{"id":3340,"date":"2014-02-07T20:53:09","date_gmt":"2014-02-07T18:53:09","guid":{"rendered":"http:\/\/katiakelm.de\/blog\/?p=3340"},"modified":"2017-02-16T13:04:30","modified_gmt":"2017-02-16T11:04:30","slug":"nichts-gegen-teebeutel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/2014\/02\/07\/nichts-gegen-teebeutel\/","title":{"rendered":"nichts gegen teebeutel"},"content":{"rendered":"<p>keiner male mehr fig\u00fcrlich! art-brut m\u00fcsse man machen und eigentlich sowieso nur noch konzept-malerei! erkl\u00e4rte mir der schauspieler, der neuerdings auch maler war, als er mich im atelier besuchte.<br \/>\n\u00fcber meine zweifellos fig\u00fcrlichen bilder an denen ich arbeitete verlor er kein wort. ich sparte mir den hinweis, dass auch seine bilder weder art-brut noch konzeptkunst waren und auch sein neuster plan, dinosaurier zu malen, klang wenig abstrakt.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>aber der schauspieler hatte recht. fig\u00fcrlich ist seit jahren so out wie seit den siebzigern nicht mehr. zur konzept-malerei kann ich nicht viel sagen, <a href=\"http:\/\/www.vonhundert.de\/index8eeb-2.html?id=265\" target=\"_blank\">das k\u00f6nnen andere besser.<\/a><br \/>\nzur fig\u00fcrlichkeit, in hamburg seit beginn der neunziger schon wieder schwerstes tabu, f\u00e4llt mir mehr ein. hier mal meine abstraktionsgeschichte:<\/p>\n<p>als kind war ich nat\u00fcrlich wie alle anderen kinder weitestgehend fig\u00fcrlich. ich war ein artiges kind, wenn auch meinem vater nie artig genug. um nicht mit den anderen kindern reden zu m\u00fcssen sass ich im kindergarten die meiste zeit in der malecke. zuhause malte ich auch, hier in erster linie um meine mutter gl\u00fccklich zu machen. das klappte zwar mit der zeit immer seltener, bei mir selbst daf\u00fcr aber umso besser.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-3343 size-full\" src=\"http:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-content\/uploads\/selbst85_.jpg\" alt=\"selbst85_\" 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sch\u00f6ne bilder zu malen. ich war jetzt 16, trug die haare lila und tat alles daf\u00fcr um m\u00f6glichst k\u00fcnstlerin-lookalike r\u00fcber zu kommen: ich besp\u00fchte die w\u00e4nde meines zimmers mit goldlack, malte pornos oder folterger\u00e4te oder benutzte die fotos meiner eltern von saufgelagen mit den nachbarn als vorlagen.<\/p>\n<p>bis ich mich mit 23 an der hamburger kunsthochschule einschrieb arbeitete ich am formverlust. klebte collagen aus pornos, kippen und teebeuteln und fabrizierte abstrakte schmierereien aus lack, \u00f6l und tippex auf papier. die h\u00e4lfte davon bekifft, die musste ich anschliessend aussortieren.<\/p>\n<p>an der hochschule traf ich viele andere maler. aber schon ein paar semester sp\u00e4ter hatte man den meisten die malerei ausgetrieben. leute die sich mit landschaftsquarellen oder katzenportraits beworben hatten erkl\u00e4rten sich am ende ihres studiums zu wissenschaftsk\u00fcnstlern oder hatten vorher aufgegeben.<\/p>\n<p>in meinem arbeitsraum gab es eine malerin, die immerfort betonte, dass sie bereits ein abgeschlossenes studium der malerei und kunstgeschichte hinter sich und deswegen sehr viel ahnung von allem habe. \u00fcber meine schmierereien konnte sie nur mit dem kopf sch\u00fctteln was sie auch nie m\u00fcde wurde zu tun.<br \/>\nich konnte also unm\u00f6glich weiter so ahnungslos vor mich hin pinseln und wandte mich stattdessen einfach neuen disziplinen zu: der plastik und installation.<\/p>\n<p>hier blieb ich zun\u00e4chst jedoch noch halb-abstrakt. es war die zeit zwischen <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/1993\/12\/schock-und-gegenschock\" target=\"_blank\">post human<\/a> und <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sensation_(Ausstellung)\" target=\"_blank\">sensations<\/a>, ich kannte die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Saatchi_Gallery\" target=\"_blank\">saatchi<\/a> k\u00fcnstler schon aus london wo ich vor dem studium ein jahr verbracht hatte. die heldInnen damals waren <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Eva_Hesse_(K\u00fcnstlerin)\" target=\"_blank\">eva hesse<\/a>, <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Matthew_Barney\" target=\"_blank\">matthew barney <\/a>, <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Anna_Oppermann\" target=\"_blank\">anna oppermann<\/a>, <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dieter_Roth\" target=\"_blank\">dieter roth<\/a> und nat\u00fcrlich <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Louise_Bourgeois\" target=\"_blank\">louise bourgeois<\/a> auf deren konto wohl auch meine <a href=\"http:\/\/katiakelm.de\/2307\/wendenstrasse-45\/\" target=\"_blank\">strumpfhosenkunst<\/a> dieser zeit geht.<\/p>\n<p>aber dieses halbabstrakte war ein fass ohne boden. ich hatte das gef\u00fchl, ewig und haltlos so weiter d\u00f6deln zu k\u00f6nnen, ohne irgendwo zu landen. ich wollte inhalte. nicht im sinne des konzept-kultes der hfbk, beeinflusst von einer in den sechzigern gepr\u00e4gten, rein m\u00e4nnlichen professorenschaft. was brachte es mir, alten m\u00e4nnern nachzueifern? konzeptkunst war hier mainstream und nur ihr anblick langweilte mich schon mehr als meine <a href=\"http:\/\/katiakelm.de\/2288\/fruhwerk\/\" target=\"_blank\">seifenpenisse<\/a>. ich wollte geschichten erz\u00e4hlen, meine eigenen geschichten.<br \/>\ndie r\u00fcckkehr zur fig\u00fcrlichkeit kam <a href=\"http:\/\/katiakelm.de\/2041\/der-spiess-im-bein-des-kleinen-mannes\/\" target=\"_blank\">knall auf fall<\/a>.<\/p>\n<p>seit 1995, das jahr in dem ich auch meinen sohn bekam, arbeite ich fig\u00fcrlich.<\/p>\n<p>kommilitonen, die den arbeiten damals etwas absch\u00e4tzig \u201evolksn\u00e4he\u201c attestierten, musste ich, abgesehen von der \u00fcberheblichkeit des begriffes, recht geben: ich hatte nie was gegen \u201evolksn\u00e4he\u201c. ich stamme aus kleinb\u00fcrgerlichem hause, das nie viel mit den grossen entscheidungen in meinem leben anfangen konnte. weswegen ich es auch nie n\u00f6tig hatte, mich explizit um abgrenzung zu bem\u00fchen. das geschah schon ganz von selbst.<br \/>\nsicher w\u00e4re es mir immer lieber gewesen, ein bischen mehr verstanden worden zu sein. weil das aber zumindest von meinem eigenen \u201evolk\u201c nicht zu erwarten war konnte ich von jeher machen was sich wollte: fig\u00fcrlich oder abstrakt, das machte keinen unterschied.<\/p>\n<p>ich kann die faszination f\u00fcr teebeutel oder zigarettenkippen verstehen. die r\u00fcckkehr zur fig\u00fcrlichkeit er\u00f6ffnete mir jedoch m\u00f6glichkeiten, die ich mit teebeuteln nie hatte. sie war meine initiation nach einer langen, anstrengenden, abstrakten pubert\u00e4t.<\/p>\n<div class=\"syndication-links\"><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>keiner male mehr fig\u00fcrlich! art-brut m\u00fcsse man machen und eigentlich sowieso nur noch konzept-malerei! erkl\u00e4rte mir der schauspieler, der neuerdings auch maler war, als er mich im atelier besuchte. \u00fcber meine zweifellos fig\u00fcrlichen bilder an denen ich 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