überlegungen über PR-kram und sowas

bevor ich mit der „langen nach der beusselstraße 47“ angefangen hab war ich bloss einmal selbst an so einem tag der offenen tür als besucherin. das war noch in hamburg: ein künstlerhaus hatte eingeladen zum rundgang. die atmo erinnerte an einen weihnachtsmarkt. alle hatten sich hübsch angezogen und ihre ateliers schön aufgeräumt. das leergut endlich mal weggebracht und das ganze gerümpel, was seit dem einzug noch rumstand, weggeräumt. es gab selbstgebackenes und eine bar.

vielleicht weil ich weihnachtsmärkte mag wollte ich auch sowas haben. wenn ich schon nie ausstelle, dachte ich, kann ich das ja wenigstens im atelier machen. schön zum kaffee mit netten leuten auf dem ateliersofa.

nur wie kommen die auf mein sofa? ein rundgang wie sonst bei anderen offenen ateliers ist schonmal keine option. rundgänge funktionieren nur, wenn sich mehrere ateliers in einem haus befinden, was bei mir nicht der fall ist. meins ist eine 1-zimmer wohnung im 3. stock eines wohngebäudes und ich kenne auch keine anderen künstlerhäuser in der nähe, an die ich mich ranhängen könnte.

aber rundgänge sind schlau. so kriegt man auch leute aufs sofa, die man selber garnicht eingeladen hat. so funktioniert auch die artweek und deswegen finden auch so viele ausstellungen parallel statt: wenn eh alle kommen kommen ja vielleicht auch welche zu mir.
mein problem ist nur: ich will die garnicht bei mir haben. die passen nämlich nicht rein. 15 leute gleichzeitig und es wird eng.

ein anderes problem ist der oben erwähnte wohnhaus-aspekt. ich kann ja nicht mehrere tage am stück da horden von kunstpeople durchschleusen, die, wenn es zuviele werden, womöglich sogar im treppenhaus rumstehen … lauter so sachen.

insofern finde ich es eigentlich ganz gut, keine rundganganbindung zu haben. und schliesslich ist ja alles irgendwie ein rundgang, selbst bei mir im atelier: man kann von der atelierküche in den arbeitsraum gehen oder ins treppenhaus zum klo – ein 39 quadratmeter rundgang!

nagut, das ist doch eher klein und klein ist im zusammenhang mit kunst ja auch sonst nicht so der publikumsmagnet. (über das thema hatte ich schonmal geschrieben). an meine mit rauhfasertapete beklebten atelierwände passen genau 3 bilder übereinander. unter meinen gästen sind nur wenig große namen und das fernsehen kommt auch nicht. ich verteil keine goodiebags und shuttleservice gibt es auch keinen.
also alles super.

kommen wir also zu den einladungen.
mit einladungen kenn ich mich aus. einladungen bekommt man ja als künstlerIn einige. bei facebook wird man damit geflutet, als e-mails kommen bei mir so bis zu 5 stück am tag. und jetzt mal unter uns: ich öffne die meisten garnicht mehr. ich sehe bloss „verborgene empfänger“ und fühl mich nicht angesprochen.
oft kennt man die absender eh kaum und geht man doch mal auf eines dieser events steht man nur rum, betrinkt sich aus langeweile und fährt wieder nach hause ohne mit denen, die einen einluden, überhaupt gesprochen zu haben.
ich begreife eigentlich auch nicht, warum das alle noch immer so machen mit diesen serienbriefen. offenbar scheint man mit der methode dann ja doch immer noch ein paar treffer zu landen, bloss ich bin halt keiner.

oft sind in solchen mails auch ganze veranstaltungskalender aufgeführt: „liebe kunstfreunde,“ und dann eine liste mit allen ausstellungen an denen man in den nächsten monaten beteiligt ist. köln, strassburg, madrid.
vielleicht ahnen die absender ja bereits, dass die wahrscheinlichkeit, dass andere berliner künstlerInnen extra nach köln oder madrid reisen oder sich zumindest zufällig gerade dort aufhalten, nicht sehr groß ist aber so hat man wenigstens die botschaft vermittelt, dass man ordentlich was am laufen hat.

ich hab das früher auch so gemacht mit diesen serienbriefen, mach es aber schon länger nicht mehr. wenn ich heute einladungen per mail verschicke scrolle ich mein adressbuch durch und suche nach personen, mit denen ich mich gerne mal wieder unterhalten würde. allen bei denen das der fall ist schreibe ich eine mail. jede einzeln.

… und dann gibt es facebook. ich bin ja eigentlich eine große gutfinderin der sozialen medien und glaube auch weiterhin an deren potential. nur facebook fällt da gerade ziemlich raus. bei facebook die timeline zu scrollen wird irgendwie immer mehr wie den spamordner überfliegen ob man vielleicht was übersehen hat bevor man alles löscht. und wenn ich selber etwas veröffentliche weiss ich nie, ob das überhaupt jemand zu sehen bekommt.

wenn ich bei facebook und twitter sachen gleichzeitig veröffentliche, zb. neue blogartikel, und dann in meinem zähler nachsehe, wer von wo kommt, sind es von twitter 5x soviele klicks. dabei hab ich auf beiden plattformen ähnlich viele kontakte.

als ich jetzt auf facebook für meine „lange nacht“ einladen wollte, fing ich mal vorsichtig mit 100 an. sofort bekam ich herzrasen und dachte „ohgott wenn die jetzt alle kommen!“ am tag danach hatten 3 leute geklickt, dass sie kommen.
damit mehr als 3 leute kommen schickte ich nochmal 100 einladungen raus und ein paar tage später nochmal und nochmal. am ende hatte ich 500 einladungen verschickt. 11 gaben an, dass sie kommen würden und von denen sind 7 tatsächlich da gewesen.
soviel zu facebook.

bei twitter ist das anders. da gibt es so ein bescheuertes einladungstool ja garnicht. da kann man bestenfalls links posten. ich postete also den link zu meiner ausstellungsankündigung und der wurde allein ersten tag 400 mal geklickt.

und dann gibt es noch instagram. obwohl instagram ja zu facebook gehört, mag ich es immer noch sehr. ich kann mir täglich neue kunst angucken und entdecke immer wieder krasse neue malerInnen. und genauso kann ich auch meine eigene arbeit veröffentlichen und von anderen entdeckt werden und kann mir vielleicht sogar ein bischen was vom ewigen go-see und dämlichen rumstehen auf eröffnungen ersparen. denn ich muss ja nicht mehr durch physische anwesenheit glänzen um leute daran zu erinnern, dass es mich und meine arbeit auch noch gibt.
und bei instagram kann man natürlich auch einladungen posten, was ich auch tat.

dies ist also im groben meine werbestrategie: einfach ein mix aus wochenlanger größtmöglicher penetranz auf ALLEN KANÄLEN! tägliches bangen und am ende kommen exakt soviele, dass es nicht zu voll und nie ganz leer wurde. ein RIESEN erfolg!

(abb. aus dem fb-backend meiner „unternehmens-seite“, spricht irgendwie sehr schön für sich:)