{"id":3402,"date":"2014-03-15T19:36:18","date_gmt":"2014-03-15T17:36:18","guid":{"rendered":"http:\/\/katiakelm.de\/blog\/?p=3402"},"modified":"2014-03-22T00:31:56","modified_gmt":"2014-03-21T22:31:56","slug":"im-hamburger-bahnhof-auf-den-spuren-nicole-zepters","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/2014\/03\/15\/im-hamburger-bahnhof-auf-den-spuren-nicole-zepters\/","title":{"rendered":"im hamburger bahnhof auf den spuren nicole zepters"},"content":{"rendered":"<p>bin mit <a href=\"http:\/\/www.karinmissypaule.de\/2-0-Arbeiten.html\" target=\"_blank\">karin<\/a> im <a href=\"http:\/\/www.smb.museum\/museen-und-einrichtungen\/hamburger-bahnhof\/home.html \" target=\"_blank\">hamburger bahnhof<\/a> weil sie die <a href=\"http:\/\/www.smb.museum\/museen-und-einrichtungen\/hamburger-bahnhof\/ausstellungen\/ausstellung-detail.html?tx_smb_pi1%5BexhibitionUid%5D=1017&#038;cHash=ae8df107d8e11c9c5266c0dddccf258f\" target=\"_blank\">harun farocki ausstellung<\/a> sehen will. um \u00fcber die 14 euro eintritt pro person seelisch hinwegzukommen beschliessen wir, dort einfach den tag zu verbringen und bleiben vor jedem film so lange sitzen bis er wieder von vorne anf\u00e4ngt und dann bleiben wir immer noch sitzen um alles nochmal in ruhe durchzudiskutieren. <!--more--><br \/>\nmehrere stunden halten wir uns ausschliesslich im dunkeln auf und abgesehen von ein paar aufsichten sind wir dort die meiste zeit alleine, sodass ich irgendwann sogar anfange, mir im gehen das kleid unters kinn zu klemmen um die rutschende strumpfhose hochzuziehen. <\/p>\n<p>beide haben wir k\u00fcrzlich das buch <a href=\"http:\/\/www.klett-cotta.de\/buch\/Tropen-Sachbuch\/Kunst_hassen\/35794\" target=\"_blank\">\u201ekunst hassen\u201c von nicole zepter<\/a> gelesen, in dem die autorin sich ua. den hamburger bahnhof aufs korn nimmt, und vor diesem hintergrund zottelten wir nun gemeinsam durch die heiligen hallen, mal sehen, ob die zepter recht hat. <\/p>\n<p>nach farocki nehmen wir uns <a href=\"http:\/\/www.smb.museum\/museen-und-einrichtungen\/hamburger-bahnhof\/ausstellungen\/ausstellung-detail.html?tx_smb_pi1%5BexhibitionUid%5D=1001&#038;cHash=bcb1228273cb5e7bedf0725efb398421\" target=\"_blank\">\u201ewall works\u201c<\/a> vor. eine ausstellung in den selben r\u00e4umen in denen letztes jahr kippenberger hing.<br \/>\nich war seitdem nicht mehr hier und davor \u00fcberhaupt nur ein einziges mal im hamburger bahnhof (um einem potentiellen sexualpartner zu imponieren dem ich hier <a href=\"http:\/\/katiakelm.de\/121\/mordversuche\/\" target=\"_blank\">eine arbeit von mir<\/a> zeigen wollte).<br \/>\ndie kippenberger ausstellung hatte mir schon nicht gefallen, diese hier ist nun in etwa so aufregend wie im lexikon zu bl\u00e4ttern: nauman, trockel, donald judd, sol lewitt, sherrie levine, mona hatoum und cy twombly. \u201ees fehlen noch andy warhol, cindy sherman und jenny holzer\u201c sage ich zu karin und karin sagt: \u201efiel mir auch gerade auf!\u201c<\/p>\n<p>anders als bei kippenberger ist diese ausstellung aber auch auffallend leer. ausser den w\u00e4chtern und uns ist fast niemand hier. wir f\u00fchlen uns gut aufgehoben.<\/p>\n<p>irgendwann stehen wir vor <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Dieter_Roth#1980s_and_1990s\" target=\"_blank\">der gartenskulptur von dieter roth<\/a>, eine dauerhaft installierte arbeit, die ich schon aus der kippenberger ausstellung kenne.<br \/>\nich frage einen der w\u00e4rter: \u201evon wem ist das nochmal?\u201c<br \/>\ner nennt den namen und f\u00fcgt hinzu: \u201efalls sie noch weitere fragen haben wenden sie sich gerne jederzeit an mich! ich kann ihnen jede frage beantworten!\u201c<br \/>\nich bringe es nicht \u00fcbers herz abzulehnen und denke mir irgendwas aus:<br \/>\n\u201edann w\u00fcrde mich interessieren, inwiefern diese arbeit konzeptionell in die kippenberger ausstellung letztes jahr eingebunden wurde, <a href=\"http:\/\/www.morgenpost.de\/kultur\/berlin-kultur\/article113822841\/Der-Hamburger-Bahnhof-blickt-auf-Martin-Kippenberger.html\" target=\"_blank\">ich hatte dar\u00fcber was gelesen<\/a>, erinnere mich aber nicht mehr daran.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDAS ist nun ausgerechnet die einzige frage die ich nicht beantworten kann!\u201c<br \/>\n\u201eok, macht ja nix, dann w\u00fcrde mich interessieren: kannten sich kippenberger und roth eigentlich? waren die nicht sogar befreundet? wann ist roth nochmal gestorben?\u201c<br \/>\n\u201edas weiss ich leider auch nicht, aber hier steht es. wenn sie mal bitte schauen m\u00f6chten \u2013\u201c<br \/>\ner verweist auf das schild mit den details zu arbeit und liest vor:<br \/>\n\u201egartenskulptur 1968 dieter roth 1930 &#8211; 1998. roth ist also 1968 gestorben\u201c<br \/>\n\u201e\u201c<br \/>\n\u201eich kann ihnen aber gerne auch noch etwas zu dem kunstwerk sagen \u2013 \u201c<br \/>\n\u201eok\u201c<br \/>\n\u201e \u2013 es handelt sich hierbei n\u00e4mlich nicht um ein gemaltes bild sondern um ein werk aus ganz verschiedenen unterschiedlichen materialien. es ist eine sogenannte installation.\u201c <\/p>\n<p>ich habe wieder eine frage zu kippenberger. mit kippenberger habe er aber nun ausgerechnet nie soviel anfangen k\u00f6nnen, der habe das ende der kunst vorhergesagt, das habe ihm nicht gefallen. der sei aber ja auch ein sogenannter konzeptionsk\u00fcnstler gewesen. <\/p>\n<p>karin erz\u00e4hlt, dass sie sich eigentlich auch nie so \u00fcbertrieben f\u00fcr kippenberger begeistert habe, dass in der <a href=\"http:\/\/www.deichtorhallen.de\/index.php?id=380 \" target=\"_blank\">philip guston ausstellung bei falckenberg<\/a> aber auch ein paar kippenberger hingen, und gerade so in gegen\u00fcberstellung mit gusten habe sie bemerkt, dass kippenberger ja schon ein fantastischer maler war. besonders gefallen habe ihr auch die tennisplatzarbeit (\u201eThe Happy End of Franz Kafka&#8217;s Amerika\u201c) <a href=\"http:\/\/www.deichtorhallen.de\/index.php?id=325\" target=\"_blank\">99 in den deichtorhallen<\/a>. \u00fcberhaupt dieses aufzeigen des eigenen scheiterns \u2013 schon wirklich sehr grossartig.<\/p>\n<p>daraufhin der w\u00e4rter, sichtlich bewegt: SO HABE ER DAS JA NOCH GARNICHT GESEHEN! jetzt gefiele er ihm gleich schon viel besser!<\/p>\n<p>als wir weitergehen informiert er uns noch, dass es auch einen mal-tisch f\u00fcr besucher gebe, wo wir gerne auch etwas malen k\u00f6nnten.<br \/>\nwir bedanken uns f\u00fcr das nette angebot, wir w\u00fcrden das auf ein andernmal zu verschieben.<\/p>\n<p>eine der letzten &#8220;wall works&#8221; arbeiten ist von nasan tur. <a href=\"http:\/\/www.berliner-zeitung.de\/kultur\/-wall-works--im-hamburger-bahnhof-der-kampf-mit-der-wand,10809150,25786080.html\" target=\"_blank\"> laut berliner zeitung<\/a> hat dieser k\u00fcnstler hier \u201eeigenh\u00e4ndig mit roter Farbe Hunderte Spr\u00fcche aus dem \u00f6ffentlichen Raum Berlins an die Wand [gespr\u00fcht], bis nur noch eine rote Fl\u00e4che blieb.\u201c<br \/>\nvor dieser fl\u00e4che am boden liegen ein paar dutzend leere spr\u00fchdosen. es sieht nach arbeit aus.<\/p>\n<p>ausserdem l\u00e4uft ein video, wo man zusehen kann, wie der k\u00fcnstler auf einem hubwagen stehend spr\u00fcht und wie sich die wand im zeitraffer langsam f\u00fcllt. und am boden davor liegt: nichts.<\/p>\n<p>die fragen die diese arbeit also aufwirft sind:<br \/>\nwieso liegen im video keine dosen am boden?<br \/>\nhat der k\u00fcnstler die dosen erst hinterher dort drappiert und warum?<br \/>\nist es tats\u00e4chlich machbar, eine derart grosse fl\u00e4che mit nur ein paar dutzend dosen zu f\u00fcllen?<br \/>\nist es tats\u00e4chlich notwendig, die dose nach jedem strich zu sch\u00fctteln?<br \/>\nsind diese fragen eigentlich relevant?<br \/>\nkann es sein dass die arbeit ein kompletter fake ist?<\/p>\n<p>karin fragt die aufsicht: \u201ewissen sie zuf\u00e4llig, wie lange der daran gearbeitet hat?\u201c<br \/>\n\u201edas kann ich ihnen leider nicht sagen.\u201c<\/p>\n<p>nachdem wir inzwischen 2 komplette ausstellungen durchschritten und durchdiskutiert haben begegnen wir nun endlich auch dem <a href=\"http:\/\/www.whitehotmagazine.com\/UserFiles\/image\/2010\/Bruce%20Nauman\/16_Nauman_RoomWithmySoul.jpg\" target=\"_blank\">\u201eRoom With My Soul Left Out, Room That Does not Care\u201c von bruce naumann<\/a>, von dem der museumsleiter prof. dr. eugen blume <a href=\"http:\/\/www.klett-cotta.de\/buch\/Tropen-Sachbuch\/Kunst_hassen\/35794\" target=\"_blank\">im interview mit der zepter<\/a> so schw\u00e4rmt.<br \/>\ner sagt darin folgendes:<\/p>\n<blockquote><p>Room With My Soul Left Out, Room That Does Not Care\u00ab von 1984, behandelt f\u00fcr mich ein zentrales Thema, n\u00e4mlich die Frage nach der Seele. Also die Frage nach der Transzendenz, die uns christlich gepr\u00e4gten Europ\u00e4ern in einer sehr abstrahierten Figur wie Jesus Christus, quasi aus einem Gottmenschen heraus, ein Koordinatensystem zur Verf\u00fcgung stellte, woraus wir unsere Wertevorstellungen nicht nur seit \u00fcber 2000 Jahren sch\u00f6pfen, sondern auch \u00fcberpr\u00fcfen k\u00f6nnen. Wenn man das kippt, und alle Vorstellungen nach Transzendenz, Ewigkeit, nach dem, was nach dem Tod passiert, die Frage nach der Seele nicht mehr stellt oder f\u00fcr esoterischen Unfug h\u00e4lt, wenn wir also eine materialistisch-atheistische Gesellschaft forcieren, entsteht die Frage, halten wir das als Menschen \u00fcberhaupt aus?<br \/>\n[\u2026]<br \/>\nNauman benutzt ja in der Kreuzform bewusst die Vierung der Kirchenbauten als ein architektonisches Element der christlichen Baukultur. In dem zentralen Punkt dieses gebauten Raumkreuzes, wo das eigentliche Ereignis stattfindet, n\u00e4mlich am Ort der Heimat oder der Verehrung der Seele, da ist bei ihm das Nichts. <\/p>\n<p><em>Was glauben Sie, wie viele Besucher das Nichts empfinden?<br \/>\n<\/em><br \/>\nDie meisten. Sie stellen nicht unbedingt diesen gro\u00dfen Zusammenhang her, den ich jetzt hier nur skizziert habe. Aber sie empfinden in diesem Raum etwas Eigenartiges, was sie beunruhigt. Und das ist f\u00fcr mich das wertvollste an dieser Arbeit.<\/p><\/blockquote>\n<p>schwerf\u00fcssig mache ich mich also auf den weg, in freudiger erwartung einer \u201ebeunruhigenden\u201c erfahrung. und tats\u00e4chlich! pl\u00f6tzlich stehe ich auf einem metallrost, eine etwa 2 x 2 meter gro\u00dfe quadratische fl\u00e4che unter der es mehrere meter tief hinab geht.<br \/>\ndie roste liegen nur auf zwei d\u00fcnnen metalltr\u00e4gern und quietschen und wackeln bei jedem schritt. und \u2013 was soll ich sagen \u2013 ich hatte herzklopfen!<br \/>\nich kenne mich da schliesslich aus. meine skulpturen haben auch nie lange gehalten. eine ist von der decke geplumpst, eine andere zum wiederholten mal von der wand.<br \/>\nich halte den atem an und taste mich vorsichtig zur\u00fcck aufs festland. <\/p>\n<p>\u00fcber \u201ekunst hassen\u201c schreibe ich die tage noch ein bischen mehr. zum hamburger bahnhof kann ich schonmal sagen: die aufsichten waren alle freundlich und der tag 14 euro wert. nur das catering (tasse wasser mit teebeutel f\u00fcr 3,50 \u2013 wtf!?) k\u00f6nnte man nochmal \u00fcberarbeiten.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>zur graffiti thematik \u00fcbrigens das statement vom sohn: \u201enach jedem strich sch\u00fctteln? machen nur <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Graffiti-Jargon#T\" target=\"_blank\">toys<\/a>\u201c<\/p>\n<div class=\"syndication-links\"><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>bin mit karin im hamburger bahnhof weil sie die harun farocki ausstellung sehen will. um \u00fcber die 14 euro eintritt pro person seelisch hinwegzukommen beschliessen wir, dort einfach den tag zu verbringen und bleiben vor jedem film so lange sitzen bis er wieder von vorne anf\u00e4ngt und dann bleiben wir immer noch sitzen um alles&hellip; <\/p>\n<p><a href='https:\/\/katiakelm.de\/blog\/2014\/03\/15\/im-hamburger-bahnhof-auf-den-spuren-nicole-zepters\/' title='Permanenter Link zu \u201eim hamburger bahnhof auf den spuren nicole zepters\u201c' class='more-link'>Weiterlesen &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"mf2_syndication":[],"webmentions_disabled_pings":false,"webmentions_disabled":false,"footnotes":""},"categories":[401,284,638],"tags":[888,713,718,715,712,716,711,714,710,717,719],"class_list":["post-3402","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ausstellungsempfehlungen","category-berlin","category-rezensionen","tag-berlin","tag-berliner-kunstmuseen","tag-bruce-nauman","tag-dieter-roth","tag-hamburger-bahnhof","tag-harun-farocki","tag-karin-missy-paule","tag-kippenberger","tag-nicole-zepter","tag-prof-dr-eugen-blume","tag-wall-works"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3402","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3402"}],"version-history":[{"count":19,"href":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3402\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3424,"href":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3402\/revisions\/3424"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3402"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3402"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3402"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}