{"id":3209,"date":"2013-12-05T21:56:42","date_gmt":"2013-12-05T19:56:42","guid":{"rendered":"http:\/\/katiakelm.de\/blog\/?p=3209"},"modified":"2013-12-10T20:04:13","modified_gmt":"2013-12-10T18:04:13","slug":"hausverbot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/2013\/12\/05\/hausverbot\/","title":{"rendered":"hausverbot"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.mariolabrillowska.org\" target=\"_blank\">mariola brillowska<\/a> hat ihre memoiren geschrieben und ich hatte sie in 2 tagen durch. und m\u00f6chte sie hiermit allen k\u00fcnstlerInnen, besonders allen hamburgern, w\u00e4rmstens an die brust dr\u00fccken.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3784433332\/institutfurpa-21\" target=\"_blank\">das buch heisst &#8220;hausverbot&#8221;<\/a> [affiliate link].<br \/>\n<!--more--><br \/>\nok, offiziell sind es keine \u201ememoiren\u201c, mariola nennt sich darin \u201elola\u201c und auch die meisten ihrer freunde und familienangeh\u00f6rigen heissen anders aber ansonsten hat sich bestimmt alles haargenau so zugetragen (was ich nicht hoffe). <\/p>\n<p>und wer wie ich ein paar tage in der \u00fcberschaubaren hamburger kunstszene verbracht hat und die meisten ihrer figuren pers\u00f6nlich kennt kann es vielleicht geniessen, wenn mariola an dem einen oder anderen protagonisten nicht allzuviele gute haare l\u00e4sst.<br \/>\nebenso wie man die erz\u00e4hlungen \u00fcber die hochschule, die profs und die parties geniessen kann. das hat sich seit den achzigern offenbar auch ich sonderlich ge\u00e4ndert (auch wenn die achziger chronisten das sicher anders sehen). weswegen man dieses buch warscheinlich auch ganz toll seinen verwandten schenken kann oder anderen nicht-k\u00fcnstlern: &#8220;lies das, dann weisst du wie ich lebe&#8221;.<\/p>\n<p>ich brauche dieses buch jetzt jedenfalls nicht mehr zu schreiben, mariola hat alles schon gesagt. sie hat das buch geschrieben was geschrieben werden musste: dar\u00fcber, wie es ist, als junge frau mit kind an der backe zu versuchen, k\u00fcnstlerin zu sein. ohne jemanden, der einem <a href=\"http:\/\/sz-magazin.sueddeutsche.de\/texte\/anzeigen\/40803\" target=\"_blank\">\u201eden r\u00fccken frei h\u00e4lt\u201c<\/a>, ohne geld und das ausgerechnet in einer stadt, wo dies immer schon eine gr\u00f6ssere rolle gespielt hat als alles andere. und das ausgerechnet als polin. <\/p>\n<p>weil ich keine besonders ambitionierte inhaltsangaben schreiberin bin wollte ich mal nachsehen, <a href=\"https:\/\/www.google.de\/#q=mariola%20brillowska%20hausverbot\" target=\"_blank\">was die anderen so geschrieben haben<\/a>. vielleicht ist es ja zufall und feuilletonisten k\u00f6nnen das sonst besser aber hier bin ich ziemlich verzweifelt. muss man das so machen? werden texte ohne superlative nicht gelesen?<br \/>\n\u201ePerformance-K\u00fcnstlerin, Animationsfilmerin, Autorin, Kunst-Professorin\u201c listet <a href=\"http:\/\/www.szene-hamburg.de\/kultur\/literatur\/107-hausverbot\/\" target=\"_blank\">die szene hamburg<\/a>. das irritierte mich. ich sah bei amazon nach, wie viele b\u00fccher mariola schon geschrieben hat ohne dass ich es mitbekommen hatte. achso, klar: 1.<\/p>\n<p>aufz\u00e4hlungen scheinen aber wohl eh eine feuilleton-spezialit\u00e4t zu sein. <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/archiv\/digitaz\/artikel\/?ressort=ku&#038;dig=2013%2F08%2F17%2Fa0229&#038;cHash=4f22f6c889d313dd22cd2e87dd4448e8\" target=\"_blank\">petra schellen schreibt in der taz<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>In ihren Performances und Theatershows tritt sie mal als Dornr\u00f6schen auf, mal als Wunsch-Fee, mal als Hexe. Sie moderiert, singt, schreit [\u2026]<\/p>\n<p>Und so liest sich das autobiografisch gef\u00e4rbte Buch wie das Tagebuch einer Frau, die mal aufbrausend, mal burschikos k\u00fchl, mal sensibel ist.<\/p><\/blockquote>\n<p>ausserdem ein haufen phrasen: <\/p>\n<blockquote><p>[&#8230;] aber Brillowska suchte mehr: die Sch\u00f6nheit in der Kunst, ihre Unbedingtheit und Authentizit\u00e4t<br \/>\nDenn am wichtigsten ist ihr &#8211; und das passt zur Anarchie der als &#8220;Drama Queen&#8221; gleicherma\u00dfen gehypten wie verschrienen Mariola Brillowska &#8211; die Suche nach Freiheit.<\/p><\/blockquote>\n<p>zum schluss werden dann nochmal alle markanteren erfolge gelistet (was sich mariola mit der szene\u00fcblichen hochstapelei in die vita geschrieben hat, bierernst 1:1 \u00fcbernommen)<br \/>\nund dann? kommt trotzdem eine abfuhr: <\/p>\n<blockquote><p>Das saugt einen erst mal ein, aber dann f\u00e4ngt man an zu ertrinken in dieser Flut an Begegnungen, Dramen, Reflexionen. Man wird hineingezogen in ein atemloses Immer-Mehr &#8211; bis man erschlafft. Und irgendwann m\u00f6chte man nicht mehr wissen, wie die Geschichte weitergeht: Siebenunddrei\u00dfig H\u00f6hepunkte hintereinander, das m\u00fcndet definitiv in Lethargie.<\/p><\/blockquote>\n<p>ganz ehrlich? das problem mit den aneinandergereihten h\u00f6hepunkten hat die rezensentin leider selber. <\/p>\n<p>ich lese mariolas buch anders. nat\u00fcrlich hat es tempo aber es ist dabei nicht atemlos. es hat einen sympathisch ratternden rhythmus und ich kann ihren polnischen akzent heraush\u00f6ren, obwohl dass das buch lektoriert wurde (schade eigentlich \u2013 nicht nur wer mariolas beitr\u00e4ge bei den <a href=\"http:\/\/www.hoeflichepaparazzi.de\/forum\/index.php\" target=\"_blank\">h\u00f6flichen paparazzi<\/a> kennt weiss ihr eigenwilliges deutsch zu sch\u00e4tzen) und je emotionaler sie wird umso k\u00fcrzer werden ihre s\u00e4tze.<br \/>\ndabei m\u00e4andert sie so vor sich hin. von einem mann zum n\u00e4chsten, einem job, einer wohnung zur anderen, vom hausverbot im alsterhaus zur n\u00e4chsten pr\u00fcgelei. es gibt aber eigentlich keine echten h\u00f6hepunkte weil nichts heraus sticht und alles in gelassenem tonfall und aus der r\u00fcckblickenden distanz erz\u00e4hlt wird. es liest sich so runter wie ein comic auf dem klo.<br \/>\nder begriff \u201edrama queen\u201c zeugt hier von einem missverst\u00e4ndnis. <\/p>\n<p>eine angemessene, sch\u00f6ne rezension hat aber daf\u00fcr fran\u00e7oise cactus geschrieben, <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2013\/09-13\/021.php\" target=\"_blank\">die findet man hier<\/a>.<br \/>\nund ich kann dem, was dort steht, nur noch hinzuf\u00fcgen: das buch \u201ehausverbot\u201c ist ein ehrliches selbstportrait, das portrait von jemandem, den ich wirklich mag. <\/p>\n<div class=\"syndication-links\"><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mariola brillowska hat ihre memoiren geschrieben und ich hatte sie in 2 tagen durch. und m\u00f6chte sie hiermit allen k\u00fcnstlerInnen, besonders allen hamburgern, w\u00e4rmstens an die brust dr\u00fccken. das buch heisst &#8220;hausverbot&#8221; [affiliate link].<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"mf2_syndication":[],"webmentions_disabled_pings":false,"webmentions_disabled":false,"atmosphere_disabled":false,"atmosphere_custom_text":"","footnotes":""},"categories":[49,15,638],"tags":[674,676,675],"class_list":["post-3209","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bin-fan","category-reklame","category-rezensionen","tag-feuilleton-kritik","tag-hausverbot","tag-mariola-brillowska"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3209","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3209"}],"version-history":[{"count":16,"href":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3209\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3225,"href":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3209\/revisions\/3225"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3209"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3209"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3209"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}