{"id":3446,"date":"2014-03-31T09:34:08","date_gmt":"2014-03-31T07:34:08","guid":{"rendered":"http:\/\/katiakelm.de\/blog\/?p=3446"},"modified":"2014-05-18T13:07:05","modified_gmt":"2014-05-18T11:07:05","slug":"verstopfung-beim-tag-der-offenen-tur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/2014\/03\/31\/verstopfung-beim-tag-der-offenen-tur\/","title":{"rendered":"verstopfung beim tag der offenen t\u00fcr"},"content":{"rendered":"<p>es ist winter. ich versuche mit nackten h\u00e4nden die stufe vor dem haupteingang meiner alten hochschule zu erklimmen. fr\u00fcher waren hier mehrere stufen, heute ist es nur noch eine und die ist zwei meter hoch. ich h\u00e4nge also mit meinen 1,65 an frierenden fingern an der mauer und versuche mich hochzuziehen. was sich bewegt sind aber nicht meine untrainierten arme sondern die mauer. die obere platte hat sich gel\u00f6st und droht mir entgegen zu fallen \u2013 da kommt hilfe. claus mewes arbeitet inzwischen, wie die meisten ex-hfbk-ler und ehemaligen der hamburger kunstszene, an der hochschule als pausenaufsicht und zieht mich hoch, auf die mauer.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>auf wackeligen beinen begebe ich mich in den zweiten stock, in den bibliotheksvorraum. ich war lange nicht hier. der boden ist inzwischen bedeckt mit gr\u00fcnem plastikfilz, \u00fcbers\u00e4ht mit kaugummis.<br \/>\nder vorraum ist voller ehemaliger studenten. es heisst, wir sollen warten, und das tun wir. viele haben angefangen, sich aus jacken und taschen kleine lager zu bauen, manche haben isomatten ausgerollt oder zelte aufgebaut.<\/p>\n<p>pl\u00f6tzlich kommt bewegung in die sache. eine schlange hat sich gebildet vor dem vor kurzem neu er\u00f6ffneten bio-trakt. an der hfbk wird n\u00e4mlich jetzt auch biologie unterrichtet und heute ist dort tag der offenen t\u00fcr.<br \/>\nunter den wartenden ist auch meine ehemalige kommilitonin brigitte*, inzwischen erkl\u00e4rtermassen megastar und die einzige hier, die es zu was gebracht hat.<br \/>\nbrigitte h\u00e4lt sich stategisch im hintergrund, wie sie es schon fr\u00fcher gemacht hat. wortlos schlendert sie im raum hin und her bis sie von einem der ordner erkannt und nach vorne gewunken wird, an der schlange vorbei, direkt zum einlass in den bio-trakt.<\/p>\n<p>als auch ich an die reihe komme ist der bio-trakt bereits kn\u00fcppelvoll. alles hat sich ver\u00e4ndert. fr\u00fcher war dies die verwaltung, ein langer flur von dem rechts die b\u00fcros abgingen. jetzt gibt keinen flur mehr sondern die labore sind alle aneinander gereiht. um ans ende des ganges zu gelangen muss man alle durchqueren. die w\u00e4nde sind komplett verglast, alles steht voller labortische, becken, schl\u00e4uche und zeug. dazwischen die neuen sch\u00fcler, die emsig arbeiten und so tun, als bemerkten sie die hindurchstr\u00f6hmenden ehemaligen studenten nicht.<\/p>\n<p>am ende des ganges, wo fr\u00fcher der fahrstuhl war, ist jetzt eine luke, durch die man man auf eine wendeltreppe aus blech gelangt. sie geh\u00f6rt zu der neuen kunst-meets-wissenschaft-installation von brigitte, ein ankauf der schule, die heute er\u00f6ffnet werden soll.<br \/>\nauf der treppe im ehemaligen fahrstuhlschacht hat sich wieder eine schlange gebildet, ich reihe mich ein und lehne mich gegen das gel\u00e4nder. man kann es von hier nicht erkennen aber die wartenden erkl\u00e4ren mir, es handle sich um eine rutsche.<\/p>\n<p>es wird gesagt, die rutsche sei mit einer besonderen inneren beschichtung ausgestattet. in der r\u00f6hre sollen unz\u00e4hlige gr\u00fcne bohnen befestigt worden sein, die wie darmzotten funktionieren sollen und die sich beim hindurchgleiten zur seite neigen.<br \/>\nim unteren teil der rutsche sollen statt bohnen halbgetrocknete bismarkheringe anbracht worden sein, die das rutsch-erlebnis angeblich aber ziemlich vermiesen w\u00fcrden. da ich gerade nichts besseres zu tun habe bleibe ich trotzdem und warte.<\/p>\n<p>lange bevor ich die obere plattform erreicht habe ert\u00f6nt eine durchsage von claus mewes im auftrage der hochschulleitung. bedauerlicherweise m\u00fcsse die ausstellung mit sofortiger wirkung bis auf weiteres geschlossen werden. die aufsichtsbeh\u00f6rde habe der anlage die freigabe wieder entzogen.<br \/>\nleider habe man erst heute bemerkt, dass sich das rohr ausserhalb des geb\u00e4udes befindet. aus kostengr\u00fcnden habe die galerie der k\u00fcnstlerin aber auf eine beheizung der r\u00f6hre verzichtet sodass zun\u00e4chst die bismarkheringe vereisten, die studenten zwischen den fischen stecken blieben und dann selbst vereisten. dadurch habe sich ein stau gebildet der zur folge hatte dass auch diejenigen weiter oben im rohr erfroren seien. er spreche allen angeh\u00f6rigen sein beileid aus und w\u00fcnsche noch einen sch\u00f6nen tag.<\/p>\n<p>(aufgewacht)<\/p>\n<p>*name von der redaktion ge\u00e4ndert<\/p>\n<div class=\"syndication-links\"><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>es ist winter. ich 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