{"id":3013,"date":"2013-09-03T22:08:55","date_gmt":"2013-09-03T20:08:55","guid":{"rendered":"http:\/\/katiakelm.de\/blog\/?p=3013"},"modified":"2014-01-18T21:44:05","modified_gmt":"2014-01-18T19:44:05","slug":"endlich-geld-fuers-kluengeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/2013\/09\/03\/endlich-geld-fuers-kluengeln\/","title":{"rendered":"endlich geld f\u00fcrs kl\u00fcngeln"},"content":{"rendered":"<p>als ich vor ein paar tagen das erste mal vom <a href=\"http:\/\/www.aptglobal.org\/ \" target=\"_blank\">APT<\/a> gelesen hab, eine organisation die vor 10 jahren gegr\u00fcndet wurde, hat es mich nicht besonders verwundert. ich bin es gewohnt, immer ein paar jahrzehnte sp\u00e4ter als andere von den wesentlichen dingen zu erfahren.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nder <a href=\"http:\/\/www.aptglobal.org\/ \" target=\"_blank\">APT<\/a> ist eine art globaler kunst-investment-fonds, der gerade 10.000 arbeiten auf den markt wirft und in diesem zusammenhang brachte die <a href=\"http:\/\/www.forbes.com\/sites\/kathryntully\/2013\/08\/27\/how-do-you-sell-the-worlds-largest-contemporary-art-collection\/ \" target=\"_blank\">amerikanische forbes einen artikel<\/a>, \u00fcber den ich auf meiner facebook-timeline stolperte.<\/p>\n<p>APT bedeutet \u201eartist pension trust\u201c und funktioniert so: weltweit zahlen 1500 ausgew\u00e4hlte k\u00fcnstler eigene arbeiten in diesen fonds ein. binnen eines festgelegten zeitraumes von 20 jahren verpflichtet sich jedes mitglied, 20 arbeiten abzutreten, macht nach 20 jahren 30.000 einzelarbeiten.<br \/>\ndie werden dann prominent platziert d.h. sie werden auf austellungen gezeigt, in museen, kunstvereinen und anderen etablierten ausstellungsh\u00e4usern untergebracht, sodass sie im wert steigen. dann werden sie verkauft.<br \/>\nca. 30% geht an die mitarbeiter des fonds, 40% an die k\u00fcnstler und der rest wird anteilig an alle beteiligten 1500 k\u00fcnstler ausgesch\u00fcttet.<br \/>\nder name des fonds, \u201eartist pension trust\u201c, suggeriert die \u201egute sache\u201c, in diesem fall die sicherung der rente der beteiligten k\u00fcnstler.<\/p>\n<p>wenn man allerdings gelesen hat was <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Michael_Lingner \" target=\"_blank\">michael lingner<\/a>, professor f\u00fcr kunsttheorie an meiner alten hochschule, der <a href=\"http:\/\/www.hfbk-hamburg.de\/de\/\" target=\"_blank\">hfbk hamburg<\/a>, dazu zu sagen hat wird das ganze schon etwas komplexer. in dem 2006 in der taz ver\u00f6ffentlichten artikel, <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/archiv\/archiv\/?dig=2006\/05\/22\/a0149 \" target=\"_blank\">Die W\u00f6lfe fressen Kreide<\/a>, schreibt er:<\/p>\n<blockquote><p>In der \u00d6ffentlichkeit wird der APT &#8211; eine nach dem Recht der British Virgin Islands gegr\u00fcndete Gesellschaft &#8211; als innovatives Modell zur Alterssicherung von K\u00fcnstlern dargestellt. Sie sollen ihre Arbeiten in den Fonds einbringen und darauf hoffen, dass sich durch Wertsteigerungen aufgrund optimierter Nutzungs- und Verkaufsstrategien f\u00fcr sie besondere Gewinne realisieren lassen. Doch tats\u00e4chlich besteht die Gesch\u00e4ftsidee des APT wie bei allen so genannten Private Equity Fonds darin, den Investoren eine hohe Rendite zu verschaffen.<br \/>\n[&#8230;]<br \/>\nWas dem Investor, K\u00fcnstler oder Kurator als rein finanzielle Privatangelegenheit erscheinen mag, kann f\u00fcr den gesamten \u00f6ffentlichen Kunstdiskurs und -betrieb fatale Folgen haben. Denn die ohnehin bestehende Neigung zur Unterdr\u00fcckung freim\u00fctiger Wertungen w\u00e4chst auch im Betriebssystem Kunst weiter, wenn bef\u00fcrchtet werden muss, dass sich Kritik generell als gesch\u00e4ftssch\u00e4digend auswirkt oder so aufgefasst werden kann. Entscheidungen \u00fcber k\u00fcnstlerische Projekte und Karrieren fallen dann unter dem beschr\u00e4nkten Gesichtspunkt, was strategisch f\u00fcr die eigene Positionierung und die der anderen Trusties am g\u00fcnstigsten erscheint. Sofern dabei \u00fcberhaupt noch diskutiert wird, dient jegliches Argumentieren nur noch der reinen Rationalisierung des vorab Gewussten und Gewollten statt einer m\u00f6glichst sachgerechten wie unabh\u00e4ngigen und wirklich (ergebnis-)offenen Entscheidungsfindung und -begr\u00fcndung.<br \/>\n[&#8230;]<br \/>\nDar\u00fcber hinaus w\u00e4chst durch einen so potenten Akteur wie APT unweigerlich die Wahrscheinlichkeit, dass so genannte Netzwerke aus Gef\u00e4lligkeiten, Abh\u00e4ngigkeiten und Verpflichtungen das Kunstsystem weiter durchseuchen und sich auf kartellkonforme Konsense verst\u00e4ndigen. Besonders bedenklich wird das dann, wenn Funktionstr\u00e4ger von APT zugleich Entscheidungstr\u00e4ger in Kunstinstitutionen oder -projekten sind, die ganz oder teilweise aus \u00f6ffentlichen Geldern finanziert werden. Da sie ihre Stellung f\u00fcr die Interessen des APT einsetzen k\u00f6nnen, liegt die m\u00f6gliche missbr\u00e4uchliche Vermischung mit privaten Interessen auf der Hand.<\/p><\/blockquote>\n<p>au\u00dfer herrn lingner scheint das thema allerdings nicht allzuviele interessiert zu haben. im netz findet man fast nichts zu den genaueren details und der bedeutung die diese geldgierige krake f\u00fcr den kunstbetrieb und die kunst ansich hat.<br \/>\noffenbar ist sogar auch der <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Artist_Pension_Trust \" target=\"_blank\">wikipedia-eintrag<\/a> reine PR ohne jegliche hinweise auf kritische stimmen.<\/p>\n<p>umso verwunderlicher \u2013 schliesslich braucht man bloss auf der APT webseite nachschauen: dort werden <a href=\"http:\/\/www.aptglobal.org\/Curator\" target=\"_blank\">die lebenl\u00e4ufe aller kuratoren einzeln vorgestellt<\/a>. man kann ganz leicht nachvollziehen, welcher APT k\u00fcnstler in welchem staatlich finanzierten museum untergebracht wurde und von wem.<br \/>\nauf diese weise ist warscheinlich auch der <a href=\"http:\/\/thing-hamburg.de\/index.php?id=309&#038;no_cache=1&#038;sword_list%5B%5D=sehgal\" target=\"_blank\">bericht in der <em>thing hamburg<\/em> von michel chevalier <\/a> entstanden der davon berichtet, dass der ehemalige hamburger kunstvereinsdirektor yilmaz dziewior, der zur selben zeit auch am APT prozentual beteiligt war, w\u00e4hrend seiner amtszeit 15 APT k\u00fcnstler im <a href=\"http:\/\/www.kunstverein.de\" target=\"_blank\">kunstverein<\/a> ausgestellt hat:<\/p>\n<blockquote><p>Dziewior has, however, exhibited 15 APT teammates since the fund was launched in 2004, his (in)famous <em>Formalismus. Moderne Kunst, heute<\/em> exhibition counting 7 of 25 artists in the trust.<br \/>\nApparently under pressure from the board, Dziewior resigned from the trust this past Fall, but questions about the program Hamburg has been treated to under his mantle remain.<\/p><\/blockquote>\n<p>es ist schon fast zynisch dass auch die <a href=\"http:\/\/www.monopol-magazin.de\/artikel\/20106707\/Bettina-Steinbruegge-Chefin-Hamburger-Kunstverein.html\" target=\"_blank\">zuk\u00fcnftige<\/a> leiterin des hamburger kunstvereins, bettina steinbr\u00fcgge, <a href=\"http:\/\/www.aptglobal.org\/Curator\/Show\/421\" target=\"_blank\">auf der APT <strike>gehaltsliste<\/strike> webseite steht<\/a>.<\/p>\n<p>aber der APT hat die ausbeutung und korruption im kunstmarkt nicht erfunden. der markt ist durchtr\u00e4nkt mit intransparenten kartellartigen strukturen. und das wird auch so bleiben solange die k\u00fcnstler mitmachen. solange die, die profitieren, den mund halten und die, die nicht profitieren, in der hoffnung, das blatt k\u00f6nne sich vielleicht eines tages wenden, auch. <\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>michael lingner hat in seinem <a href=\"http:\/\/ask23.hfbk-hamburg.de\/draft\/archiv\/ml_publikationen\/\" target=\"_blank\">archiv<\/a> noch jede menge solcher erhellenden texte zum thema. sehr lesenswert:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/ask23.hfbk-hamburg.de\/draft\/archiv\/\/ml_publikationen\/kt09-5.html \" target=\"_blank\">Ist P. O. Runges romantisches K\u00fcnstlerethos zu idealistisch?<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/ask23.hfbk-hamburg.de\/draft\/archiv\/\/ml_publikationen\/kt12-1.html \" target=\"_blank\">Gegen die Verwertung &#8211; f\u00fcr die Anwendung von Kunst<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/ask23.hfbk-hamburg.de\/draft\/archiv\/ml_publikationen\/kt06-4.html \" target=\"_blank\">In der Kunst z\u00e4hlt das schnelle Geld<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>mich haben auch seine gespr\u00e4chsbeitr\u00e4ge <a href=\"http:\/\/ask23.hfbk-hamburg.de\/draft\/archiv\/ml_publikationen\/lampenfieber_hh1_720px.html\" target=\"_blank\">bei der sendung \u201elampenfieber\u201c von 2008 auf hamburg1<\/a> zur problematik der vergabepraxis von f\u00f6rdermitteln und kunstpreisen sehr begeistert. (es gibt zwei gespr\u00e4chsbl\u00f6cke, der erste von 01:26 bis 14:26 und der zweite von 32:56 bis 39:00).<\/p>\n<p>ich h\u00e4tte im studium definitiv \u00f6fter zu lingner gehen sollen. <\/p>\n<div class=\"syndication-links\"><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>als ich vor ein paar tagen das erste mal vom APT gelesen hab, eine organisation die vor 10 jahren gegr\u00fcndet wurde, hat es mich nicht besonders verwundert. ich bin es gewohnt, immer ein paar jahrzehnte sp\u00e4ter als andere von den wesentlichen dingen zu erfahren.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"mf2_syndication":[],"webmentions_disabled_pings":false,"webmentions_disabled":false,"footnotes":""},"categories":[49,79,313,89,247],"tags":[628,629,627],"class_list":["post-3013","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bin-fan","category-fruher-war-alles-besser","category-links","category-mit-politik-hab-ich-nichts-am-hut","category-spass-beiseite","tag-apt","tag-artist-pension-trust","tag-michael-lingner"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3013","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3013"}],"version-history":[{"count":28,"href":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3013\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3308,"href":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3013\/revisions\/3308"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3013"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3013"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3013"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}