{"id":4513,"date":"2016-06-04T23:35:36","date_gmt":"2016-06-04T21:35:36","guid":{"rendered":"http:\/\/katiakelm.de\/blog\/?p=4513"},"modified":"2021-11-28T20:30:40","modified_gmt":"2021-11-28T18:30:40","slug":"this-is-not-a-good-portrait","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/2016\/06\/04\/this-is-not-a-good-portrait\/","title":{"rendered":"this is not a good portrait"},"content":{"rendered":"<p>gestern stiess ich auf <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/artanddesign\/jonathanjonesblog\/2016\/jun\/02\/james-needham-painting-lovers-art-selfie-age?CMP=fb_gu\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">diesen artikel hier im guardian<\/a>. es geht darin um ein gemaltes bild, das die ehefrau eines in england lebenden malers (<a href=\"http:\/\/www.jamesneedhamart.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">james needham<\/a> heisst der) mitte mai <a href=\"https:\/\/imgur.com\/gallery\/yGzK2\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">auf der sozialen plattform imgur ins netz gestellt hat<\/a> und das seitdem 800.000 mal angeklickt und 25.000\u00a0mal bewertet wurde.<!--more--><\/p>\n<p>der autor des guardian-artikels, ein kunst-kritiker namens <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Jonathan_Jones_(journalist)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">jonathan jones<\/a>, beschreibt das zwar etwas anders (laut ihm ist das foto \u201egeteilt\u201c worden) aber er scheint auf solche feinheiten der sozialen medien auch nicht sonderlich viel wert zu legen.<br \/>\nstattdessen steht er offensichtlich eher auf knalleffekte, weil er gleich im ersten satz schon mit der these er\u00f6ffnet, dass die einzige lehre, die wir aus der populatit\u00e4t des besagten gem\u00e4ldes ziehen k\u00f6nnten folgende\u00a0sei:<\/p>\n<blockquote><p>Painting can be popular in the digital age, provided it washes out all aesthetic ambition and reduces the 600 years of art history since the Renaissance to the level of a glorified selfie.<\/p><\/blockquote>\n<p>und so geht es dann weiter. das bild sei mittelm\u00e4ssiges geschmiere, wertlos und habe dieselbe wirkung wie kim kardashians selfies. genauso gefaket und oberfl\u00e4chlich und abstumpfend.<\/p>\n<p>anschliessend listet der kritiker ein paar maler auf, die das malen nach fotos <em>richtig<\/em> gemacht h\u00e4tten (degas, warhol und gerhard richter) und erkl\u00e4rt anhand dessen vom\u00a0needham-bild das gegenteil:<\/p>\n<blockquote><p>But instead of elevating photography into painting, Needham has lowered painting to the triviality of instantaneous self-portraituree.<\/p><\/blockquote>\n<p>und ich werde langsam sauer. \u201ewann f\u00e4ngt er denn nun mal an, irgendwas zu belegen?\u201c denke ich. der artikel ist eine einzige aneinanderreihung von beleidigungen, w\u00e4re ich der gemeinte k\u00fcnstler, ich w\u00fcrde wahrscheinlich mehrere jahre brauchen, um mich davon zu erholen.<br \/>\naber statt endlich mal anzufangen, irgendeine seiner drastischen aussagen zu erl\u00e4utern f\u00e4ngt dieser jones etwa ab der mitte seines texte bloss an, sich zu wiederholen.<br \/>\nder einzige lichtblick bleibt, dass ich den artikel \u00fcberhaupt\u00a0lesen kann. normalerweise trau ich mich an englischsprachige kunst-kritiken wegen des sprachlichen geschwurbels eher selten\u00a0heran, aber das hier ist so platt, das versteh sogar ich.<\/p>\n<blockquote><p>This is not a good portrait. While Needham has moderate technical skill, he has not looked hard enough or perceptively enough to give his painting any real insight. If you think this is a tough realist portrait, look again. Needham\u2019s vision has all the profundity of a 1970s sitcom.<\/p><\/blockquote>\n<p>an dieser stelle\u00a0m\u00f6chte ich\u00a0den autor jetzt selber gerne fragen, ob er diese sache mit den 600 jahren kunstgeschichte, die\u00a0ja seiner meinung nach das \u201edigital age\u201c auf das niveau von selfies reduziert, also ob <em>er<\/em> diese 600 jahre nicht selber gerade \u00fcberspringt, wenn er ein portrait als \u201enicht gut\u201c bewertet weil der k\u00fcnstler nur \u201emoderate technical skills\u201c vorweisen kann.<\/p>\n<p>aber es kommt noch beknackter:<\/p>\n<blockquote><p>Real portraiture goes a lot further. Compare this painting with any work by Lucian Freud and you will start to see the difference between an artist filling canvas and an artist actually seeing people in a special, unique way.<\/p><\/blockquote>\n<p>aha. also nichtmal \u201ereal portraiture\u201c.<\/p>\n<blockquote><p>The selfie age is a tragedy for art. It has convinced everyone that \u201cart\u201d is something we can all do with a phone and a cheeky pose. Billions of complacent self-images are filling the cyberspace void. Needham\u2019s online hit is proof that all this photographic narcissism is poisoning the way we look at real art as well.<\/p><\/blockquote>\n<p>und auch keine \u201ereal\u201c art! sch\u00f6n dass wir das auch noch gekl\u00e4rt h\u00e4tten.<\/p>\n<p>FAZIT:<\/p>\n<p>dass der kunstbetrieb eine art zuchtbecken f\u00fcr die aller-arrogantesten ist, wussten wir ja. und dass sich die gr\u00f6ssten spiesser und ewig gestrigen von der kunstwelt ebenfalls besonders angezogen f\u00fchlen ist auch nicht neu.<\/p>\n<p>was mir <em>allerdings<\/em> neu war sind kritiker, die sich nicht nur auf kosten von k\u00fcnstlern profilieren sondern sich auch noch die allerschw\u00e4chsten heraus suchen. kritiker,\u00a0die weder besonders viel zu wissen scheinen\u00a0noch besonders gut schreiben k\u00f6nnen und die sich, damit das keiner merkt beziehungsweise damit sie weiter f\u00fcr den <em>guardian<\/em> arbeiten d\u00fcrfen, dann gezielt jemanden herauspicken, den sie zusammenfalten k\u00f6nnen. in diesem fall ein kleiner unbekannter maler, dessen ehefrau ein\u00a0bild, was er ihr gemalt hat, voller stolz ins netz gestellt hat.<\/p>\n<p>nachdem ich gestern den artikel gelesen hatte hab ich dann doch nochmal ausnahmsweise etwas gemacht, was man ja eigentlich nicht tun soll: ich hab die kommentare gelesen. und die\u00a0empfehle ich jetzt auch allen, die der artikel genauso traurig gemacht hat wie mich. <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/theguardian\/posts\/10154226261366323\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">bei facebook ist zum beispiel der oberste, meist gelikte kommentar<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>Dear Jonathan Jones, shut the fuck up and make some art of your own. Sincerely, The World.<\/p><\/blockquote>\n<div class=\"syndication-links\"><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>gestern stiess ich auf diesen artikel hier im guardian. es geht darin um ein gemaltes bild, das die ehefrau eines in england lebenden malers (james needham heisst der) mitte mai auf der sozialen plattform imgur ins netz gestellt hat und das seitdem 800.000 mal angeklickt und 25.000\u00a0mal bewertet wurde.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"mf2_syndication":[],"webmentions_disabled_pings":false,"webmentions_disabled":false,"footnotes":""},"categories":[79,7],"tags":[994,996,995,1000,992,997,993,883,998,999],"class_list":["post-4513","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-fruher-war-alles-besser","category-kunstmarkt","tag-guardian","tag-james-needham","tag-jonathan-jones","tag-journalismus","tag-kritiker","tag-kunstkritik","tag-kunstkritiker","tag-kunstmarkt","tag-selfies","tag-soziale-medien"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4513","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4513"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4513\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5741,"href":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4513\/revisions\/5741"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4513"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4513"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/katiakelm.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4513"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}