gouache

das mit der gouache kam so: seitdem ich mal vor jahren sein buch „color and light“ gelesen hatte bin ich ein ziemlicher fan von james gurney. nicht unbedingt so sehr von seinen dinosaurierbildern aber von seinem ganzen know how über maltechnik, seiner bereitwilligkeit, das zu teilen und wie gut er das macht. und gurney wiederum ist ein fan von gouache. er malt pleinair hauptsächlich in gouache und weil ich gouache noch nie benutzt hatte hab ich mir vor einem jahr mal eine ganze palette davon selbst zum geburtstag geschenkt.

daraufhin malte ich damit genau 1 bild, klappte den block zu und beliess es dabei.

dann entdeckte ich charlotte und kramte die farben wieder aus der tupperdose.

das ist jetzt ein paar wochen her und seitdem haben mich die farben total im griff. ich kann garnicht richtig sagen, wie sehr mich allein der anblick der trockenen farboberfläche umhaut. wie sehr die mich anzieht. vielleicht ist es ein ähnlicher sog wie damals bei der knete.
dieses komisch pudrige, die mattheit und kontrastarmut, die ein bischen an kindertusche erinnert und trotzdem leuchtet es.

dann diese ausgesprochene schärfe der linien, weil man ja keine transparenzen schafft, von verläufen garnicht zu reden. man sieht jeden pinselstrich aber alles total flach, keinerlei duktus. duktus geht zwar auch aber sieht scheisse aus, macht komische wasserflecken.
überhaupt mit wasser malen: was für eine wohltat so ganz ohne handschuhe und ohne kopfschmerzen.

ansonsten hat gouache viel mit acrylfarbe gemeinsam, was erstaunlich ist, weil ich acrylfarben wegen genau diesen eigenschaften nicht mag: sie trocknen heller auf als sie nass aussehen, weswegen man beim nachmischen nie den ton trifft, und sie trocknen viel zu schnell.

bei gouache macht mir all das allerdings nichts aus. im gegenteil, ich finde es sogar ganz angenehm, dass die farben so schnell trocknen. denn anders als bei acryl kann man sie auch wieder anlösen. oft wasche ich ganze bildhälften einfach wieder aus.

leider erlaubt gouache keine besonders großen formate, ich benutze maximal 36×48, und das nur weil die tuben so irre winzig sind. 20 ml sind in artist-quality die größten.
die im farbenladen denken wahrscheinlich, dass ich mich von farbe und papier ernähre weil ich jeden zweiten tag da anklappere.

inzwischen habe ich sogar angefangen, die farben aus pigment und gummi arabicum selbst anzureiben, was hervorragend funktioniert.

gestern habe ich zum ersten mal blau gemacht:

(ich habe diesen witz jetzt schon auf allen meinen kanälen gepostet. offensichtlich habe ich es wirklich nötig.)

mein kampf gegen die falten

diese woche habe ich mich mal etwas mit wäschewaschen und bügeln beschäftigt. und das kam so:

weil ich ja ein alter sparfuchs bin (kl. scherz) hatte ich mich diesmal entschieden, kein leinen für 40€ den meter zu kaufen. stattdessen entschied ich mich für baumwolle. dass ich mich früher immer nur mit baumwolle herumgeägert hatte hab ich einfach mal vergessen und kaufte also bei meinem lieblingshöker peters artshop 4 meter baumwolle in panamabindung zu 430 gramm. das ist ziemlich dick. so dicke baumwolle hatte ich noch nie aber ich dachte irgendwie, das wäre total schlau weil ja quasi mehr fürs geld.
ich schleppte den stoff also ins atelier, zerschnitt ihn und tackerte ihn auf 10 leere keilrahmen.

übrigens auch ein pro-tip von mir: immer alle leinwände auf einmal grundieren! weil die ja liegend trocknen müssen damit sie sich nicht verziehen kann man danach feierabend machen weil man sich im atelier garantiert nicht mehr bewegen kann.

nun also zur vorleimung. in letzter zeit hatte ich dafür immer hautleim genommen. weil aber das herstellen von glutinleim ziemlich zeitaufwändig ist hatte ich mir vorgenommen, wieder auf acrylbinder zurück zu kommen. und da acrylbinder auf baumwolle bei mir irgendwie noch nie besonders gut geklappt hat leimte ich jetzt erstmal nur die 4 kleinsten formate damit vor.

am nächsten tag entdeckte ich, dass der vorgeleimte stoff zwar straff genug gespannt war, aber im stoff trotzdem feine falten sichtbar waren, falten, die vorher schon um stoff waren. normalerweise gehen diese mit der grundierung raus. ein ganz neues problem also.

im internet fand ich dazu wie immer nur auf englisch bei wetcanvas.com gute lösungen: eine malerin empfielt dort zum beispiel, den aufgespannten stoff mit heissem wasser zu tränken und immer wieder nachzuspannen, nass machen, nachspannen etc. und viele schwören auch auf waschen und bügeln.

wohl oder übel musste ich die stoffe also alle wieder abspannen. das heisst, mit einem kleinen schraubenzieher pulte ich alle gefühlten 180 klammern pro keilrahmen wieder raus.
die vorgeleimten leinwände liess ich erstmal auf den rahmen und versuchte es mit heißem wasser. soweit das wegen der leimung noch möglich war bestrich ich sie von beiden seiten und legte sie wieder auf den boden zum trocknen.

die größeren formate nahm ich mit nach hause und setzte mich dort erstmal an die nähmaschine. wie jeder gute hausmann weiss, muss man ja stoff, der leicht aufribbelt, vor dem waschen erstmal umketteln.
danach stopfte ich alles in die waschmaschine und weil ich da nie irgendwelche exotischen programme benutze las ich erstmal die bedienungsanleitung… feinwäsche it is!
alles reingeknallt und weil bei wetcanvas viele leute essig empfehlen goss ich statt waschmittel einfach mal eine viertelflasche apfelessig ins seifenfach.

das feinwäscheprogramm dauerte erstaunlich lange, 2 stunden bestimmt. als ich den stoff am ende endlich aus der trommel zog fühlte ich sofort, dass sich an seiner steifheit überhaupt nichts geändert hatte: er fühlte sich an wie ein zerknittertes nasses stück pappe. dass er jetzt noch viel mehr falten hatte brauch ich wohl nicht zu sagen.
ich las nochmal ein paar stunden im internet nach und beschloss, dass kein weg mehr an weichspüler vorbei führte. also auf zur drogerie.

in der drogerie stellte ich mich vor das weichspülerregal und schnupperte mal in ein paar flaschen durch. ob es eine gute idee war, wenn meine bilder dann nach mangooase duften würden, da war ich mir dann doch nicht so sicher. ich entschied mich für eine flasche unpafümierten weichspüler für allergiker.

wieder zuhause stopfte ich also die nassen stoffstücke wieder in die maschine. diesmal mit weichspüler und doch mal mit seife im waschgang. mir war nämlich aufgefallen, wie glitschig sich die oberfläche des nassen stoffes angefühlt hatte und tippte auf wäschestärke und die musste raus.

tatsächlich veränderte sich durch den weichspüler und das mehrfache waschen die stoffstruktur komplett. der stoff war plötzlich ganz flauschig, deutlich leichter und plötzlich auch viel dehnbarer, regelrecht stretchy. wenn also am ende doch alles in die hose ging könnte ich mir also immer noch eine schöne strumpfhose daraus nähen.

nun also bügeln. ich war wohl etwas aus der übung (das letzte mal dass ich das bügeleisen benutzt hatte war vielleicht 5 jahre her), jedenfalls war meine erste amtshandlung erstmal ein brandfleck. der kommt dann auf die rückseite, beschloss ich, und beschleunigte die bügelbewegungen.
der stoff wurde schön glatt aber die größeren falten blieben weiterhin sichtbar. jetzt musste es also das spannen und heisses wasser bringen.

wieder im atelier kümmerte ich mich erstmal um die vier leinwände, die ich nicht abgespannt hatte, aber mit heissem wasser behandelt. die falten waren weiterhin mehr oder weniger sichtbar. bei den weniger deutlichen entschied ich mich fürs auskeilen. eigentlich sollen die kleinen, beim rahmenkauf mitgelieferten holzkeile ja erst in ein paar hundert jahren von den museumsrestauratoren verwendet werden, und wenn ich sie jetzt schon benutze können die das später halt nicht mehr. aber darauf konnte ich jetzt keine rücksicht mehr nehmen und keilte was das zeug hält.
zwei leinwände mit deutlichen falten spannte ich ab und zog sie neu auf, diesmal mit spannzange.

die weichgesülten stoffteile tackere ich wieder auf ihre rahmen. zur abwechslung hatte ich glück: die stoffe waren nur minimal eingelaufen und gingen gerade noch so über die rahmen. ich pinselte alles mit heissem wasser ein und fuhr wieder nach hause.

am nächsten tag sah alles genauso aus wie am tag zuvor: die stoffe waren nur minimal weniger straff als am vortag, glatt aber mit falten. ich spannte sie also alle nach, das heisst, ich pulte wieder alle drahtklammern aus dem holz, spannte, diesmal mit zange, und tackerte neu. inzwischen hatte ich schon eine schöne rote schwiele in der linken handfläche und googelte nach „akkutacker“ den ich mir jetzt zum geburtstag wünsche.

die spannzange soll man beim normalen spannen eigentlich garnicht benutzen aber hier ging es ja nicht mehr ums normale spannen. und tatsächlich: mit der zange wurde der stoff jetzt so straff, dass sich schon leichte laufmaschen hinter den klammern bildeten, aber egal.
tatsächlich liessen sich die feinen linien der ehemaligen falten mit hilfe der spannzange fast ganz rausziehen. wieder heisses wasser und nach hause.

gleich, wenn ich dies fertig geschrieben hab, fahre ich also wieder ins atelier und da entscheidet sich dann wohl endgültig, ob endlich mal wieder zum malen komme oder ob es die strumpfhose wird…

schon wieder pleinair

wie ich ja hier und da schonmal andeutete, bin ich pleinair-malerei-fan.

das bin ich etwa seitdem ich nach berlin zog und im zuge dieser veränderung beschloss, nur noch zu malen.
weil ich nach all den jahren kneterei dachte, dass ich etwas nachzuholen hätte, las ich bücher über maltechnik und darin stand sinngemäss sowas wie:
wer wissen will wie bäume wirklich aussehen muss nach draussen gehen – und da malen.

draussen zu malen hat in maltechnik-ratgebern offenbar einen ähnlichen stellenwert wie aktzeichnen. mir war das bis vor kurzem garnicht klar. ich hab sogar noch an der hochschule, als seifeschnitzerin und knetkünstlerin, akte gezeichnet, aufs draussen malen bin ich aber nie gekommen.
wahrscheinlich weil pleinair in der zeitgenössischen kunstszene eher als sone art alte-leute-sport gilt. wer in sein will malt dreiecke und wer nicht in sein will kauft sich ne feldstaffelei und malt wolken und bäume.

ich hab jedenfalls jetzt schon ein paarmal wolken und bäume gemalt. zuletzt sogar mitten in berlin, in den rehbergen.
anfangs gruselte es mich etwas bei der vorstellung, dass mir dort womöglich spaziergänger über die schulter schauen, tatsächlich war es mir dann aber komplett egal.

nicht nur, dass ich beim malen nicht mal mehr mitbekam, dass ich gerade mitten in einer waldameisen-straße stand – man malt auch ganz anders. man muss sich beeilen, denn das licht und die schatten und die farben ändern sich so rasend schnell, dass viele bilder nur als grobe skizzen enden.
da ist man froh, wenn die spaziergänger nur kucken wollen und einem nicht gleich ihre lebensgeschichte erzählen.

hier die ersten vier etwas größeren arbeiten meiner beiden letzten pleinair-sessions:

wiederholungen

„es wiederholt sich alles…“ sage ich zu meinem mann am abendbrottisch.
„genau. wir werden ohne zähne geboren und sterben ohne. ausserdem haarverlust und auf allen vieren laufen.“

was ich meinte war natürlich meine arbeit.
normalerweise finde ich beim kunstmachen wiederholungen ja immer eher doof so wie ich es nie kapiert habe, wieso wiederholungen unter künstlerInnen so beliebt sind, aber das ist eine andere geschichte (die ich auch schon hundert mal erzählt hab).
diese art von wiederholungen meine ich aber nicht. ich meine ich die unbeabsichtigten, die grossen kreise. und dann das deja-vue-hafte „huch, das kenn ich!“ – für mich ist sowas meistens ein gutes zeichen.
(mehr …)

regenbögen

als es mir mal finanziell nicht so gut ging und ich mir einen job suchen musste … wobei sich das jetzt so anhört, als ob das jemals anders war. egal. also diese geschichte fängt jedenfalls damit an, dass ich auf jobsuche war. und zwar nicht im sinne von „nach einer stelle suchen“ sondern im sinne von „was könnte ich mal machen“?
irgendwas gestalterisches vielleicht. mir fiel schaufenster-dekorateurin ein aber sowas tauchte in den stellenanzeigen, die ich las, nie auf. oder friseurin aber für sowas brauchte man ne ausbildung und der zug war irgendwie abgefahren.
floristin fiel mir ein. floristin! das wars! schön den ganzen tag zwischen blumen umher schweben, eingehüllt in rosenduft! eines tages würde ein reicher mann mit wehendem schal in den blumenladen kommen und so tief bewegt sein von der schönheit meiner sträusse dass er um meine hand anhalten würde.

floristinnen wurden in den stellenanzeigen zwar auch nie gesucht aber da könnte ich ja ne initiativbewerbung an alle hamburger blumenläden raushauen. so ne beeindruckende bewerbung hatten die garantiert noch nie bekommen! diplom-künstlerin mit auszeichnung. endlich machte sich das mal bezahlt.

ein paar tage später rief tatsächlich ein blumenladen zurück und lud mich zum vorstellungsgespräch ein. das dauerte dann auch keine 2 minuten. mir wurde der stundenlohn mitgeteilt und ich musste meine konfektionsgrösse nennen für die kittelschürze.

der blumenladen war eine friedhofsgärtnerei und den ganzen tag mussten drehständer mit grünen plastik-grabvasen mit neuen sträussen nachgefüllt werden. die sträusse bestanden aus tannengrün mit ein paar blümchen in der mitte. tannengrün ist bei toten sehr beliebt weil das länger hält.
die sträusse sind zwar hässlich aber dafür einfach zu binden weil man mit tannengrün eh keine rundung hinbekommt.
ansonsten musste ich kisten schleppen. kisten mit stiefmüttcherchen, begonien und geranien. danach mussten die gegossen werden und danach die wegplatten gefegt. das war meine hauptbeschäftigung. giessen und fegen.

richtige sträusse binden musste ich aber auch. immer wenn ein kunde im türrahmen auftachte, der so aussah, als wenn er gleich „machen sie mir mal was hübsches“ sagen würde, befiel mich die panik. denn was „hübsch“ ist weiss ich als diplomierte künstlerin natürlich nicht. ich wählte dann einfach alles was mir so ins auge stach: bischen lila, bischen gelb, ein paar tupfer orange, blau – und grün ja eh. während ich die blumen aus den vasen zog veränderte sich der blick in den gesichtern der kunden von zustimmung zu blankem entsetzen. ich nickte ihnen nochmal aufmunternd zu und verschwand in der kammer zum binden.
dort drehte ich mich mit dem rücken zu den wartenden kunden und fing an mit schweissnassen fingern an den glitschig-kalten stengeln rumzufrickeln. wenn kolleginnen dabei zusahen hielten sie es selten lange aus sondern rupften mir entnervt das zerfledderte ding aus der hand und übernahmen. „so, hier, noch diesen hübschen wackel-schmetterling oben rein und fertig. jetzt geh kassieren.“

einmal stellte eine kollegin aber auch ein besonders schönes regenbogen-exemplar von mir in eine vase zu den fertig-stäussen um was zum lachen zu haben.

kurz vor feierabend, als ich gerade wieder draussen die gehwegfliessen schrubbte rauschte noch ein letzter kunde an mir vorbei, ein herr im mantel und wehendem schal.
als er weg war kam meine kollegin grinsend aus dem laden. der tüp eben, ob ich den gesehen hätte. der sei rein gekommen, habe sich nur kurz umgesehen und sich dann mit der bemerkung „DER ist aber SCHÖN!“ gezielt meinen strauss geschnappt. männer! die haben es nicht so mit farben.

ein jahr hab ich es noch versucht, bevor ich eingesehen hab, dass aus mir und wackel-schmetterlingen nichts würde. selbst nachdem ich die technik, runde sträusse zu binden einigermassen raus hatte, das mit den farben hab ich nie hinbekommen. bis heute.

heute steh ich vor meiner palette genauso ratlos rum wie damals vor den vasen. ich bin eben kein farbentüp. ich bin formentüp. das ist mir gerade in den letzten tagen wieder mal klar geworden beim modellieren von vorlagen für die nächsten bilder. ich hab das absolute formengedächtnis. ich kann in windeseile einen annähernd realistischen fuss kneten oder eine hand, ich weiss genau wie knie aussehen oder schulterblätter. ich kann das ohne vorlage. nur farben hab ich nie verstanden.

einige würden mir deswegen vielleicht raten, doch lieber das zu machen, was ich kann, womit ich erfolgreich sein könnte. so hab ich das früher auch gesehen. heute seh ich das aber anders. dinge die ich kann langweilen mich irgendwann und ich bin schliesslich nicht künstlerin geworden um mich zu langweilen.

letzte woche hab ich jedenfalls beschlossen, die sache jetzt in angriff zu nehmen und einen kredit aufgenommen mir die prachtausgabe vom itten gekauft. ausserdem die farbharmonie von küppers [beides werbelinks zu amazon] und beide acker ich jetzt durch. wär doch gelacht wenn ich nicht ein paar schöne regenbogenbilder zusammenbekomme. zur not müssen die dann eben von männern gekauft werden.

blumenbild (unfertig), 2016, katia kelm