memoiren

seit ein paar monaten arbeite ich an einem etwas längerem text: meinen „memoiren“.

bereits während ich sie schreibe, weiss ich bei manchen kapiteln schon, dass ich sie wieder löschen werde. einfach weil sie für die themen, um die es mir eigentlich geht, irrelevant sind.

weil ich das aber auch irgendwie schade finde poste ich hier jetzt mal ein paar dieser „outtakes“. hier kommt der erste:

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Weil ich mit Baby nicht mehr so flexibel war beim herum Gurken durch die Stadt beschloss ich, mit 25 doch noch einen Führerschein zu machen. Mit den Fahrstunden begann ich während der Schwangerschaft. Klemmte meinen immer größer werdenden Bauch hinters Steuer und wartete, wann er dem Fahrlehrer auffallen würde (kurz vor der Entbindung).

Ich kaufte mir einen orangeroten Fiat Panda, Baujahr 84, für 1400 Mark über die Annoncen-Avis. Reparaturen waren im monatlich vorgesehenen Budget nicht mit drin und entsprechend lange dauerte es, bis sich erste Absonderlichkeiten bemerkbar machten. 

Das musste ich dem Panda wirklich zugute halten: er konnte einiges ab. Im ersten Winter fuhr ich zum Beispiel mit angezogener Handbremse quer durch Hamburg, von Bramfeld zur neuen Wohnung an die Landungsbrücken, wo mir an der Ampel jemand bedeutete, dass meine Reifen sich nicht drehten. 

Dann war irgendwas komisch mit den Scheibenwischern in Kombination mit den Bremsen. Meine Mutter, die immer schon ein Händchen fürs umsonst durchs Leben kommen besass, hatte einen todsicheren Geheimtipp: einen Zivi aus ihrem Büro. Ein „junger Mann“, wie meine Mutter ihn beschrieb, der sehr schöne Haare hatte, also so gesehen vielleicht ja auch was für mich wäre, und außerdem Maschinenbau studieren würde! Der mache auch immer ihr Auto und koste nicht viel.

Nicht nur, dass der Zivi meiner Mutter das Auto bei mir zuhause abholte, er hatte tatsächlich schöne Haare. Erschüttert davon, dass meine Mutter offenbar auf den selben Typ abfuhr wie ich, händigte ich ihm die Schlüssel aus. Er wolle sich etwas einfallen lassen, erklärte irgendetwas technisches, ich nickte begeistert und bekam Schweissausbrüche.

Wenige Tage später fuhr ich mit Anton im Buggy mit den Öffentlichen raus nach Tornesch um das Auto wieder abzuholen. Wir dümpelten durch die frisch asphaltierten Strassen eines Neubaugebietes, in der sich Fertigbauten aneinander reihten mit noch unbepflanzten Vorgärten davor, bis zu dem Haus, in dem der Maschinenbaustudent bei seinen Eltern wohnte.

Das erste was mir auffiel, war, dass seine Haare im Beisein seiner Eltern, nicht mehr so gut sassen. Die Magie war dahin. Überhaupt war der erotischste Moment der, als wir uns gemeinsam über einen seltsamen Schalter beugten, den er rechts neben dem Lenkrad eingebaut hatte. Mit diesem Schalter sollte ich von nun ab den Motor zünden, sowie auch den Scheibenwischer bedienen. 

Der Abschied war kurz und schmerzlos. Ich überreichte 50 Mark und es klang, als wäre der Auspuff abgefallen, als ich aus der Sackgasse rollte Richtung Autobahn.

leises gebrüll im weissen raum und die wartemarke

mein neues atelier ist mal wieder eine ziemliche absteige. die wände sind aus pappe und die böden mit braunem packpapier ausgelegt. es gibt keine fenster aber ein riesiges tor, was die eine längsseite des ateliers zur strasse hin öffnet. wenn das tor offen ist steht man praktisch auf der strasse. die passanten könnten herein kommen und damit sie das nicht tun habe ich mehrere lagen aus packpapier von der decke runter gehängt.
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eine ausstellung in venedig

januar

verabredung mit einer sammlerin.
wir besuchen caro, eine gemeinsame freundin, im atelier und die sammlerin erzählt mal wieder von dieser extrem wichtigen ausstellung, die ihr mann, ein maler, die tage in einem der bedeutendsten sammlermuseen venedigs habe, der punta della dogana – und wir müssten selbstverständlich alle kommen! dann könne sie uns auch endlich mal klaus* vorstellen, den new yorker stargaleristen ihres mannes. (mehr …)