincent\/\">vor 8 jahren hab ich das schonmal gemacht.<\/a> 50\u00a0000 zipfel waren das damals ungef\u00e4hr. hatte mich in der zeitlichen kalkulation etwas versch\u00e4tzt, musste das zipfel kneten deswegen nachts erledigen. tags\u00fcber im atelier aufstellen und zurechtbiegen, nachts neue herstellen. um dabei vor eint\u00f6nigkeit nicht wahnsinnig zu werden sah ich dabei soviel fern wie nie zuvor in meinem leben. zwei oder drei monate dauerte das und wurde so auch exakt am abend vor der vernissage fertig und zum gl\u00fcck sofort verkauft und daraufhin im rahmen der dauerausstellung eines rennomierten hamburger sammlers gezeigt. dort d\u00fcmpelte es ein paar jahre vor sich hin und erarbeitete sich, wie man mir berichtete, wohl auch einen gewissen beliebtheitsstatus, zerfiel dabei aber auch langsam in seine einzelteile.<!--:--><!--more--><!--:de--><\/p>\n<p>da war er also wieder: der haken, den ich bei meinen arbeiten damals serienm\u00e4ssig mitlieferte. unabsichtlich zwar, aber vielleicht auch absichtlich unabsichtlich. die wahl eines immerweichen materials und die fehlende ber\u00fccksichtigung der fragen nach der transportierbarkeit und der konservierung erm\u00f6glichte kaum einen auf- oder abbau ohne mein beisein.<br \/>\nwieso mir diese pragmatischen aspekte allerdings so egal waren, warum ich mich nie darum gek\u00fcmmert hatte, dass die dinge ein paar mehr jahre \u00fcberstehen k\u00f6nnten, ohne dass ich alle nase lang irgendwo anreisen musste, um zerdr\u00fccktes oder zerfallenes wieder zusammenzudr\u00fccken &#8211; ist mir bis heute nicht klar. vielleicht kann man ja mit gl\u00fcck noch die ausbilder daf\u00fcr verantwortlich machen: die hatten schliesslich diesen trend, alles kommerzielle unbedingt links liegen zu lassen, sagen wir mal: bef\u00fcrwortet. galeriekunst war ein schimpfwort. und ich artiges m\u00e4dchen hab eh alles geglaubt.<\/p>\n<p>sch\u00f6n bl\u00f6d, schliesslich war es ausschliesslich ichselbst, die unter den konsequenzen zu leiden hatte. nicht dass ich schlecht verkauft h\u00e4tte &#8211; aber ich h\u00e4tte besser verkaufen k\u00f6nnen. und vor allem: ich w\u00e4re den kram auch WIRKLICH los geworden, ohne alle nase lang irgendwo anreisen zu m\u00fcssen um abgefallene ohren wieder anzudr\u00fccken.<br \/>\ndas schlimmste aber: halbwegs f\u00e4hige galeristen, die rechnen konnten liessen die finger von meinen arbeiten. wenn der transport schon um l\u00e4ngen mehr kostet als die arbeit selbst, wenn selbst bei jeder popeligen gruppenausstellung, bei jedem verkauf, die k\u00fcnstlerin immer mit anreisen muss &#8211; das sollte einem schon zu denken geben. und doch: h\u00e4tte ich nichts dringender gebraucht, als jemanden, der mir das feilschen mit den sammlern und das anschliessende hinter den raten hergerenne vom hals gehalten h\u00e4tte.<\/p>\n<p>als der anruf kam, das kornfeld solle abgebaut werden, machte ich vielleicht den ersten schritt in die richtige richtung und stellte fest: wenn man das feld nicht allzu schwer besch\u00e4digen wolle sei der abbau ohne mich beinahe unm\u00f6glich. aber ohne bezahlung w\u00fcrde ich  auch nicht wieder anr\u00fccken. mir war klar, dass diese m\u00f6glichkeit vom sammler nicht vorgesehen war. ich bem\u00fchte mich also, den ablauf am telefon so genau wie m\u00f6glich zu erkl\u00e4ren, und gab mich damit zufrieden. ich hatte die arbeit damals zu einem angemessenen preis verkauft, mehrere jahre war das kornfeld in dieser ausstellung umgeben von polke und richter gezeigt worden &#8211; etwas besseres h\u00e4tte mir nicht passieren k\u00f6nnen. aber ich wollte auch nicht den rest meines lebens unentgeldlich meine alten arbeiten bet\u00fcdeln m\u00fcssen.<\/p>\n<p>8 jahre sp\u00e4ter also. ich knete zipfel und mir tun schon wieder die h\u00e4nde weh. alles genau wie damals. vielleicht bin ich inzwischen ein bischen geschickter aber vor allem: kl\u00fcger. nicht dass mir wirklich klar w\u00e4re, wo das hier gerade hinf\u00fchrt. aber eine ahnung zu haben ist ja schon mehr, als man sich w\u00fcnschen kann.<br \/>\nsicher bin ich mir nur bei der art des ankn\u00fcpfens an das alte kornfeld. denn so sehr ich auch um die alte arbeit trauere, die ich warscheinlich nie wieder sehen werde, um mein eigenes scheitern, meine alte sorglosigkeit: die verbindung zur neuen arbeit besteht nur in einem zitat. ein altes bild, was ich benutze, das jetzt wie ein leeres haus mit offenen t\u00fcren dasteht, und ich bahne mir dahinter einen neuen kleinen pfad in eine neue zeit.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-content\/uploads\/cimg6972.jpg\" class=\"lightview\" data-lbwps-width=\"900\" data-lbwps-height=\"604\" data-lbwps-srcsmall=\"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-content\/uploads\/cimg6972.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-content\/uploads\/cimg6972-413x277.jpg\" alt=\"kornfeld 2009\" title=\"kornfeld 2009\" width=\"413\" height=\"277\" class=\"alignnone size-medium wp-image-136\" srcset=\"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-content\/uploads\/cimg6972-413x277.jpg 413w, https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-content\/uploads\/cimg6972-232x156.jpg 232w, https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-content\/uploads\/cimg6972-400x268.jpg 400w, https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-content\/uploads\/cimg6972.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 413px) 100vw, 413px\" \/><\/a><!--:--><\/p>\n<div class=\"syndication-links\"><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>merkw\u00fcrdiges gef\u00fchl, wieder zipfel zu kneten. vor 8 jahren hab ich das schonmal gemacht. 50\u00a0000 zipfel waren das damals ungef\u00e4hr. hatte mich in der zeitlichen kalkulation etwas versch\u00e4tzt, musste das zipfel kneten deswegen nachts erledigen. tags\u00fcber im atelier aufstellen und zurechtbiegen, nachts neue herstellen. um dabei vor eint\u00f6nigkeit nicht wahnsinnig zu werden sah ich dabei&hellip; 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