ausstellungstipp

wo ich erfreulicherweise mitmach:

© 2011 Die Weissenhofer · Foto: Klaus Mellenthin
© 2011 Die Weissenhofer · Foto: Klaus Mellenthin

De Lirio – Raritätenladen Vol. I

Konzept: Caro Suerkemper

Am Freitag, den 22. Juli 2016 um 18 Uhr öffnet der
De Lirio – Raritätenladen in den Räumen der Galerie BRAUBACHfive für Sie seine Pforten.

Der De Lirio – Raritätenladen fußt im ›Kuriosen‹ (von lateinisch curiositas – ›Neugier‹). Wir zeigen Erlesenes, Seltsames, Wunderliches und Skurriles aus der Produktion von über 80 Künstlern – berühmte und weniger bekannte.

Sie finden in unseren Regalen Objekte merkwürdigster Art, Erstaunliches aus Kollaborationen und Ausflüge der Künstler in die Welt des Designs oder des Angewandten, aber auch obskure Ergebnisse künstlerischer Entgleisungen.

Die uns allen heute immer noch innewohnende Sehnsucht nach dem Andersartigen, aber auch nach dem ›Fremden in uns‹, möchten wir im De Lirio – Raritätenladen erfüllen.

Kommen Sie, seien Sie neugierig und werden Sie fündig! Bei uns soll jedes Bedürfnis seinen Fetisch finden.

ERÖFFNUNG

22. Juli 2016 · 18–21 Uhr

Galerie BRAUBACHfive
Braubachstr. 5
D-60311 Frankfurt

FINISSAGE

3. September 2016 · 18–21 Uhr

AUSSTELLUNG

23. Juli – 4. September 2016
Dienstag – Samstag · 11–13 / 14–18 Uhr

KÜNSTLER

Angelika Arendt, Laura Baginski, Heike Kati Barath, Paul Barnett, Matthias Beckmann, Peter Böhnisch, Caro Bittermann, Conni Brintzinger, Maria Bubenik, Peter Duka, Thomas Dzieran, Tim Ernst, Tom Früchtl, Crislogo Furtado, Pierre Granoux, Sabine Groß, Sebastian Gögel, Florian Haas, Bernhard Härtter, Margarete Hahner, Heike Hamann, Gabi Hamm, Paule Hammer, Stef Heidhues, Vanessa Henn, Irène Hug, Nico Ihlein, John Isaacs, Susanne Jung, Michael Kalmbach, Stefan Kaminski, Isabel Kerkermeier, Katia Kelm, Heike Kelter, Julia Kissina, Karen Koltermann, Svenja Kreh, Michael Lauterbach, Dirk Lebahn, Marko Lehanka, Nikolaus List, Catherine Lorent, Isa Melsheimer, Stephan Melzl, Iris Musolf, Dorothea Nold, Julia Oschatz, Nicole van den Plas, Katrin Plavcak, Livia Polidoro, Thomas Ravens, Gunter Reski, Stefan Rinck, Agnes Rosse, Fred Rubin, Christoph Ruckhäberle, Manfred Schneider, Veronika Schumacher, Michael Schultze, Ulrika Segerberg, Heidi Sill, Martin Städeli, Ernst Stark, Tine Steen, Marc Soisson, Astrid Stricker, Caro Suerkemper, Alex Tennigkeit, Pierre Tilman, Johannes Thoma, Rebecca Thomas, Peter Torp, Kata Unger, Annika van Vugt, Christian Weihrauch, Albert Weiss, Die Weissenhofer (Matthias Beckmann, Jörg Mandernach, Uwe Schäfer), Martin Wellmer, Maja Weyermann, Dana Widawski, Andrea Wilks, Stephen Wilks, Barbara Wille, et al.

Konzept: Caro Suerkemper

this is not a good portrait

gestern stiess ich auf diesen artikel hier im guardian. es geht darin um ein gemaltes bild, das die ehefrau eines in england lebenden malers (james needham heisst der) mitte mai auf der sozialen plattform imgur ins netz gestellt hat und das seitdem 800.000 mal angeklickt und 25.000 mal bewertet wurde.

der autor des guardian-artikels, ein kunst-kritiker namens jonathan jones, beschreibt das zwar etwas anders (laut ihm ist das foto „geteilt“ worden) aber er scheint auf solche feinheiten der sozialen medien auch nicht sonderlich viel wert zu legen.
stattdessen steht er offensichtlich eher auf knalleffekte, weil er gleich im ersten satz schon mit der these eröffnet, dass die einzige lehre, die wir aus der populatität des besagten gemäldes ziehen könnten folgende sei:

Painting can be popular in the digital age, provided it washes out all aesthetic ambition and reduces the 600 years of art history since the Renaissance to the level of a glorified selfie.

und so geht es dann weiter. das bild sei mittelmässiges geschmiere, wertlos und habe dieselbe wirkung wie kim kardashians selfies. genauso gefaket und oberflächlich und abstumpfend.

anschliessend listet der kritiker ein paar maler auf, die das malen nach fotos richtig gemacht hätten (degas, warhol und gerhard richter) und erklärt anhand dessen vom needham-bild das gegenteil:

But instead of elevating photography into painting, Needham has lowered painting to the triviality of instantaneous self-portraituree.

und ich werde langsam sauer. „wann fängt er denn nun mal an, irgendwas zu belegen?“ denke ich. der artikel ist eine einzige aneinanderreihung von beleidigungen, wäre ich der gemeinte künstler, ich würde wahrscheinlich mehrere jahre brauchen, um mich davon zu erholen.
aber statt endlich mal anzufangen, irgendeine seiner drastischen aussagen zu erläutern fängt dieser jones etwa ab der mitte seines texte bloss an, sich zu wiederholen.
der einzige lichtblick bleibt, dass ich den artikel überhaupt lesen kann. normalerweise trau ich mich an englischsprachige kunst-kritiken wegen des sprachlichen geschwurbels eher selten heran, aber das hier ist so platt, das versteh sogar ich.

This is not a good portrait. While Needham has moderate technical skill, he has not looked hard enough or perceptively enough to give his painting any real insight. If you think this is a tough realist portrait, look again. Needham’s vision has all the profundity of a 1970s sitcom.

an dieser stelle möchte ich den autor jetzt selber gerne fragen, ob er diese sache mit den 600 jahren kunstgeschichte, die ja seiner meinung nach das „digital age“ auf das niveau von selfies reduziert, also ob er diese 600 jahre nicht selber gerade überspringt, wenn er ein portrait als „nicht gut“ bewertet weil der künstler nur „moderate technical skills“ vorweisen kann.

aber es kommt noch beknackter:

Real portraiture goes a lot further. Compare this painting with any work by Lucian Freud and you will start to see the difference between an artist filling canvas and an artist actually seeing people in a special, unique way.

aha. also nichtmal „real portraiture“.

The selfie age is a tragedy for art. It has convinced everyone that “art” is something we can all do with a phone and a cheeky pose. Billions of complacent self-images are filling the cyberspace void. Needham’s online hit is proof that all this photographic narcissism is poisoning the way we look at real art as well.

und auch keine „real“ art! schön dass wir das auch noch geklärt hätten.

FAZIT:

dass der kunstbetrieb eine art zuchtbecken für die aller-arrogantesten ist, wussten wir ja. und dass sich die grössten spiesser und ewig gestrigen von der kunstwelt ebenfalls besonders angezogen fühlen ist auch nicht neu.

was mir allerdings neu war sind kritiker, die sich nicht nur auf kosten von künstlern profilieren sondern sich auch noch die allerschwächsten heraus suchen. kritiker, die weder besonders viel zu wissen scheinen noch besonders gut schreiben können und die sich, damit das keiner merkt beziehungsweise damit sie weiter für den guardian arbeiten dürfen, dann gezielt jemanden herauspicken, den sie zusammenfalten können. in diesem fall ein kleiner unbekannter maler, dessen ehefrau ein bild, was er ihr gemalt hat, voller stolz ins netz gestellt hat.

nachdem ich gestern den artikel gelesen hatte hab ich dann doch nochmal ausnahmsweise etwas gemacht, was man ja eigentlich nicht tun soll: ich hab die kommentare gelesen. und die empfehle ich jetzt auch allen, die der artikel genauso traurig gemacht hat wie mich. bei facebook ist zum beispiel der oberste, meist gelikte kommentar:

Dear Jonathan Jones, shut the fuck up and make some art of your own. Sincerely, The World.

foodporn

so, ich poste hier jetzt hin und wieder mal bilder und rezepte von den delikatessen, die ich mir mittags im atelier koch.
wie manche von euch vielleicht wissen war ich im früheren leben ja mal eine legende in sachen foodblogging.
den durchbruch hatte ich mit diesem rezept.

hier also jetzt mein erstes foodporn-posting von heut mittag. die nächsten dann kommentarlos.

ausgehtipp

(kaum stellt man mal n paar jahre nicht aus ist natürlich gleich alles am selben abend!)

„Gutes Geleit“
bei Axel Obiger
Brunnenstraße 29
10119 Berlin

Eröffnung am Freitag, den 29. April, 19 Uhr

30. April – 21. Mai 2016
Do – Sa: 14 – 19 Uhr und nach Vereinbarung.

mit Michelle Blade, Daniela Hoferer, Michaela Meise, Silvia von Pock, Susanne Ring, Jehoshua Rozenman, Maria Schoof, Eva Wisbauer, Cornelia Wissel, Gloria Zein und mir.

Eingeladen von Susanne Ring.


„Menagerie“

in der Toolbox – Finnisch-Deutscher Projektraum
Koloniestraße 120
13359 Berlin

Eröffnung am Freitag, den 29. April, 19 Uhr

30. April – 21. Mai 2016
Di – Sa: 14 – 18 Uhr

mit Aleksandar Jestrović, Alexander Horn, Archi Galentz, Buffy Klama, Carolina Brack, Catherine Bourdon, Christof Zwiener, Dunja Hamdorf, Eike Laeuen, Erik Weiser, Hannah Dougherty, Heikki Länkinen, Henrik Jakob, Ilia Kitup, Ina Sangenstedt, Mr. Ira Schneider, Jakob Roepke, Johanna Lonka, Joseph Heeg, Jovan Balov, Kaisu Koivistu, Karen Koltermann, Konstantin Voit, Laura Kärki, Liisa Kanerva, Magdalena, Mika Karhu, Nina Lassila, Otgonbayar Ershuu, Reiner Maria Matysik, Ricarda Wallhäuser, Saana Inari, Sanni Seppä, Sennf, Skadi Engeln, Susanne Schirdewahn, Tanja Vetter, The Niñxs (Helena Hernández & Rafael Koller), Tintin Patrone, Veronika Witte, Younis Al Azzawy und mir.

kuratiert von Anna E. Wilkens und Andreas Wolf
mit Support von Karen Koltermann

abb: mr. ira schneider
abb: mr. ira schneider

eine ausstellung in venedig

januar

verabredung mit einer sammlerin.
wir besuchen caro, eine gemeinsame freundin, im atelier und die sammlerin erzählt mal wieder von dieser extrem wichtigen ausstellung, die ihr mann, ein maler, die tage in einem der bedeutendsten sammlermuseen venedigs habe, der punta della dogana – und wir müssten selbstverständlich alle kommen! dann könne sie uns auch endlich mal klaus* vorstellen, den new yorker stargaleristen ihres mannes.

es klingt alles nach einem ziemlichen jahrhundert-event: irgendwas zwischen goldener hochzeit, 100stem geburtstag und retrospektive. sowas kann man natürlich schlecht absagen und ich zermartere mir den kopf, wie ich es ihr beibringen kann, dass ich es mir nicht leisten kann.
umso weniger überzeugend, wo sie mir ausgerechnet heute auch noch mitgeteilt hat, dass sie beschlossen habe, mir wieder eine arbeit abzukaufen. sie hatte mir schonmal vor 15 jahren eine abgekauft und jetzt also wieder.

ich nuschle meine bedenken aber trotzdem hervor und die sammlerin so, wie aus der pistole geschossen: „aber jetzt, wo wir dir das bild abkaufen, hast du ja geld!“


februar

flüge und hotel sind gebucht. wir teilen uns zu dritt ein zimmer: caro und ich von donnerstag bis sonntag und ab freitag kommt noch eine andere freundin dazu. ich gebe der sammlerin die termine durch.

ich bekomme zwar keine antwort aber meine nachricht wird als „gelesen“ angezeigt und das reicht ja erstmal.


april

morgen fliegen wir. ich hab seit meiner nachricht im februar nichts von der sammlerin gehört und die arbeit hat sie natürlich auch nicht gekauft.
ich bin am packen, das handy klingelt. caro. sie habe neuigkeiten. die sammlerin habe sich gemeldet und die eröffnung sei wohl doch nicht am samstag sondern sonntag. etwas ungünstig, weil wir dann ja schon weg sind.
aber am samstag gebe es ne preview und previews sind ja auch immer schön.

caro liest mir die etwas verworrene nachricht der sammlerin vor. sie schreibt, sie sei „zeitlich leider etwas eng gestaltet“ wegen der veranstaltungen am samstag aber sie hoffe, wir wären auch noch am sonntag da.

caro antwortet, dass wir ja, wie gesagt, am sonntag NICHT mehr in venedig seien und fragt, ob wir zu diesen „veranstaltungen“ am samstag nicht mitkommen könnten.
die antwort der sammlerin: leider sei sie nicht „herr des ablaufs“ (sic).

jetzt schaue ich mir die webseite des museums aber mal genauer an und finde heraus, dass es sich nicht, wie wir annahmen, um eine retrospektive handelt, sondern um eine gruppenausstellung mit 30 teilnehmerInnen.


donnerstag – anreise

um 6 klingelt der wecker. auf dem weg nach schönefeld treffe ich caro. sie hat ebenfalls kaum geschlafen und wir philosophieren ein bischen, ob wir wirklich gerade im begriff sind, nach venedig zu fahren um auf eine ausstellung zu gehen, bei der wir nicht reinkommen.

gegen mittag kommen wir auf der insel an und gehen erstmal ins hotel, die koffer abgeben. wir essen eine überteuerte gummilasagne und machen uns auf den weg, schonmal ein bischen kulturprogramm zu absolvieren. es fängt an zu regnen und ich bekomme halsschmerzen.
nach einem opulenten abendessen auf den hotelbetten ist die stimmung aber entspannt und um 10 schlafen wir schon.

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freitag

heute wieder schön kulturprogramm: palazzo ducale und scuola di san rocco.
danach shopping: caro kauft sich ne winterjacke und ich füge zu der bibliothek aus 2 kilo reiseführern in meiner handtasche nochmal 3 kilo kunstkataloge hinzu.

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obwohl ich mittlerweile davon abrate, die stimmung ist gerade so gut, schreibt caro der sammlerin nachmittags ne nachricht.
die antwort: man könne noch nicht sagen, was man abends machen werde.
später fragt uns die sammlerin doch noch, ob wir uns am nächsten morgen nicht treffen wollten, um was zu unternehmen.
obwohl mir langsam die lust vergeht sagen wir zu.


samstag

jetzt ist auch unsere 3. zimmergenossin da und zwei weitere berliner sind in der stadt, denen ebenfalls gesagt wurde, dass die eröffnung heute sei.

weil wir von der sammlerin nichts hören ziehen wir schonmal los in richtung barock-kirche santa maria della salute. unterwegs schreibt caro der sammlerin, wo sie denn stecken würde und wie es denn nun heute mit der preview sei.

die antwort kommt, als wir gerade in der sakristei stehen, zwischen tintoretto und tizian. sie sei unterwegs, schreibt die sammlerin, und die preview sei „leider nicht öffentlich“.

caro möchte mal jetzt einen moment alleine sein und die andere freundin und ich warten draussen in der sonne. wir sitzen ausgerechnet direkt gegenüber der punta della dogana und können dem verkabelten türsteher im schwarzen anzug dabei zusehen, wie er eingeladenen gästen die tür aufhält.

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später am tag, inzwischen in der accademia, schreibt caro nochmal eine nachricht. eine sehr diplomatisch formulierte, die unsere fassungslosigkeit zum ausdruck bringt.
die antwort der sammlerin: sie fände es schade, dass wir im vorfeld nicht einfach mal angerufen hätten, um besser zu planen.
(damit wäre die schuldfrage also auch geklärt.)

ausserdem schlägt sie vor, die ausstellung morgen früh vor der eröffnung noch schnell bevor wir losfliegen anzusehen, offenbar ist sie da schon für die öffentlichkeit zugänglich.

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sonntag – abreise

wir checken aus und caro und ihre freundin machen sich auf, nochmal auf die andere seite des canal grande um sich die vermaledeite ausstellung anzusehen.
ich schlendere derweil durch die strassen, esse noch ein stück pizza, kaufe noch ein paar hässliche souvenirs und kuck mir nochmal den bellini in der san zaccaria kirche an – denn ich habe beschlossen, dass dies viel besser zu meiner kleinen hübschen kunstreise passt.

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im bus zum flughafen erzählen mir caro und die freundin, dass sie hätten eintritt zahlen sollen, 15 euro pro person, aber caro habe behauptet, sie sei assistentin vom künstler-ehemann der sammlerin und müsse was für ihn abgeben. so kamen sie doch noch umsonst rein.

abends liege ich schon wieder zuhause in berlin im bett und erzähle dem mann neben mir von meiner erfolgreichen reise:
ich bin jetzt tintoretto-fan und wenn ich gute geschichten fürs blog aufschreiben kann bin ich ja eh immer zufrieden.

* name geändert

winti

letzte woche war ich wie gesagt in der schweiz zum aufbau. hier mein bericht (mit exklusiven touri-tipps!):

DONNERSTAG
gegen 3 eingeschlafen und um 5.45 wieder hoch, dann ne halbe stunde fürs anziehen und zähneputzen gerechnet und los.
am flughafen von der security wieder weggeschickt: „komm se ma inna stunde wieda!“ festgestellt, dass ich ne stunde zu früh aufgestanden bin.

mittags pünktlich am gewerbemuseum in winterthur.
kann sofort loslegen und wie immer bewundern alle meine transportkiste.
die sieht nicht nur professionell aus, offenbar hat sie auch funktioniert: jedes objekt was ich aus der verpackung schäle ist heil. nichtmal risse! sowas hab ich in den letzten hundert zehn jahren noch nicht erlebt.

transportkiste

das letzte objekt was ich aus der box hole hat immerhin ne ecke ab. heimlich bin ich sehr erleichtert und tu so, als ob das jetzt voll die hochkomplizierte operation wäre. der ganze aufbau dauert 20 minuten.

kurz bevor ich die acrylglashauben über die fertige karton-gruppe und den niggemeier stülpe gibts mittag. das verlängert meinen aufbau zum glück nochmal um ne halbe stunde.


touri-tipp:
fahren sie nach winterthur und essen sie mittag im café des gewerbemuseums. unfassbar lecker! (und das obwohl mir gesagt wurde dass man „lecker“ in der schweiz nicht sagt.)

nach dem essen nochmal arbeit: hauben drüber, mit dem ärmel staub abwischen, fertig.

mein beitrag zu "plot in plastilin", gewerbemuseum winterthur

henrik jacob, der auch aus berlin gekommen ist, baut derweil eine ganze kneipe auf. außerdem hat er ein phänomenales bodybuilder knet-bild in der ausstellung, was ich sofort kaufen würde.
überhaupt gibt es viele großartige arbeiten und der raum ist gut gefüllt. es gibt fantastische videos, mein liebstes ist das der russin ira elshansky, da musst ich fast heulen.
auch schön: „7 more minutes“ von iza plucinska.

der ausstellungsraum ist ziemlich voll, hauptsächlich mit sockeln an die bildschirme geschraubt sind und meine kartonfarbene kartongruppe und die blogger-miniatur, ebenfalls auf sockeln, kommen mir plötzlich ganz klein vor. im sockelgewirr behaupten sie sich so doll wie zwei käsewürfel zwischen… käsewürfeln.

die zeiten, als sich die kollegen bei den kuratoren beschwerten, dass meine arbeiten zu groß, bunt und laut sind und doch bitte nicht ausgerechnet neben ihrer arbeit stehen müssten, sind jedenfalls eindeutig vorbei.

vorbeie zeiten (knetkartons in winterthur)

ich dann also ins hotel. ein bischen schlaf nachholen.
fast verschlafe ich das abendbrot: essen gehen mit henrik auf kosten des museums.

weil vorsichtig angedeutet wurde, wir sollten ein bischen auf den preis achten, klappern wir diverse ausgehängte speisekarten ab. döner 12 euro, aha.
am ende entscheiden wir uns für einen etwas lahmen aber vergleichsweise günstigen nudelladen: zwei teller nudeln, wasser und rotwein für 75 euro.

ich bin früh im bett kann aber wieder nicht einschlafen, diesmal wegen dem mittagschlaf.
die halbe nacht kuck ich filme, die ich schonmal gesehen hab, auf netflix und schreib dem mann zuhause ne sms:
„deine kiste kam sehr gut an.“

FREITAG
pressekonferenz. etwa 20 leute, die kuratorin susanna hält einen vortrag und kündigt an, dass die künstler auch noch was sagen werden. gut, dass ich das tags zuvor noch nicht wusste sonst hätte ich sicher überhaupt nicht geschlafen.

den rest ihres vortrages verpasse ich, weil ich darüber nachdenke, was ich gleich sagen werde. mal überlegen. vielleicht „hier sehen sie einen ihrer kollegen im teppich“?
am ende sage ich dann nichts von dem was ich mir zurecht gelegt hab, sondern erkläre irgendwas technisches und: „das hier ist meine letzte arbeit in knete.“
während ich rede scheinen mir so manche augenlider etwas schwer zu werden aber ich bin dafür jetzt knallwach.

niggi im teppich im gewerbemuseum winterthur

danach mache mich auf den weg nach zürich, eine alte schulkameradin zu treffen, die bei facebook gelesen hat, dass ich in der schweiz bin.
barbara holt mich vom bahnhof ab und wir zuckeln zusammen durch die stadt. vorher hatte sie gefragt, was ich gerne unternehmen würde und ich hatte ihr mein bevorzugtes touri-programm vorgeschlagen: rumlaufen.


touri-tipp: zürich. eine fantastische stadt zum rumlaufen.

zürich im märz 2016

einmal setzen wir uns kurz irgendwo rein und ich bestell für 7 euro eine eierbechergroße portion cappuchino.
auf meine frage, ob sie auch sojamilch hätten, die bedienung so, auf schweizerdeutsch: „ich glaube ja, aber ich hab das noch nie gemacht.“
ich: „ach naja, is egal, dann nehm ich den einfach mit normaler milch“
bedienung: „nein, kein problem! ich möchte nur, dass sie wissen: ich hab das noch nie gemacht, ich kann nicht versprechen, dass er gut wird.“
ich: „ach, machen sie sich keine umstände, ich nehm den dann einfach mit milch.“
bedienung: „lassen sie mich ihren kaffee BITTE mit sojamilch machen!!!“

abends in winterthur bin ich wieder mit henrik zum essen verabredet. heute haben wir vom museum bargeld bekommen und weil meine schwiegermutter in der schweiz immer käsefondue isst will ich das auch mal machen und wir gehen in eine gaststätte wo uns schon im türrahmen beissender käsegeruch entgegen schlägt.

wir setzen uns und fangen augenblicklich an zu streiten. henrik ist dafür, wenn schon käsefondue dann mit herzhaftem käse. ich, die käse eigentlich garnicht mag, bin für milden. später geht es um die frage, ob picasso ein genie war (er dafür, ich – natürlich – dagegen) und, wo wir schon bei picasso sind, um frauen in der kunst.

zum glück schaltet sich jetzt das paar am nebentisch ein: entschuldigung, aber man habe gesehen, dass wir bier trinken. ob wir wahnsinnig seien, zu käsefondue trinke man weisswein!
sie laden uns zu wein und später zu schnaps ein und weil wir noch geld übrig haben beschliessen wir, auf die mischung aus käse, bier, wein und schnaps noch ein paar cocktails zu kippen.
da uns nichts besseres einfällt machen wir uns auf den weg richtung hotelbar.

grosses käsefonduefressen mit henrik jacob

es regnet aber mir ist warm in meiner polar-winterjacke also versuche ich, den reissverschluss zu öffnen, doch irgendwas hat sich verhakt. im gehen rüttle ich am reissverschluss.
vor der hotelbar angekommen bleiben wir stehen und ziehen mit vereinten kräften am reissverschluss. henrik ruckelt ihn mal probeweise ganz bis nach oben unters kinn wo er sich nun endgültig keinen milimeter mehr bewegt.
langsam ergreift mich panik. ich kann doch unmöglich in der jacke schlafen! und morgen auf der vernissage? ich muss doch vorher auch nochmal duschen!
ich versuche, meinen dicken kopf durch das kleine verbliebende halsloch zu zwängen aber bei der vorstellung, mit dem kopf in der jacke festzustecken, ohne mehr was zu sehen geschweige denn luft zu kriegen, kriege ich platzangst und reisse wie eine bekloppte mit aller kraft am reissverschluss: knorgs knorgs knorgs. die jacke ist offen. was für eine erleichterung.
dass der reissverschluss jetzt kaputt ist und ich die nächsten zwei tage mit offener jacke rumlaufen muss, egal.

weil ich drinnen auf dem barhocker kurz ohnmächtig werde gehen wir wieder nach draussen und trinken unsere cocktails im regen. henrik meint, das läge am sauerstoff. es sei immer wenig sauerstoff in solchen bars.

SAMSTAG
bevor die vernissage schon nachmittags beginnt mache ich mich im nieselregen auf, richtung kunstmuseum. die leute vom gewerbemuseum haben mir eine karte gegeben mit der ich in alle museen umsonst rein komm und – hier wieder ein touri-tipp – samstags um 11 ist das winterthurer kunstmuseum zumindest im märz, bis auf die 3 aufsichten, denen ich begegnet bin, leer.

allein im kunstmuseum winterthur

in den meisten sälen bin komplett alleine mit den bildern. in einigen sogar mit van gogh, vallotton, vuillard und morandi – ich bin total hingerissen!

van gogh im kunstmuseum winterthur


touri-tipp: gehen sie in das kunstmuseum winterthur, ein kleines museum mit einer wirklich herausragenden sammlung.

als ich hunger bekomm mach ich mich auf die suche nach einem supermarkt um anschliessend zu picknicken aber weil es immer noch regnet und ich meine jacke ja nicht mehr zu kriege schleppe ich meinen einkauf einfach wieder ins hotel. ich krümle das bett voll und kuck mir dabei einen ultra-traurigen liebesfilm auf netflix an, den ich schon zweimal gesehen hab.
kurz erwäge ich, mir das traurige ende für nach der vernissage aufzuheben aber dann heule ich doch nochmal kurz rotz und wasser und schreite danach zugeschwollenen auges und mit offener jacke zur vernissage.

leider hat sich das gefühl, dass meine pappkartons und die teppichrolle ziemlich untergehen, nicht gegeben. es ist voll. leute stehen um die zwei sockel herum aber scheinen nicht zu merken, dass da auch was drauf steht. zum glück darf man keine gläser mit reinnehmen sonst würden sie die wahrscheinlich darauf abstellen.

aufgrund der vielen videos tendiert das licht eher in richtung bar-beleuchtung. henrik lobt zwar die tatsache, dass man in diesem licht immerhin frisch aussehe, anders als sonst auf vernissagen, wo man ja immer besonders scheisse aussieht, mich kann das aber nicht aufmuntern. die feinen packpapierfarb-nuancen meiner kartons verschwimmen zu einem einheitsbraun.

ich beschliesse, dass es sicher nicht auffallen wird, wenn ich mal für ne stunde verschwinde um mir die anderen ausstellungen im hause anzusehen. erst die erotik-ausstellung eine etage tiefer und anschliessend noch das materialarchiv und bin von beidem schwer beeindruckt.


touri-tipp: schauen sie sich das material-archiv vom gewerbemuseum winterthur an. es gibt da ua. einen tisch mit verschiedenen „material-gerüchen“, wo man ein synthetisch hergestelltes parfum mit banknoten-geruch geniessen kann.
und wenn sie schonmal da sind schauen sie sich auch alle anderen ausstellungen im haus an!

zurück in der knet-etage labert mich eine niedliche kleine schweizer oma am weinstand voll. ich verstehe fast nichts, außer, dass sie wissen will, wie man knet-animationsfilme macht. ich erkäre es ihr.
meine arbeit, welche das sei, fragt sie, und als ich sie ihr beschreibe: „ah, das hab ich leider nicht gesehen.“

gegen 19 uhr bin ich wieder im hotel, packe und rechne aus, dass ich um 8 uhr aufstehen muss. ich lege mich vorsorglich schonmal ins bett und schlafe um halb eins völlig erschlagen vom liegen ein.

hotel loge, winterthur: wanddekoration und meine füsse

SONNTAG
heimreise. nach sprengstoff durchsucht worden.

„plot in plastilin“

6. März bis 18. September 2016
im Gewerbemuseum Winterthur
Kirchplatz 14
CH-8400 Winterthur
www.gewerbemuseum.ch

eröffnung ist am samstag, den 5. März, um 16 uhr.

teilnehmerInnen sind:
Aardman Animations (GB) / Diego Akel (BR) / Garri Bardin (RU) / Bruce Bickford (US) / Beni Bischof (CH) / René Castillo (MX) / Art Clokey (US) / Webster Colcord (US) / David Daniels (US) / Nick Donkin (AU) / Lukas Egger (CH) / Adam Elliot (AU) / Ira Elshansky (RU/IL) / Adrian Flückiger (CH) / Brigitta Garcia López (CH) / Bob Gardiner (US) / Philipp Hänger (CH) / Henrik Jacob (DE) / Katia Kelm (DE) / Stepan Koval (UA) / Guionne Leroy (BE)/ Camillo Paravicini (CH) / Izabela Plucinska (PL) / Claudia Röthlin (CH) / Tatia Rosenthal (IL /US) / Allison Schulnik (US) / Bertold Stallmach (CH/DE) / Moritz Stillhard (CH) / Jan Švankmajer (CZ) / Una Szeemann & Bohdan Stehlik (CH) / Will Vinton (US) / Irmgard Walthert (CH) / Studienrichtung BA Animation, Hochschule Luzern – Design & Kunst / u. a.

ich komm zur eröffnung und würde mich freuen, euch da zu treffen!

plot in plastilin, ausstellungsplakat

8 neue bilder

im archiv.

loch, 2015, öl auf leinwand, 120 x 100 cm

die meisten sind schon etwas älter aber sie waren bisher nie so ganz fertig. bei einem musste ich ne kirsche nochmal überarbeiten, bei nem anderen fehlte noch ein schuh und die flecken auf dem t-shirt hatten die falsche farbe. komischerweise komme ich kurz vor dem ende immer nie so richtig zu potte.

ausserdem finde ich ein paar bilder garnicht so gut aber ich dokumentiere sie trotzdem alle. man arbeitet einfach zu lange dran und meine schlechten skulpturen hab ich ja auch alle dokumentiert.

ausserdem hat mir vor kurzem mal eine freudin, die alte mal-häsin henrieke ribbe, was schönes dazu gesagt:

„gut oder schlecht spielt eigentlich keine rolle. man kann ja nicht immer nur gute bilder malen. die schlechten gehören genauso dazu wie die guten.“