29,- euro pro tag

vor ungefähr einem monat erhielt ich einen anruf, ob ich interesse an einer gruppenausstellung im mai hätte — sie seien ein künstlerhaus, das als verein unter anderem auch ausstellungen organisiere.

ich sah mir die webseite an. über die geplante ausstellung fand ich zwar jede menge theoriekram, über das wichtigste jedoch kein wort: die teilnehmerliste. kein wunder: offenbar konnte man sich zu dieser ausstellung noch bewerben. es gab einen einsendeschluss und eine lange liste mit teilnahmebedingungen sowie ein bewerbungsformular zum download.

ich antwortete der kuratorin, dass ich, bevor ich mich zu einer gruppenausstellung entschliessen könne, schon gerne wissen würde, wer da sonst noch so mitmacht. ausserdem sei ich bei durchsicht der teilnahmebedingungen über etwas gestolpert, was noch zu klären sei. es hiess darin nämlich, die transportkosten seien vom künstler selbst zu tragen. ich würde jedoch eigentlich davon ausgehen, dass transport, anreise und ggf. auch eine unterbringung vom veranstalter übernommen werden. dafür würde ich dann meinerseits sowohl den aufbau als auch die kosten für die plexiglasvitrinen, die zum schutz der arbeiten noch angefertigt werden müssten, übernehmen.
offenbar war die kuratorin selbst künstlerin, deshalb ging ich davon aus, dass sie meine einwände nicht allzusehr überraschten.

keine frage: je kleiner das haus umso weniger geld. andererseits investieren kommerziell ausgerichtete institutionen (in den „teilnahmebedingungen“ zu dieser ausstellung steht explizit: „Im Falle einer Veräußerung von Exponaten während der Ausstellung erhebt der Veranstalter Anspruch auf 20% Provision aus dem Verkaufserlös.“) schon etwas mehr als die blosse bereitstellung der räume, einladungen und pressearbeit. was das sein kann ist zwar verhandlungssache — die übernahme von transport, reisekosten und unterbringung sind aber ebenso usus. was je nach absprache vielfach noch obendrauf kommt und was auch ausschlaggebend dafür sein kann, dass künstler auch in weniger angesagten häusern ausstellen, sind z.b. publikationen, die der aussteller herausgibt, die zusage von ankäufen oder die übernahme von produktionskosten.

die antwort der kuratorin kam prompt und erfreut. ausführlich ging sie auf alles ein, zählte die geladenen künstler auf — nur die kostenfrage behandelte sie etwas nachlässiger: „Transporte, Aufbau etc. können wir nur individuell klären …“

ich liess mich nicht beirren und schlug als mögliche sparmassnahme vor, den transport einfach mit der anreise zu kombinieren. sie müsse dann ja nur die kosten für den mietwagen übernehmen: ca. 100 euro plus benzin. der aufbau ginge schnell, den könne ich noch am tag der vernissage erledigen und würde dann am nächsten tag wieder zurück fahren.

ihre antwort dazu lautete: »Und wenn ich eine Möglichkeit hätte, die Arbeiten in Hamburg abholen zu lassen […] würden Sie dann auf das „Dabeisein“ bei der Eröffnung verzichten wollen?« falls nicht, würde sich sicher „irgendeine lösung“ finden.

so hatte ich das noch garnicht gesehen. natürlich ging es mir auch darum, bei der vernissage dabei zu sein. ein grund, weshalb man sowas ja überhaupt macht. aber den aufbau leuten zu überlassen, die ich noch nie zuvor getroffen hatte? nicht dass der sonderlich kompliziert gewesen wäre. aber bei so wenig vorlauf und gewissheit über die teilnehmerliste will man sich doch vorbehalten, die sachen im zweifel auch wieder einpacken zu können, so ärgerlich sowas auch wäre. besonders vertrauensfördernd war die bisherige korrespondenz jedenfalls noch nicht.
ich schrieb also, dass es mir selbstverständlich auch darum ginge, „dabei zu sein“, viel wichtiger sei mir aber der aufbau, den ich doch lieber persönlich machen würde und dass ich für die finanziellen rahmenbedingungen im übrigen so zeitnah wie möglich eine zusage benötigen würde. denn abgesehen von einer arbeit, die sich die kuratorin explizit gewünscht hatte, war eine zweite im gespräch, die ich noch hätte anfertigen müssen. damit, so schrieb ich ihr, könne ich natürlich erst beginnen, sobald meine endgültige teilnahme geklärt sei.

als ich nach 14 tagen die sache schon abgeschrieben hatte, kam es auf einmal schlag auf schlag: sie schrieb, dass sie es gut verstehen könne, dass ich dabei sein wolle „zumal es auch immer ein ziemlich großes event bei uns ist …“.
sie schicke mir im anhang nun „ein bisschen Papierkram, der leider sein muß“, einen vertrag, in dem die 2 „abgemachten“ arbeiten schon drinstünden. es wäre nett, wenn ich die ausgefüllten Blätter bald zurücksenden könnte.
zur transportfrage schrieb sie: „gibt es nicht Mietwagen die günstiger sind, also hier sehe ich häufiger Autos mit der Aufschrift 29,- Euro pro Tag herumfahren …?“

statt einer klaren äusserung zum thema finanzen nun also erstmal ein vertrag. als exceldatei. die zwei plastiken, von denen es eine ja noch nicht gab, bereits eingetragen. und dass ich mich mit meiner unterschrift zur lieferung der aufgeführten arbeiten verpflichten würde. unter „Eventuell gewährte Projekt- oder Transportzuschüsse“ stand gross „KEINE“ und unter „Anlieferung“ stand „durch Abholung“.

auf die gefahr hin, mich zu wiederholen schrieb ich abermals, dass ich ohne eine zusage einer kostenübernahme für transport und anreise weder teilnehmen noch verträge unterschrieben würde. des weiteren sei mittlerweile auch leider keine feste zusage beider arbeiten mehr möglich, da die zeit bis zur eröffnung recht knapp geworden sei und ich die fertigstellung einer neuen arbeit möglicherweise nicht mehr schaffen könne.
obgleich ich inzwischen kommen sah, worauf es alles hinauslaufen würde, listete ich angesichts der bemerkung über wiesbadener mietwagen für 29 euro, nochmals eine kalkulation der transportkosten auf.

und doch: es gab noch in eine weitere runde. immerhin wurde die kuratorin jetzt deutlicher und schrieb, dass sie mir bei 32 teilnehmenden künstlern nur anbieten könne, die arbeiten abzuholen:
„Wir haben einen Transport der von Copenhagen über Berlin und Köln und Frankfurt […] Kunst zusammensammelt. Da könnte Hamburg mit einem Umweg und Zeitaufwand, der uns natürlich auch kostet, mit eingebaut werden.“ alles weitere sei nicht machbar. wenn ich mich aber trotzdem entschliessen könne, mitzumachen, hätte meine arbeit übrigens eine chance in einem fernsehbeitrag zur ausstellung zu erscheinen.

kurz und gut: ich sagte ab. so ungern ich auch auf eine zehntelsekunde fernsehzeit verzichte.