Beussel Biennale, die Philosophie

ich stell ja nicht mehr so oft aus. also eigentlich garnicht. ich hab halt keinen bock mehr, meine sachen durch die gegend zu karren und das in 100 prozent der fälle für lau.
mir ist schon klar, dass das ja quasi werbung ist und dass es dadurch dann später oft zu verkäufen im atelier kommt aber man könnte den prozess ja vielleicht auch ein bischen weniger komplex gestalten. galeristInnen machen ihren job ja auch nicht, damit das so läuft.
ich hatte dann jedenfalls irgendwann beschlossen, dass ich ja auch einfach nur noch bei mir im atelier ausstellen kann. 

so kam es zur langen nacht der beusselstraße 47 und vorletztes jahr erstmals zur beussel biennale.

dass wir gleich ne biennale daraus gemacht hatten war eigentlich ein witz. und es passte halt alliterationstechnisch. nun sind aber 2 jahre rum und jetzt haben wir den salat und müssen wieder ran.

esther enzian, die auch mitmacht, schlug vor, ich könne ja mal einen blogartikel zur „philosphie“ der biennale schreiben und das tue ich also hiermit:

es fing damit an, dass meine freundin henrieke eine art weihnachtsmarkt bei sich im atelier veranstaltete. eine mischung aus kunst und bezahlbarem tüdellüt.
und auch wenn sich die teilnehmerInnen am ende alles gegenseitig abkauften und deswegen niemand wirklich gewinn machte war es ein voller erfolg und eine tolle party.

als henrieke die veranstaltung nach dem zweiten mal aber nicht fortführen konnte beschloss ich, es selbst mal zu versuchen. 

wichtig war mir, und jetzt kommen wir zur „philosophie“, dass am ende nicht die ganze arbeit an mir hängen bleibt.
als ich henrieke nämlich meine arbeiten vorbei brachte stand sie ganz alleine auf der leiter und baute auf. dazu hatte ich auch schon wieder keine lust.
in der beusselstraße würde das anders laufen.

also haben wir uns alle zusammen einen namen ausgedacht und jetzt, beim zweiten mal, auch gemeinsam wieder verworfen. wir haben diskutiert, ob wir getränke verkaufen wollen oder verschenken und am ende hat henrieke, um die debatte abzukürzen, die getränke dankenswerterweise einfach alleine bezahlt.

um zusammen die hängung machen zu können haben wir sie um eine woche vorverlegt und über 2 tage verteilt weil erst ab 16 uhr alle zeit hatten. zu sechst dauerte sie aber auch gerade mal 4 stunden.

ich hatte vorher das atelier leer geräumt, die wände gestrichen und die getränke und becher für den glühwein besorgt.
esther hatte das erste mal nach 10 jahren meine fenster geputzt. anton hatte den flyer entworfen und sich um den druck gekümmert, sebastian hat kuchen gebacken und sich um den lageplan und die preislisten gekümmert und alle wuschen zwischendurch ab.

bei der diesjährigen biennale haben sich jetzt aber doch ein paar sachen in meine richtung verlagert. erstmal hab ich wieder das atelier leer geräumt. dann hab ich diesmal auch die druckvorlagen für flyer, poster und taschen hergestellt, drucken lassen und anschließend reklamationsformulare ausgefüllt, weil die druckerei beige taschen statt weißer bedruckt hat, uns aber keine neuen drucken sondern stattdessen 10% von den 120€ des des gesamtpreises erstatten will.

ausserdem hab ich 12 slideshows für instagram vorbereitet, den einzelnen teilnehmerInnen zur freigabe vorgelegt, die dann noch dreimal überarbeitet und zum schluss das gesamte social media konzept nochmal komplett geändert.

die flyer und auch die instakampagne wollten eigentlich erst andere machen, als die aber ausfielen war überraschenderweise ich die ansprechpartnerin.

aber auch eine person, die garnicht mitmacht, hat etwas für uns gemacht, nämlich eine webseite gebaut, damit google jetzt auch bescheid weiss: felix, mein mann.

die sechs künstlerInnen vom letzten mal sind jedenfalls wieder dabei, außerdem sind noch vier dazu gekommen:

luise thiele und franca laufer, beide aus hamburg, sowie charlie bröcker und benji hanoben aus berlin. charlie ist fotografin und benji ist musiker und DJ und man kann bei uns seine legendären mixtapes kaufen. franca macht objekte aus keramik und porzellan und luise malt und macht objekte.

ich stelle in den nächsten tagen auf instagram nochmal ein paar der teilnehmenden künstlerInnen mit bildmaterial vor.

aber nochmal kurz zurück zur philosophie. die beussel biennale ist nämlich eine ganz besondere biennale: sie findet alle zwei jahre statt — und das nur zwei mal! 

NEUE DRUCKE

endlich hab ich die digital überzeichneten fotos meiner knetminiaturen drucken lassen und hier könnt ihr sie jetzt kaufen zum einführungspreis von 80,-€!

aber ich sag noch ein bischen was dazu. und zwar hatte ich vor ein paar jahren ja mal so eine knetmodell-phase. um rauszufinden, wie es aussieht, wenn beispielsweise licht durch einen türspalt fällt, wenn jemand von von nem induktionsherd angeleuchtet wird oder wie ein tischfeuerwerk aussieht, hab ich figuren aus knete modelliert und entsprechend beleuchtet.
davon machte ich fotos und nutzte die als vorlagen für malerei. 

weil ich die fotos am ende aber viel interessanter fand als die gemalten bilder, zu schade, sie in der digitalen schublade verstauben zu lassen behielt sie im hinterkopf.

und nun sind sie halt wieder aufgetaucht.

joseph beussel biennale

am samstag, den 7. und sonntag, den 8. dezember findet bei mir im atelier, in der beusselstraße 47, die erste joseph beussel biennale statt.

gemeinsam mit henrieke ribbe, sebastian zarius, lisa herfeldt, esther enzian und anton kelm stelle ich dort arbeiten aus, die sich vielleicht ja auch als weihnachtsgeschenke eignen. 

die öffnungszeiten sind an beiden tagen jeweils von 15 bis 19 uhr.

außerdem besteht die möglichkeit, während der woche danach, vom 9.12. bis zum 14.12, unter info@josephbeussel.de einen privattermin zu vereinbaren.

am abbau-tag, dem 14.12. sind wir zwischen 15 und 18 uhr noch einmal alle vor ort und laden euch ein zu einer kleinen finissage.

kommt vorbei und trinkt einen glühwein mit uns, wir freuen uns auf euch! 

die endzeit-edition ist fertig!

in meinem elternhaus hingen immer auch kunstkalender bei uns im wohnzimmer. makramee eulen und kunstkalender. und wenn das jahr um war schnitt meine mutter den unteren teil ab von den kalenderblättern und klebte die schönsten auf spanplatte. so kamen auch die sonnenblumen von van gogh über unser sofa und meine mutter erzählte uns von dem maler, der sich das ohr abgeschnitten hatte.

die kalender meiner mutter haben also sogesehen dazu beigetragen, dass ich mich schon als kind für kunst und ganz besonders das ohr von van gogh interessierte. (hier hab ich schonmal etwas darüber geschrieben.)

und heute hängen bei mir zuhause immer gleich mehrere kalender für dasselbe jahr übereinander, von befreundeten künstlerInnen und verwandten. wir vergessen nur immer, sie umzublättern. für mich sind es eigentlich eher bildbände und wenn das jahr um ist blättere ich sie durch und stell sie hinterher ins bücherregal.

aus diesen gründen gibt es von mir dieses jahr auch einen kalender. und zwar gleich ohne datumsanzeige! nur die monate sind klein vermerkt.
hier könnt ihr ihn kaufen.

neue langsamkeit

die idee bei meinem giftshop war ja ursprünglich mal, kleine sachen in hoher auflage zu machen, die auch von normal verdienenden menschen gekauft werden können. quasi als „nebenverdienst“, neben der analogen malerei.

tja, das mit dem nebenbei machen klappt schonmal nicht so gut. die zeichnungen dauern nicht tage sondern mindestens WOCHEN. und zwar garnicht, weil mich technische probleme aufhalten, der aspekt läuft tatsächlich mal reibungslos.

ein grund für meine neue langsamkeit ist die vielfalt der möglichkeiten. weil man digitale daten ja einfach duplizieren kann und dann auf den duplikaten nochmal neue sachen ausprobieren kann verfranse ich mich einfach endlos und komme schlicht nie zum ende. 

und beim analogen arbeiten beschleunigt ja schon allein die unmöglichkeit, arbeitsschritte zurück zu nehmen. irgendwann stösst man dann eben auf einen endpunkt. 

von daher gibt es jetzt hier heute ganze zwei neue dateien. ZWEI! 

charlotte*

die letzten jahre hatte ich immer mal gegoogelt, ob ihr werk nicht mal irgendwo wieder gezeigt wird. ab und zu leiht das jüdische museum in amsterdam ja blätter daraus aus. 

beim letzten mal googeln dann ein treffer! münchen! lenbachhaus!

viele künstlerInnen machen sowas ja oft, wegen bestimmter ausstellungen extra irgendwo hin zu reisen. bei mir beschränkte sich das bisher nur auf die documenta und die biennale in venedig. ist ja auch immer eine geldfrage und ich reise eh nicht so gern.

deswegen hatte ich diesen trip dann auch so richtig schön effektiv zusammengekloppt: hinreise donnerstag abend nach der arbeit mit der bahn, übernachtung in bahnhofsnähe, morgens pünktlich um 10 beim museum, wieder zum bahnhof und zurück nach hause. 

in den wochen vor meiner reise machte ich dann in meinem internet noch eine weitere entdeckung: meine alte blog-freundin anke gröner, inzwischen promovierte kunsthistorikerin, arbeitet zur zeit im lenbachhaus! nicht nur dass ich im reallife nichts mehr mitbekomme, online also offenbar auch nicht mehr. 

um es kurz zu machen: die ausstellung ist grandios! DEUTLICH umfangreicher als ich erwartet hatte.
wie oft geht man in ausstellungen wo irgendwelche großen namen auf den plakaten locken und dann hängt da EIN bild. hier hingen 200.

anke gab mir quasi eine einzelführung und war, nachdem sie sich die ausstellung zum sechsten mal ansah, dafür also auch angemessen vorbereitet.

zwei stunden dauerte unser rundgang. wandtexte und eine slideshow, die zeigt, wie die gouachen eigentlich von handgeschriebenen texten auf transparentpapier bedeckt sind, hab ich nur überflogen. wandtexte lese ich in museen eh ungern. meistens fehlt mir dafür die konzentrationsfähigkeit angesichts des erwarteten.

ich musste einfach zu dringend die bilder sehen und das konnte man hier auch wirklich sehr gut. die ausstellung ist in einem unterirdischen zwischengeschoss der u-bahn untergebracht, einer 100 meter langen halle, perfekt passend zur narrativen struktur des werkes. das licht ist ok (also nicht so dunkel wie man es bei papierarbeiten ja oft erlebt) und es nervte auch keine alarmanlage, wenn sich die altersweitsichtigen augen den glaskästen nähern.

und ich möchte hiermit wirklich nochmal allen an malerei interessierten menschen ans herz legen, sich diese bilder im original anzusehen! natürlich ist die webseite des jüdischen museums schon herausragend gut, weil dort wirklich alle 769 gouachen mitsamt transparenter textseiten hochauflösend zu sehen sind. aber ich hab in münchen trotzdem immer noch vieles entdeckt was mir vorher nicht klar war. die farben sind im original auch viel heller und leichter, so viele nouancen gehen einfach unter auf den fotos. auch kann man auf den fotos überhaupt nicht erkennen, wie sie genau gearbeitet hat. im original kann man das aber ganz gut.

ich hatte zum beispiel bisher überhaupt nicht gesehen, dass charlotte* am anfang der chronologie teilweise mit irisierenden pigmenten gearbeitet hat: mit gold und silber, und auch mit mehr als einem blau.

und wenn ihr, wie ich es euch rate, extra wegen dieser fantasischen ausstellung nach münchen reist könnt ihr euch anschliessend ja auch noch die große nicole eisenmann ausstellung im museum brandhorst reinziehen. hab ich zumindest gemacht. ich schreib hierzu gegebenenfalls noch einen extra text, war aber nur so mittel overwhelmed.

nur soviel: hier war die alarmanlage angeschlossen. und als die nach gefühlt mehreren minuten endlich aufhörte zu jaulen hat die aufsicht allen ernstes irgendwo angerufen um durchzugeben, dass es kein anschlag war.

montag bekomme ich übrigens meine neue brille.

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* über die namensnennung erzählte mir anke noch, dass das kuratorInnenteam des lenbachhauses sich ausdrücklich dafür entschieden hatte, charlotte im ausstellungstitel nicht auf ihren vornamen zu reduzieren, so wie es viele buchtitel und in andere ausstellungen praktizieren. das lenbachhaus will diesen verkindlichenden ansatz aber vermeiden und dem entgegen wirken. mit der entscheidung für den vollen namen will man im gegenteil auch noch einmal verdeutlichen, dass es sich hier um eine wirklich große und bedeutende künstlerin handelt. 

da stellt sich dann natürlich auch die frage, ob genau dieses prinzip der verkleinerung von künstlerinnen eigentlich ein thing ist. ich hab mal grob gegoogelt und tatsächlich: pablo picasso wird sogut wie nie ausschliesslich “pablo” genannt, wohingegen frida kahlo oft ausschliesslich “frida”. 

insofern möchte ich mich eigentlich gern dem lenbachhaus anschliessen und charlotte ihren nachnamen lassen. nur liebe ich sie halt so sehr und fühle mich ihr so verbunden, dass ich hier heimlich eine ausnahme machen will.

neue drucke

es gibt 8 neue drucke bei mir im shop!

den meisten wird es wohl eh garnicht auffallen, aber zu den produktfotos dort ist zu sagen, dass noch keine fotos von den fertigen drucken zu sehen sind, nur von den digitalen zeichnungen. das hängt damit zusammen, meine fotos einfach niemals die qualität der originale wieder geben, sodass ich beschlossen hab, es jetzt einfach mal so zu versuchen.

übrigens sind immer noch ein ganz paar rabattierte restblätter im shop ganz unten. die lasse ich mal noch bis ende januar online drin, einfach so, weil ich den gelben rabatt-störer so hübsch finde. ohmeingott, ich bin so ein marketing-profi!