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spiegel.de: geschlechtertrennung. von ulrike knöfel, märz 2013

sehr pointierter artikel über den aktuellen status von künstlerinnen auf dem ungewöhnlich männer-dominierten deutschen kunstmarkt.

Als der Künstler Georg Baselitz im SPIEGEL vor kurzem die Ansicht äußerte, Frauen malten nicht so gut wie Männer, löste das in amerikanischen Kunst-Blogs eine Debatte aus, ebenso im nahen Österreich, auch die Briten zürnten. In Deutschland nahm man das so hin.

cfa-berlin.de: video zu jonathan meese und georg baselitz bei CFA

ab minute 6:10 erzählt baselitz jonathan, dass er jetzt auch gerne hitler und stalin bärtchen malt und auch alles spätere was er erzählt lässt sich nur sehr schwer ertragen.
wer wissen will wie die altherren der kunst-oberliga networking machen dem wird hier sicher einiges klar. ich habs zugegebenermassen nicht bis zum ende ausgehalten.

youtube: arte-sendung „durch die nacht mit“ mit jonathan meese und jessica schwarz

ich mag diese „durch die nacht mit“ sendereihe. manchmal muss man auch aus langeweile abschalten aber das muss wohl so. anders geht es warscheinlich nur mit moderator, der fragen stellt. aber dann würde sich auch niemand mehr so erschütternd freiwillig selbst entlarven.

bei jonathan meese und jessica schwarz fand ich es zum einen erstaunlich, als wie sympathisch sich diese schwarz entpuppt. wenn sie die hände vors gesicht legt und sagt: „jetzt bin ich ganz verzweifelt weil ich überhaupt garnicht helfen kann“ – das ist schon ein echtes highlight.

und jonathan sagt sachen wie „im leben soll man möglichst langweilig sein, aber in der kunst eben nicht“ was, so gern ich ihn mag, schon ein ziemlich unangenehmes klischee ist: der spiessige künstler, wie schwitters, immer in schlips und anzug, aber in der kunst ein wildes tier.
aber was reg ich mich auf, frauen betrifft das ja eh nicht.

was ich mich aber trotzdem frage ist: ob es eigentlich noch als langweiliges leben gilt wenn man von fernsehteams begleitet mit jessica schwarz ins spielkasino geht?

monopol-magazin.de: atelierbesuch bei tjorg douglas beer

ich find es immer spannend, wie andere über ihre arbeiten reden. manche scheinen ihre einwandfreien statements fast aufzusagen, anderen sollte man vielleicht den tipp geben, besser den mund zu halten.
hier kommt nun ein interview mit tjorg beer. der auch mal kommilitone von mir war und sich inzwischen zum künstler-jetset zählt. er wird von einigen bedeutenderen galerien wie der hamburger produzentengalerie vertreten, modelt für sonnenbrillenmode und hat hier dem renommierten kunstmagazin monopol die inhalte seiner arbeit erklärt:

Wenn ich meine Arbeit entwickle oder mir Dinge ausdenk dann beschäftige ich mich grundsätzlich mit Dingen die mich im normalen Leben umgeben. Einflüsse aus Medien oder der Realität um einen.

Meistens denk ich mir dann ne Situation und von dieser Situation ausgehend entstehen dann ganz unterschiedliche Arbeiten. Oft werden die dann in einem gemeinsamen Zusammenhang präsentiert wie eine Installation, aber es gibt unterschiedliche Bestandteile: Skulpturen, Malerei, Collage.

 

gwai.de: der hamburger künstler tilman knop im gespräch

kein jetsetter ist mein hamburger ex-nachbar tilman knop. hier spricht auch er über seine arbeit, in diesem interview und sagt lauter schöne, ehrliche sachen:

Humor ist für mich schon das Wesentliche an meiner Arbeit, vielleicht weil ich selbst gar nicht auf den ersten Blick als humorvoller Mensch gelte. Das ist für mich das Gute an Kunst, das es ein Spielfeld ist für Dinge, die in anderen Bereichen nicht möglich wären.

 

frieze-magazin.de: gegendarstellung zur wirklichkeit

noch mehr ehrliche, kluge sätze von werner büttner, hier im interview anlässlich seiner grossen karlsruher retrospektive. solche texte hätt ich gern als dickes buch, was ich dann auf dem nachttisch aufbewahren würde.

Mit Hilfe der methodischen Intuition bebildere ich mein Lebensgefühl. Viele bebildern nur noch ihr Kunstgefühl. Ein Fehler. Wen soll das interessieren?

ein bischen lustig machen muss ich mich aber auch nochmal:
vor kurzem hat das hamburger kunsthaus den bildband „wo kunst entsteht“ heraus gebracht. mit fotos von hayo heye von hamburger ateliers (in dem übrigens ein blogtext von mir abgedruckt wurde).
nachdem man sich durch die -zig gartenlauben, vollgestellten wohnzimmer mit arbeitsecke und 5 qm-parzellen durchgeblättert hat stolpert man ziemlich am ende über eine opulente, perfekt sanierte, super aufgeräumte halle, eine art atelier-palast mit voller festbeleuchtung und da sitzt einer im anzug zwischen einer popeligen boesner-staffelei und einer noch in folie verpackten leinwand und hält einen pinsel in der hand: büttner. kann ich mich drüber kaputt lachen.

jedenfalls ein schönes buch. einziger meckerpunkt: viele ateliers sehen auf den bildern immer noch grösser aus als sie tatsächlich sind. ich kenne einige der räume und der bildband erweckt ein wenig den eindruck, als ginge es den künstlern in hamburg besser als das tatsächlich der fall ist. so ist es aber sicher nicht gemeint.

herzdamengeschichten.de: besser scheitern 2: blechbetrachtungen

noch mehr schöne sätze.
sie kennen das: leute im bekanntenkreis, die sich nicht für kunst interessieren. maximillian buddenbohm war so einer. bis vor kurzem. bis er die ausstellung „besser scheitern“ in der hamburger kunsthalle besuchte – mit führung. der bericht darüber in seinem blog war schon amüsant zu lesen.
ein paar tage später legte er nach und stellte weitere überlegungen an. über das scheitern ansich, die kunst im allgemeinen und – ausgerechnet – die „schiffsbleche“ vom wenig bekannten horst hellinger, eine arbeit, die bei maximillian in der sankt georger nachbarschaft vor sich hin rostet und die er bis vor kurzem noch „wahnsinnig hässlich“ fand:

Dann sollten die Bleche plötzlich tatsächlich weg, ein Lokalpolitiker betrieb energisch die Entsorgung des Kunstwerks, das sollte der Gastronomie weichen. Auf dem Platz sollten Stühle für die Touristen stehen, keine Bleche zum Gedenken an irgendwas. Kasperkram Kunst! Konstuktiver Kommerz! In Hamburg entscheidet man da immer schon gerne stringent. Aber der Lokalpolitiker hatte die Rechnung ohne die Bewohner des Stadtteils gemacht, die das Kunstwerk seltsamerweise mittlerweile liebgewonnen hatten. Ich übrigens auch, ich blieb mainstream. Das sollte jetzt auf keinen Fall weg, das Blech, das musste sogar unbedingt da bleiben, das musste weiter mahnen und hässlich sein, nach Arbeit aussehen und Hafen, nach Werft und Maloche, nach Handwerk und Alltag. Denn mit der rapide fortschreitenden Verschnöselung des Stadtteils (the process formerly known as gentrification) sah man die Bleche plötzlich ganz anders, man verstand sie jetzt, entweder zum ersten Mal oder anders als vorher.

das schafft wirklich nur der buddenbohm: ein text über kunst der eine handlung hat! ich war nah dran, eine träne wegzudrücken.
ich würde diesen artikel gerne allen kunsthassern und allen „ist das kunst oder kann das weg?“ witzig findern (die nicht selber künstler sind) ans herz legen. schade, dass hier wohl eher selten welche vorbei kommen.

artberlin.de: galerienfürher berlin: klemm’s

fiel mir letztens so in die hände. bestimmt ne okaye galerie aber wie absurd ist das denn bitte? eine galerie-homestory?

smb.museum: Der geteilte Himmel. 
Die Sammlung. 1945 – 1968. Neue Nationalgalerie

als neu-berlinerin klappere ich nun seit ein paar wochen die kunstmuseen ab (für jemanden aus hamburg, wo man das ja an einem wochenende erledigen kann, ein buchstäblicher kulturschock) und kam vor kurzem auch in der neuen nationalgalerie vorbei. dort läuft noch bis zum 8.8. die ausstellung „der geteilte himmel“ mit arbeiten aus der sammlung von ’45 bis ’68. hier steht ein bischen mehr darüber.

als neue neue nationalgalerie besucherin fand ich schon das gebäude ziemlich aufregend. die arbeiten eher so aus kunstgeschichtlicher sicht interessant. bestimmt eine viel besuchte ausstellung von kunst-leistungskursen.
nix desto trotz: ein paar aha-erlebnisse hatte ich. zum beispiel wusste ich noch garnicht dass ich nam june paik so toll finde. oder wolfgang mattheuer. den kannte ich nichtmal. ich hab versucht, das kleine bild, was von ihm gehängt war, zu ergoogeln, leider kackt es auf diesem foto völlig ab. aber trotzdem.
bestimmt 10 minuten stand ich atemlos davor, die aufseherinnen kuckten schon komisch.

hier sind noch ein paar mehr bilder von mattheuer und das ist mal wieder so ein fall wo ich es ernsthaft bereue, nicht reich zu sein. wäre ich dies: ich würde mir ein bild kaufen. sofort!
also falls hier jemand reiches mitliest: kauftipp!

stattdessen hab ich kataloge gekauft. diesen und diesen. auch ganz ok.