solange die auflage reicht!

wie einige vielleicht gelesen haben hab ich mich die letzten wochen halb tot radiert um die drucke noch halbwegs zur geschenkekauf-saison fertig zu kriegen und jetzt ist es endlich soweit!
hier präsentiere ich jetzt meine jahresendzeit-edition 2018*.

es sind 7 von mir handgedruckte und handsignierte aquatinta-radierungen auf schwerem büttenpapier in zwei verschiedenen formaten:
„grün 1“ und „grün 2“ in 20×30 cm (papiergröße 53×38 cm) für 120,-
die übrigen in 15x 20cm (papiergröße 38×26,5 cm) für 80,- .

die auflage ist jeweils limitiert auf 50 stück und die preise gelten nur bis zum 31.12. (danach werden die wieder unbezahlbar).

wer mehr als einen druck kaufen möchte bekommt noch mehr rabatt!
die gesamte edition bekommt ihr für 500,- einfach mal nachfragen.

zum bestellen hier entlang.

zum versand:

ich verschicke die drucke als versichertes paket für 8,-.
außerdem können die drucke auch bei mir im berliner atelier direkt abgeholt werden.
geliefert wird bis spätestens 23.12.

* ob es 2019 auch eine gibt glaub ich eher nicht

wie ich radiere

mit dem radieren ist es bei mir wohl so ähnlich wie man es von geburten sagt: die schmerzen sind so schlimm, dass man sich schwört, es nie wieder zu tun – und anschliessend vergisst man sie.

so habe ich mich vor ein paar jahren schon einmal etwas intensiver mit radierung beschäftigt. wer hier hin und wieder mitliest erinnert sich vielleicht. hier hatte ich damals etwas darüber notiert, so sah mein atelier aus und so und so die drucke. 2012 war das.

staubkasten am bullerdeich

ein jahr später bezog ich dann in berlin-moabit mein neues atelier und freute mich über einen eigenen wasseranschluss: zum ätzen ist sowas natürlich nicht ganz doof.
vorher, am bullerdeich, musste ich meine tropfenden druckplatten noch durch das nachbar-atelier tragen, ins treppenhaus, dann eine etage höher – um zu einem waschbecken zu kommen.
und nun hatte ich eines direkt im atelier, was für ein unbeschreiblicher luxus!

seitdem stand der ganze krempel dann im weg. staubkasten, druckerpresse, ätzwannen, heizplatte, ofen. immer mal wieder dachte ich darüber nach, ob ich nicht wenigstens den staubkasten mal zum recyclinghof bringen sollte.
bis vor 14 tagen.

statt das zeug zu entsorgen kann ich es ja auch aufbrauchen, dachte ich. ausserdem hatte ich dieses jahr wenig verkauft und weihnachten naht. leute kaufen geschenke und auflagenkunst ist bezahlbar.

ich bestellte also bei nem dachrinnen-händler ein paar kupferbleche und beschloss: in einer woche hab ich das fertig. es geht schliesslich ganz einfach. und zwar so:

plattenränder abschrägen, rundungen feilen, platten mit schleifpapier schleifen, dann stahlwolle, dann entfetten, erst mit kreide und spiritus, dann aceton.
rückseiten anrauen und entfetten, rückseiten mit autolack lackieren, trocknen lassen.
heizplatte für den ätzgrund anschmeissen, druckplatte drauf, ätzgrund auftupfen, ausrollen – scheisse, staub! – ätzgrund mit petroleum wieder runter, nochmal entfetten, wieder auf die heizplatte, betupfen, ausrollen. scheisse, zu dick! nochmal runter, wieder rauf… usw.

nach dem ausrollen rolle und platte putzen, dann ränder der druckplatte nochmal extra abdecken (sonst später angefressen), dann skizze auftragen mit edding. radiernadel schleifen, dann radieren.

das ätzbad vorzubereiten ist auch ganz simpel wenn man mal kapiert hat wie das geht. früher hab ich das mit eisen-III-clorid kugeln gemacht, inzwischen wird das zeug in flüssig verkauft. man muss es aber trotzdem verdünnen. früher hab ich noch kochsalzlösung hinzu gekippt, diesmal ohne.
wichtig ist die temperatur. bei der raumtemperatur im atelier (gleiche wie draußen) würde das ätzen ewig dauern. also habe ich mir eine aquarienheizung im internet bestellt und halte die säure im wasserbad auf konstanten 25°.

bevor man anfangen kann die eigentliche radierung zu ätzen muss man nur noch eine testätzung machen weil man sonst die ätzzeiten nicht kennt. dafür beschichtet man eine platte wie oben beschrieben und radiert zum beispiel eine kreuzschraffur. dann los: wecker an, 5 minuten ätzen. abspülen, trocken föhnen, einen streifen mit asphaltlack abdecken, den wieder trocknen, wieder 5 minuten ätzen. wieder föhnen, einen weiteren streifen abdecken, 5 minuten ätzen.
insgesamt ätze ich so eine platte bis zu 40 minuten, also 8 durchgänge.

danach wird der abdecklack mit petroleum entfernt. wenn edding dabei war zusätzlich mit aceton. ich habe insgesamt ungefär alle lösungsmitteln in benutzung die man im baumarkt kriegen kann: petroleum, spiritus, aceton, waschbenzin, terpentinersatz und nitroverdünner.

wenn die testätzung fertig ist sollte man die schlauerweise aber auch drucken um die tiefe und druckwirkung einer linie beurteilen zu können. im negativ der druckplatte kann man das nur schwer.

drucken geht so:
druckbögen für probedrucke in kleinere formate reissen, in laborschale mit wasser einweichen, abtropfen lassen, müllsack aufschneiden, eingewickeln. dies soll normalerweise einen tag vor dem druck gemacht werden, bei mir reicht eine stunde.
fertige druckplatte mit druckfarbe einreiben (ich nehm dafür einen sogenannten ledertampon) und mit wischgaze und zeitungspapier die farbe wieder so abgetragen, dass sie nur noch in den vertiefungen ist.

da in meinem haushalt niemand mehr zeitungen auf papier liest habe ich ein probeabo eingerichtet, was gut funktioniert hat: jeden morgen lag eine zeitung bei uns auf der fussmatte, bereit, verdruckt zu werden.

dann wird die druckerpresse eingestellt und die fertig eingefärbte platte kommt drauf. das papier tupfe ich mit küchentüchern "handtuchtrocken" und lege es auf die druckplatte. löschpapier drüber, filze – und drucken!

jetzt habe ich also eine gedruckte testätzung kann mir die ätzzeiten je nach gewünschter strichstärke aussuchen.
auf dieselbe weise gehe ich dann später auch bei der strichätzung vor.

die eigentliche drecksarbeit kommt aber erst noch. und zwar mache ich zusätzlich zur strichätzung auch noch eine aquatinta.
aquatinta ist eine technik, die ich anfangs garnicht machen wollte. als ich erstmals darüber las dachte ich: "viel zu viel aufwand!" dann sah ich aber die aquatintas von klinger und goya und dachte: "kann ich ja mal probieren."

anders als bei strichätzungen geht es bei aquatinta um flächen. man ätzt durch eine staubbeschichtung und es entsteht eine art raster mit kleineren oder größeren vertiefungen, je nach ätzzeit.

ich überredete also meinen mann, mir einen staubkasten zu bauen, bestellte 3 kilo asphaltstaub und los gings.

weil die aquatinta-technik andere, kürzere ätzzeiten hat, brauche ich dafür auch erstmal eine testätzung. das mach ich so:
erstmal wieder platte entfetten. staubmaske auf und mittels airbush-kompressor luft von unten in den staubkasten blasen. ein paar minuten warten, damit sich die gröbsten teilchen abgelegt haben, klappe auf und platte rein.
beim öffnen der klappe entweicht leider jedesmal eine ziemliche wolke asphaltstaub und so verbringe ich den rest des tages im atelier mit staubmaske.

nach ca. 8 minuten ist die platte gut eingestaubt und ich schiebe sie vorsichtig in meinen kleinen tischgrill von ebay kleinanzeigen, wo sie bei ca. 190° ca. 5 minuten erhitzt wird.

weil ich in büchern und im netz sogut wie keine angaben zum erhitzen von asphalt fand muss ich mir das quasi alles selbst ausdenken.
offenbar arbeiten die meisten radierer mit kolophonium, das leichter schmilzt. sie benutzen auch keinen sandwich-grill sondern fackeln, campingkocher, bügeleisen oder irgendeine andere wärmequelle von unten.
da ich mich aber nun für asphalt entschieden hatte weil ich irgendwo gelesen hatte, dass der feiner sei und die körner beim erhitzen nicht so schnell zusammen fliessen, taten es campingkocher und bügeleisen nicht und ich entdeckte den tischgrill. zuverlässig krebserregend sind kolophonium und asphaltstaub übrigens beide.

schlau wäre es auch, wenn man sich sowas wie temperaturen und "garzeiten" mal aufschreiben würde oder zumindest zu wissen, wo man die zettel hingelegt hat. wenn man das nicht tut muss man es wohl oder übel jedesmal neu rausfinden. bei der ersten platte hab ich deswegen dieses mal das ganze prozedere 5 mal hintereinander durchgespielt. einmal hatte sich der staub im kasten ungleichmässig abgelegt, einmal bin ich beim einschieben in den ofen gegen die staubschicht gekommen und die anderen drei mal war die temperatur beim einbrennen nicht hoch genug.

wenn aber alles glatt läuft kann die beschichtung nun geätzt werden.
bei der testätzung beginne ich mit 5 sekunden. also: stoppuhr an, gummihandschuhe an, reinhalten ins ätzbad, raus, spülen und trocknen. fläche abdecken, trocknen, wieder ätzen undsoweiter.
auf diese weise ätze ich eine aquatinta später bis zu 8 mal.

abdecken erster flächen für aquatinta

und dann natürlich wieder drucken und irgendwann ist die radierung dann fertig. so einfach ist das.

ok, ich muss zugeben, ich hinke planungstechnisch etwas hinterher. aber meine leser kaufen ihre weihnachtsgeschenke ja wahrscheinlich eh erst mitte dezember.
wenn alles gutgeht und mir nicht wieder unterwegs zwischen staubkasten und grill ein paar staubfusseln in der luft den asphaltstaub verschieben, melde ich mich hier ende der woche mit einem echten sonderangebot!

UPDATE: hier kommen die fertigen radierungen

erste aquatintas

atelier im august

vorübergehender überblick

ich musste nur noch schleifpapier, eine metallfeile, stahlwolle, schlämmkreide, spiritus, ätzgrund, abdecklack, eine gummiwalze, eine herdplatte, einen metalltisch, radiernadeln, einen ölstein, schleiföl, einen fadenzähler, ein paar kilo eisen III chlorid, zwei ätzwannen, einen kanister, ein thermometer, ein aräometer, druckpapier trocknungspappe und 2 druckfilze besorgen – und schon kann es losgehen.
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