{"id":154,"date":"2009-05-10T18:08:05","date_gmt":"2009-05-10T16:08:05","guid":{"rendered":"http:\/\/katiakelm.de\/blog\/?p=154"},"modified":"2017-02-28T21:37:49","modified_gmt":"2017-02-28T19:37:49","slug":"warum-ich-blogge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/2009\/05\/10\/warum-ich-blogge\/","title":{"rendered":"warum ich blogge"},"content":{"rendered":"<p>vor kurzem hat mir ein befreundeter k\u00fcnstler abends beim wein in erkl\u00e4rt, wieso k\u00fcnstler keine eigene webseite haben sollten. zumindest keine selbstbetriebene. das k\u00f6nne n\u00e4mlich den anschein erwecken, man habe &#8220;es n\u00f6tig&#8221;, man habe keine galerie, die das f\u00fcr einen besorge. ein erfolgreicher k\u00fcnstler liesse seine arbeiten, wenn \u00fcberhaupt, nur \u00fcber die galerie ins netz stellen. wenn man das selber mache sei das ein anzeichen daf\u00fcr, dass es nicht so gut laufe. und den anschein d\u00fcrfe man ja auf keinen fall erwecken.<br \/>\ndas sei zwar scheisse aber was wolle man machen. &#8220;entweder du spielst mit oder du bist raus.&#8221; <!--more--><\/p>\n<p>ich muss dazu sagen, dass das im prinzip tats\u00e4chlich stimmt. und ich das auch bereits wusste bevor ich diese webseite baute. es gibt keinen reaktion\u00e4reren und spiessigeren haufen als die kunstszene. mit dem internet hat die es eh nicht so (soviele t-online emailadressen wie in meinem k\u00fcnstlerverteiler findet man wohl heute nirgends mehr).<br \/>\nwer mal ein bischen nach den grossen namen googelt kann feststellen: die meisten haben keine eigene homepage. zumindest die deutschen. in den usa setzt sich das langsam durch aber wenn man mal nach den jeweiligen kontaktdaten schaut sieht man, dass die selten vom k\u00fcnstler selbst betrieben werden sondern meistens von dessen galerie. oder man versucht mit allen mitteln den anschein zu erwecken, als sei die seite nicht in eigenregie entstanden. alles wird sch\u00f6n in der dritten person gehalten, damit es bloss nicht so aussieht, als h\u00e4tte der k\u00fcnstler den kram etwa &#8220;erfunden&#8221;. ums glaubhaft zu machen muss da schon ein beglaubigter kunsthistoriker ran. der k\u00fcnstler selbst schreibt nicht und schon garnicht \u00fcber seine eigenen arbeiten. arbeitsteilung wird im kunstbusiness grossgeschrieben. der k\u00fcnstler hat mit seiner arbeit, der imagepflege und der m\u00fche damit, sich an die vielen ungeschriebenen gesetze zu halten, die daf\u00fcr sorgen, dass man sch\u00f6n auf seinem zugewiesenen platz bleibt, schon genug an den hacken.<\/p>\n<p>vielleicht liegt es nun daran, dass ich meine pubert\u00e4t nie so recht abschliessen konnte oder an meiner vorliebe f\u00fcr alles narrative dass ich mich an solch antiquierte vorgaben nicht halten kann.<\/p>\n<p>nat\u00fcrlich gibt es immer f\u00e4lle, bei denen man denkt, h\u00e4tte der spacken bloss seinen mund gehalten. seitdem ich mal ein interview mit damien hirst gelesen habe, kann ich die arbeiten nicht mehr ernst nehmen. tracey emins arbeit aber verehre ich gerade deswegen, weil sie schreibt und <a href=\"http:\/\/www.independent.co.uk\/opinion\/columnists\/tracey-emin\/?ibPage=1\">sogar ein bischen bloggt<\/a>. ich habe erz\u00e4hlerische immer konzeptioneller kunst vorgezogen. kann sein, dass das mit meiner ausbildung zutun hat, an einer hochschule, an der haupts\u00e4chlich alternde, gescheiterte (in dem augenblick gescheitert, in dem sie die professur antraten) konzeptk\u00fcnstler und minimalisten unterrichteten. wie man heute immer noch minimal produzieren kann ist mir eigentlich unverst\u00e4ndlich. als teenie fand ich yves klein oder rothko vielleicht noch ganz interessant &#8211; heute stehe ich auf kunst, die auch etwas anderes kann als bloss im museum zu h\u00e4ngen oder im wartezimmer meines gyn\u00e4kologen.<\/p>\n<p>die textfrage war dann auch bei der planung meiner webseite eine ganz entscheidende. nat\u00fcrlich h\u00e4tte ich auch irgendwelche kunstwissenschaftler fragen k\u00f6nnen. ich kenn ein paar, von denen ich was halte. aber so gern ich den einen oder aneren hab, ich bin mir nie ganz klar dar\u00fcber geworden, wozu man aus der kunst eine wissenschaft machen sollte. die kunst braucht sowas zumindest nicht. und das publikum sollte auch lieber mal selber hinsehen als sich von anderen erkl\u00e4ren zu lassen, was die sehen. vielleicht w\u00fcrde dann der markt nicht so voller zeug sein, was keiner \u00fcberhaupt mehr ansehen mag.<br \/>\nes geht eben gerade nicht nicht darum, irgendwas zu erkl\u00e4ren. abgesehen davon, dass es eh vergebens ist, weil es \u00fcberhaupt nicht erkl\u00e4rbar ist, schadet es den arbeiten mehr, als dass es irgendwas bringt. wenn \u00fcberhaupt sollten texte der kunst auf augenh\u00f6he begegnen. sie sollten sich nicht unterordnen, sondern der kunst etwas eigenes gegen\u00fcber stellen. viele kunstgeschichtler kriegen das nicht hin. sie verehren die kunst und gleichzeitig hassen sie sie.<br \/>\nich habe in kunstmagazinen und feuilletons schon berichte \u00fcber meine arbeiten gelesen, die einen weitaus &#8220;pr\u00e4genderen&#8221; eindruck hinterliessen als es bisher je ein ausstellungsbesucher vermochte, der beispielseise die abk\u00fcrzung nahm und <a href=\"http:\/\/katiakelm.de\/176\/padagogikkunst\/\">\u00fcber eine arbeit lief anstatt drumrum<\/a>.<br \/>\nsofern ich selbst bestimmen kann, wer zu meinen arbeiten schreibt, w\u00fcrde ich jedenfalls immer eher einen k\u00fcnstlerkollegen bitten.<\/p>\n<p>vor ungef\u00e4hr f\u00fcnf jahren begann ich mein erstes weblog zu schreiben. ich hatte <a href=\"http:\/\/katiakelm.de\/273\/versuch-die-pickelkonigin-beruhmt-zu-machen\/\">damals ein atelier mit schaufenster<\/a> in der hamburger innenstadt.<br \/>\nund plante, dort einen kleinen salon einzurichten, in dem ich die arbeiten meiner freunde und bekannten zeigen wollte. f\u00fcr dieses projekt sollt es auch eine internetseite geben, deren inhalte sich analog zu den ereignissen im salon ver\u00e4ndern sollten.<br \/>\nirgendwo hatte ich damals mal von blogs geh\u00f6rt und hatte eine vage ahnung, dass so eine chronologisch umgekehrte form das richtige sein k\u00f6nnte. ich liess mir von einem freund ein paar html-codes zeigen und richtete zum \u00fcben ein testblog ein.<\/p>\n<p>das salonprojekt kam dann nie zustande. das testblog allerdings begann sich zu verselbst\u00e4ndigen. ohne zu wissen, was es mit dem bloggen eigentlich auf sich hatte, warum und wozu man das machte, ver\u00f6ffentlichte ich anonym erste kurze texte und entdeckte, dass sich da etwas \u00e4hnlich grenzenloses autrat wie beim kunstmachen. ein unbekannter raum, dessen gr\u00f6sse man kaum erahnen konnte. etwas zu schreiben, was sofort von jedem gelesen werden k\u00f6nnte, erschreckte und faszinierte mich gleichermassen. wollte ich das \u00fcberhaupt? f\u00fcr meine k\u00fcnstlerische arbeit ist \u00f6ffentlichkeit zwar lebenswichtig, ohne publikum kann ich keine kunst machen und genaugenommen kriege ich ohne ausstellungstermine \u00fcberhaupt nichts geregelt &#8211; nur nutze ich meine k\u00fcnstlerischen werkzeuge mittlerweile einigermassen routiniert, ohne mich lange mit handwerklichem ged\u00f6ns aufhalten zu m\u00fcssen. beim schreiben bleibe ich genau daran h\u00e4ngen. mein wortschatz sitzt wie zu kleine schuhe. man kommt darin kaum vorw\u00e4rts und sch\u00f6n sieht man darin auch nicht aus. nicht dass ich nicht ge\u00fcbt h\u00e4tte. wie die meisten k\u00fcnstler habe ich mein leben lang alles aufgeschrieben, tageb\u00fccher gef\u00fchrt, den feuilletonheinis spickzettel geschrieben. aber ich werde wohl trotzdem nie das gef\u00fchl verlieren, mit zwei linken h\u00e4nden zu tippen.<\/p>\n<p>nun ist es aber zum gl\u00fcck nicht so, dass ich mich mit fehlern nicht auskennen w\u00fcrde. in der kunst zum beispiel gibt es eigentlich garkeine fehler. es gibt nur unbeabsichtigtes. was aber sogar w\u00fcnschenswert sein kann weil es neue wege er\u00f6ffnet. je mehr kontrolle man beh\u00e4lt umso weniger kann die sache ein eigenleben entwickeln. auch wenn viele so tun, als w\u00fcssten sie das, heimlich aber immer noch alles dransetzen und angeberisch die muskeln spielen lassen &#8211; ums k\u00f6nnen geht es schon ewig nicht mehr.<br \/>\nstattdessen geht es zum beispiel um leidenschaft. wer liebt bleibt dran und findet sich dabei auch mit der eigenen unzul\u00e4nglichkeit ab. und die leidenschaft kann man sehen. ein gem\u00e4lde, auf dem man zwar keine klare linie erkennen kann, aber daf\u00fcr den schweiss des malers, ist nicht selten besser als eins mit geraden linien.<br \/>\nich weiss nicht, ob das in der literatur \u00e4hnlich ist, aber ich bin ja auch keine literatin. ich blogge bloss und ringe \u00f6ffentlich um gerade linien. fr\u00fcher anonym, das war einfacher. in meinem alten, anonymen blog habe ich mal geschrieben:<\/p>\n<blockquote><p>gerade das namenlose, das war der grund warum ich das bloggen so spannend fand. mich so perfekt verkleiden zu k\u00f6nnen, das verweben aus echtem, aus erfundenem, aus echtem das aussieht wie erfundenes, das wissen darum, dass du nicht weisst, wer das ist, der da sowas schreibt, die vorstellung, dass du glauben k\u00f6nntest, ich sei so, wie ich garnicht bin, deine zweifel daran, meine eigenen zweifel, dieser ganze wirrwarr &#8211; nichts anderes als das, was jeder tut, der geschichten erz\u00e4hlt, nie jedoch so enthemmt, so sinnlos und frei wie ein anonymer blogger.<\/p><\/blockquote>\n<p>jetzt habe ich die anonymit\u00e4t mal probeweise an den nagel geh\u00e4ngt.<br \/>\nich probiere jetzt mal aus, was passiert, wenn ich die k\u00fcnstlerische arbeit mit dem bloggen verzahne. oder sie auch bloss nebeneinander stelle. ich habe immer damit gelieb\u00e4ugelt, das &#8220;making of&#8221; irgendwie einzubinden und hatte doch bisher nie einen weg daf\u00fcr gefunden. mein alltag, die geschichten daraus, die arbeit ansich, das ganze zeug was man anf\u00e4ngt und dann stehen l\u00e4sst, das alles hat mit der kunst zutun die man macht. meine website hilft mir, die dinge zu verdichten, so wie es kein katalog, kein gew\u00f6hnliches portfolio schafft. meine website ist ein universalwerkzeug. sie kann zwar noch nicht selbst kneten aber sonst fast alles. ich bin froh, dass ich sie hab.<\/p>\n<div class=\"syndication-links\"><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>vor kurzem hat mir ein befreundeter k\u00fcnstler abends beim wein in erkl\u00e4rt, wieso k\u00fcnstler keine eigene webseite haben sollten. zumindest keine selbstbetriebene. das k\u00f6nne n\u00e4mlich den anschein erwecken, man habe &#8220;es n\u00f6tig&#8221;, man habe keine galerie, die das f\u00fcr einen besorge. ein erfolgreicher k\u00fcnstler liesse seine arbeiten, wenn \u00fcberhaupt, nur \u00fcber die galerie ins netz&hellip; 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