am ZOB

felix und ich sitzen träge am hamburger ZOB auf einer bank. die sonne knallt, wir sind viel zu früh und verpicknicken schonmal unseren reiseproviant.
alle paar minuten kommen flaschensammler vorbei und durchwühlen die mülltonne direkt neben mir. erst erschrecke ich mich immer aber nach dem zweiten oder dritten sammler hab ich mich daran gewöhnt.

vor uns am strassenrand schiebt sich noch jemand ins bild, der mit müll zutun hat: ein mann in grauer arbeitskleidung, wahrscheinlich so eine art hausmeister vom ZOB-betrieb, mit einem wagen mit besen, schaufeln und mülltüten. müsliriegel kauend beobachten wir ihn bei der arbeit.

während der hausmeister jetzt mit einer zange müll vom kantstein aufsammelt und in eine tüte am wagen wirft kommt von links wieder ein flaschensammler. diesmal ein auffallend zerlumpt aussehender, sehr junger, der trotz der hitze eine dicke jacke trägt. zielstrebig steuert er auf die mülltonne neben unserer bank zu und fängt an sie zu durchwühlen.

jetzt setzt sich auch der hausmeister in bewegung und steuert in unsere richtung, auf den jungen mann zu. als er neben ihm steht streckt er wortlos seine hand aus und gibt ihm eine flasche.
der junge mann nimmt die flasche, ebenfalls wortlos, und zieht weiter.

Beisetzungsrede für Claus Böhmler

von Peter Lynen
am 17.03 2017, Hamburg-Ohlsdorf, Kapelle 2

20 Jahre nach Martin Kippenberger, 19 Jahre nach Dieter Roth und 11 Jahre nach Tomas Schmit ist der grosse WORT-BILD-Künstler Claus Böhmler gestorben.
Da Claus mit ähnlicher Hingabe, wie er seine eigene Kunst betrieb, mit seinen Studenten zusammenarbeitete, bat mich Elke, hier ein paar Worte zu sagen.
Für diejenigen, die mich nicht kennen: ich heisse Peter Lynen und war von 1992 bis 2002 Student bei Claus Böhmler.
Es fällt mir schwer für einen so frohgesinnten Menschen eine Trauerrede zu halten.

WORT-BILD-Künstler – das hätte er wahrscheinlich so nicht unterschrieben, da wir beim Zählen an einem stillen Nachmittag doch auf die 70 (in Worten siebzig) Sinne, die uns als Menschen zur Verfügung stehen, gekommen sind.
In Anbetracht dessen wäre ihm die Beschränkung auf einen eh nicht sonderlich geliebten Dualismus zu wenig gewesen.

Als ich im Jahr 92 das erste mal die Klasse von Claus Böhmler betrat, erblickte ich einen laborartigen Raum voller Kabel, Oszillographen und Lötstationen – überall standen Gefäße mit komischen Flüssigkeiten. Zwischen den halbverdauten Fernsehern lagen hier und da einzelne Elektrobauteile rum, hinten an der Wand stapelten sich etliche Staubsauger aus verschiedenen Generationen. Ein Geruch von Schwefel lag in der Luft.
Man hatte das dumpfe Gefühl, hier wolle jemand das Fernsehen mit einem Staubsauger kreuzen.
Das Ganze getreu nach dem Paik’schen Motto:
WHEN TOO PERFECT LIEBER GOTT BÖSE.

Inmitten dieses kreativen Chaos’ stand Claus Böhmler, vollbärtig mit langem zum Dutt gebundenem Haar, irgendwie zwischen Sufi Derwisch und othodoxem Metropoliten.
Er stand an einem über und über bezeichneten Tisch und erklärte die Unterschiede in den Soziolekten der Blaumeise anhand von fachkundig selbstproduzierten Vogelgezwitscher.
Während die anderen an ihren obskuren Maschinen bastelten, unterhielt er sich mit sich selbst in verschiedenen Meisendialekten, bei denen er manche auch nicht so gut verstand.

In den Pausen rauchte er seltsame russische Zigaretten, die sich erst beim zweiten Blick als die legendäre Doppelfilter Zigarette herausstellten. Diese hat viele Vorteile 1. gesünder – 2. sparsamer.
Im höheren Alter wurde dann daraus die dreifach Filterzigarette: 1. noch gesünder – 2. noch sparsamer.

Der doch recht ungestüme Umgang in der Klasse mit der Prima Materia hatte auch einige Folgen:
Erst kam es durch eine Schwefelverpuffung zu einem Brand in der Gipswerkstatt, was Claus mit den Worten in Bezug auf die völlig verqualmte benachbarte Leichtbauflieger-Klasse von Günther Rochelt kommentierte mit: DA RÖCHELT DER ROCHELT.
Dann wurde die Klasse für eine Zeit lang aus versicherungstechnischen Gründen ganz geschlossen.
Also wurde der Unterricht ins nahe gelegene türkische Restaurant Baris verlegt, wo es am Nachmittag einen heissen süssen Tee und am Abend ein schönes kühles Bier gab.

Im Unterschied zu anderen Arbeitsbesprechungen, wo man seine fertigen Arbeiten zeigte, um sie einzuordnen oder ihr Potenzial zu erkennen, ging es bei Claus immer um das direkte Produzieren, um das JETZT. In Anlehnung an die stets geschätzte Improvisation von Jazzmusikern glichen seine Arbeitsbesprechungen eher Jamsessions.

Zu diesem JETZT hat er auch viele lyrisch, klug, fröhliche Bildtitel gemacht, wie z.B. ATMEN JETZT! oder INSTANT ABER SOFORT! oder auch EN VOGUE IST WIEDER IN!

Das Material der Jamsessions bestand eigentlich aus so gut wie allem: aus mitgebrachten Werken, Tonbandaufnahmen, Hintergrundlektüren, existierenden und neu erfundenen Musikinstrumenten, Fundstücken aller Art, Videofilmen und fremden Kunstproduktionen und immer wieder Fellini, Walt Disney und sein alter Herr Joseph Beuys.
Aufgezeichnet wurde mit Foto, Video und Diktiergerät, aber vor allem mit den sogenannten Gesprächszeichnungen.

Er nannte zeichnen DAS TÄTIGE DENKEN. Die Zeichnungen hatten trotz ihres analytischen Anspruchs und der Geschwindigkeit, mit denen sie hergestellt wurden, immer etwas Liebevolles, Knuffiges.
Die Welt, die sie zeigen, ist eine fröhlich beschwingte – sofort fotokopiert als sprechende Zeichnung – DU MIT NACHHAUSE NEHMEN.

Wenn ich montags um 16.30 Uhr die Tür von K43 öffnete, war stets ungewiss, welche Szenerie sich dahinter verbarg, da alles aus der spontanen Interaktion entstand.
Allen voran Claus Böhmler, der in Hochform mit seinen Haken, Neuschöpfungen und Wortverdrehungen zum Lokführer einer Theorieachterbahn mutierte.
In beiden Händen mit Nagelschachteln als Samba Rasseln bewaffnet beschleunigte er den Beat der Worte und Gedanken, mit denen wir durch die Unwegsamkeiten der Populärkultur und Geistesgeschichte rasten.
Lechts und Rinks mäanderten die Assoziationsketten durch den Raum und gaben uns die tiefe Erkenntnis, dass alles mit allem zusammenhängt. Die Frage ist nur wie.

Eines von Claus Böhmlers vielen unerwarteten Talenten war die Schauspielkunst, allen voran die Parodie: Einmal parodierte er einen hochverehrten Professorenkollegen.
Dazu nahm Claus seine Brille von der Nase und hielt sie solange über eine rußende Kerze, bis sie ganz schwarz war. Dann zog er sie wieder an, schaute mit schwarzer Brille in die Runde und sagte:
STANLEY BROUWN.
Dazu muss man wissen, daß Stanley stets eine Sonnenbrille trug, auch im Winter, auch in der Nacht.

Den Rest des Nachmittags war er Stanley Brouwn – was zu einigen Sichtproblemen führte, insbesondere, da sich einige jüngere Studenten für die Klasse vorstellen wollten.
Um sich vorzustellen, mussten sie nun ihre Arbeiten solange mit Worten beschreiben, bis sich der „blinde“ Claus via Gesprächszeichnung ein Bild davon gemacht hatte.
Sie konnten auf den Zeichnungen sehen, welches übersetzte Bild aus ihren Erzählungen entstand.
Der geblendete Kunstprofessor war, glaube ich, ein bleibendes Erlebnis für die Beiden.

So hatten Claus’ auf den ersten Blick lustige Aktionen immer auch einen sehr tiefen Kern, was er in dem KREUZ WORT BILD LUST–TIGER VERS–SAGER bzw. LUSTIGER VERSAGER mal verdichtete; oder
KOMMT EIN ZYKLOP ZUM AUGENARZT.

An animation a day keeps the doctor away

Eine meiner Lieblings-live-Wiederbelebungen war:
eine junge Studentin hatte kleine, ganz zarte weiße FIMO-Skulpturen gemacht. Sie war ganz unzufrieden und wollte sie zerstören und wegschmeissen.
Claus sagte: nein warte, vielleicht können wir noch was Brauchbares daraus machen. Sie sagte: also gut….
Nach kurzem Zögern schlug er mit der Faust die Skulpturen platt und knetete sie zu einem länglichen Rechteck. Alle waren ob der Vehemenz und der Geschwindigkeit völlig überrascht und sahen ihn mit offenem Mund an.
Er nahm das weisse Rechteck und steckte es sich in seinen damals recht zahnlosen Mund.
Mit seinem neuen FIMO-Gebiss lächelte er und sagte: jetzt machen wir ein Foto für deine Eltern zu Weihnachten.
Diese Geschichte erzähle ich eigentlich immer bei der Frage, was kann ein Kunstprofessor seinen Schülern beibringen.

Gegen Mitte/Ende der 90er Jahre veränderte sich Claus’ Themen Schwerpunkt – weg vom Technischen hin zum Religiösen. Er beschäftigte sich viel mit den schon erwähnten Sufis.
Im Studium der Weltreligionen wurde die ostasiatische Philosophie der vollkommenen Gegenwart wichtiger.
Zitat: IM AUGENBLICK ERWACHT DAS SELBST was ja auch seinen Vorstellungen vom Spontanen und dem JETZT entsprach. In der Klasse waren jetzt viele Südkoreaner und Japaner.

Einer von ihnen, Dongjo, erklärte uns, wo der Staub im Raum oder wo der Fisch im Wasser ist:
nämlich erstens da, wo er liegen bleiben kann und zweitens da, wo es was zu fressen gibt.
Danach lud er Claus und mich zum Essen ein und zeigte uns, wie JETZIG ein JETZT sein kann.

Wir gingen also zur Alster. Dort packte Dongjo aus seiner Aktentasche die praktische Klappangel aus und hielt sie ins Wasser. Nach etwa einer Viertelstunde biss der erste Fisch an. Dongjo zog ihn raus und holte aus seiner Tasche eine Tupperware mit roter scharfer Soße und ein sehr langes noch schärferes Messer heraus.
Er schnitt dem noch lebenden Fisch ganz feine rosafarbene fast durchsichtige Scheibchen heraus rollte sie gekonnt zusammen und gab sie uns in die Hand, damit wir sie in die Soße tunkten und aßen. Damit wir etwas Vertrauen bekamen, machte er es uns vor.
Das Erstaunliche war, daß der Fisch weder zappelte noch blutete, er lag wie betäubt atmend im Gras und wartete geduldig, bis Dongjo ihm die nächste Scheibe herausschnitt.

Diese Gleichzeitigkeit von Leben und Tod, von Geselligkeit und Schicksal; der noch lebenswarme Fisch in der Mundhöhle machte aus diesem Augenblick einen magischen Moment an der doch so vertrauten Alster.

Einige Fische später trennten wir uns und gingen hinaus in die Nacht. Am nächsten Tag

Da dies eine Rede für Claus Böhmler ist hat sie kein Ende.
Danke.

wo ich mitmach

DING UND WESEN – INTERAKTIONEN AN DER TIERMASCHINE

Installation, Malerei, Objekt, Video, Zeichnung
Kuratiert von Katja Windau

Saskia Bannasch | Judith Egger | Katia Kelm | Franca Laufer |
Ulrike Paul | Ina Sangenstedt | Marie Lynn Speckert | Katja Windau

Eröffnung am 19. Mai 2017 um 19 Uhr
Die Ausstellung läuft bis 28.05.

Galerie Bridget Stern
Künstlerhaus FAKTOR
Max-Brauer-Allee 229
22769 Hamburg
www.bridget-stern.com

gross machen

ich habs glaubich schon öfter erwähnt. in den frühen neunziger jahren war an der hamburger hochschule für bildende künste der beliebteste ratschlag aller profs, egal mit wem man sprach: „machs mal in gross“.
„mach mal mehr davon“ war der zweitbeliebteste, und mehr zu machen ist ja auch eine vergrösserung.
wenn man dann noch die tatsache hinzuzieht, dass etwa 90% dieser ratgeber männer waren, gibt das vielleicht zu denken.

diese eher schlichten ratschläge unserer damaligen profs sind bis heute running gag unter den ehemaligen kommilitonen. ich schwankte damals zwischen viel verachtung und wenig respekt aber irgendwann pendelte es sich doch ein und ich probierte es doch mal aus mit dem „gross“ oder „mehr“.

der kritikpunkt an dieser expansions-methode ist ja, dass es sich hierbei ausschliesslich um einen effekt handelt. man nimmt irgendein unbedeutendes bild und bläst es einfach nur riesengross auf – und alle so: toll!
stattdessen könnte man ja vielleicht auch mal sagen: „mach mal in klein“ um dann zu gucken was übrig bleibt. falls nichts übrig bleibt ist es vielleicht ja einfach schrott?

leider funktioniert so aber dieser markt. die kunstmessen sind voll mit aufgeblähtem scheiss. insofern bezogen sich die ratschläge der profs, mal „in gross zu machen“, also klar auf die bedürfnisse des marktes. was ja ok ist, nur: mehr wurde an der hochschule damals über markt-mechanismen nicht geredet.
und wenn in den arbeitsbesprechungen etwas, die kommerzialisierung betreffendes reinfloss, dann ohne dass es als derartiges gekennzeichnet wurde. es wurde also nicht gesagt „katia, mach grosse sachen, weil die galeristen keine kleinen sachen wollen, grosse bringen mehr“ sondern es wurde gesagt: „wenn du die arbeit verbessern willst machs grösser“.
groß war für diese männer gleichbedeutend mit gut.

viele profs übertrugen diese phallische denkweise aber auch noch auf andere aspekte ihrer tätigkeit, zum beispiel indem sie nur männliche studenten für preise und ausstellungen vorschlugen. wochenlang wurde in meiner klasse über die ausstellungsprojekte der männlichen kommilitonen geredet und wir frauen sassen da und hofften, dass wir auch irgendwann mal dran kämen.

andere profs benutzten in arbeitsbesprechungen ua. den begriff „frauenkunst“. anders als dieser lexikoneintrag den begriff definiert, wurde er zu meiner studienzeit viel schwammiger und klar negativ gewertet. frauenkunst galt als etwas, was sich den eher privateren, „weicheren“ und daher vorgeblich unwichtigeren themen widmete mit organischen, also auch eher weichen materialien wie latex, wachs, ton, stoff, haar, knochen oder ähnlichem.
zu den künstlerinen, die derart kategorisiert wurden, zählten bezeichnenderweise aber wieder ALLE damals angesagten frauen: kiki smith, louise bourgeois, eva hesse, cindy sherman, marina abramovic…
nagut, hanne daboven vielleicht gerade nicht.

ausgerechnet marina abramovic war aber zu dieser zeit eine der wenigen professorinnen an der hochschule. und sie war als künstlerin international viel erfolgreicher als ihre männlichen kollegen. ebenso kiki smith, die eine kurze gastprofessur hatte.
und ich war dabei als besagter „frauenkunst“-professor einmal komplett ausflippte und der smith über die ganze etage hinterher brüllte: „you are NOT an artist, you are… a moralist!“

alles in allem war es an der hochschule damals nicht einfach, frau zu sein. wir fanden frauen wie kiki smith grossartig, wollten aber auf keinen fall gefahr laufen, auch „frauenkunst“ zu produzieren.

es gab aber auch profs, die uns mit ihren tipps wirklich versuchten auf etwas vorzubereiten. die ihren studentinnen mit ihrem einstimmigen „mach mal in gross“ quasi eine art penissimulation beibrachten. es gab regelrecht veranstaltungen wo der prof mit seiner klasse saufen, feiern, und großkotzig rumlabern trainierte. (hinterher nahm er eine studentin mit ins bett.)
und es gab auch immer wieder frauen, die später auf diese weise (saufen, feiern, grosskotzig sein) noch ganz erfolgreich wurden.

mir fiel es auch nicht schwer. ich konnte auch so einige kollegen unter die tische saufen und ich war auch ganz gut in grossen gesten oder zumindest in grell und in laut. ich musste mir das garnicht vornehmen, im herzen bin ich proll. und mein selbstbewusstsein, zumindest im bezug auf meine arbeit, war auch immer ganz stabil.

nach abschluss des studiums, auf dem freien markt, funktionierte es aber plötzlich nicht mehr so gut. langsam fand ich es anstrengend, immer unter beschluss zu sein, immer bereit zu sein zurück zu schiessen. permanente gegenseitige provokation und gegenseitiges belügen.

einmal machte mich sogar ein männlicher kollege darauf aufmerksam, dass ich als frau zu unbescheiden sei. ich solle mich mal lieber wieder etwas kleiner machen.

im frühjahr 2001 nahm ich an der ausstellung „ziviler ungehorsam“ teil, eine andere frau und ich als einzige neben 41 männern. in der frankfurter rundschau schrieb dazu der autor frank keil:

Weniger geeignet für diese Art des unerschrockenen Abarbeitens am Elend der Welt, ist offensichtlich die Arbeit von Künstlerinnen. Nur zwei haben es überhaupt in die Ausstellung geschafft: Von Martha Rosler sind ihre Collagen zu Zeiten des Vietnam-Kriegs zu sehen, Kampfszenen gemixt mit Einrichtungstipps für das amerikanische housewife. Die junge Hamburger Künstlerin Katia Kelm hat dazu nicht unpassend einen Bettvorleger aus Eisbär und Hausfrau geknetet; nebenan schweben fünf Geier am Laufband über einem wogenden, goldgelben Kornfeld; jedes Büschel, jede Feder echte Handarbeit. Viel, viel Mühe steckt da drinne; und hübsch anzusehen ist es auch.

auf der einen seite also die männlichen kollegen mit ihrem „zivilen ungehorsam“ – auf der andere eine frau, die sich „viel, viel mühe“ gibt.
ich frage mich aber auch, ob begriffe wie „handarbeit“, „mühe“ und „hübsch anzusehen“, auch in den beschreibungstexten von arbeiten von männern stehen.

heute habe ich die großen gesten, die ich in den ersten jahren nach der hochschule noch praktiziert hatte, weitgehend abgelegt. sie sind mir inzwischen eher peinlich.
ich hatte aber ja auch keine ahnung und musste mir das, was wir an der hochschule nicht gelernt hatten (also sogut wie alles) erstmal selbst beibringen.

was die grossen gesten betrifft hab ich inzwischen sowas wie verhältnismässigkeit gelernt. ich bau schon lange keine skulpturen mehr, die nicht durch die tür gehen oder durchs treppenhaus. ich realisier keine projekte mehr, die die mietzahlung für meine wohnung und das atelier gefährden und die grösse meiner bilder orientiert sich an der grösse des ateliers.
das mag uncool klingen, spiessig, „mädchenhaft“, aber mir ist das überleben inzwischen wichtiger als „auf gross“ zu machen.

nur mühe geb ich mir immer noch.

wiederholungen

„es wiederholt sich alles…“ sage ich zu meinem mann am abendbrottisch.
„genau. wir werden ohne zähne geboren und sterben ohne. ausserdem haarverlust und auf allen vieren laufen.“

was ich meinte war natürlich meine arbeit.
normalerweise finde ich beim kunstmachen wiederholungen ja immer eher doof so wie ich es nie kapiert habe, wieso wiederholungen unter künstlerInnen so beliebt sind, aber das ist eine andere geschichte (die ich auch schon hundert mal erzählt hab).
diese art von wiederholungen meine ich aber nicht. ich meine ich die unbeabsichtigten, die grossen kreise. und dann das deja-vue-hafte „huch, das kenn ich!“ – für mich ist sowas meistens ein gutes zeichen.
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auftragsarbeiten

weil ich oft gefragt werde, ob ich auch aufträge annehme, möchte ich das hier mal generell bewerben: ja, ich nehme auch aufträge an.

ich finde es zwischendurch sehr erholsam, nach anderer leute vorlagen zu malen und mir nicht pausenlos vor den eigenen machwerken die haare raufen zu müssen.

hier mal ein paar auftragsarbeiten der letzten jahre.