viele fliegen und ein kuckuck

mit 15 hatte ich zu weihnachten eine feldstaffelei und einen braunen plastikkoffer mit ölfarben bekommen. ich glaub es waren lukas-studiofarben, also garnicht so schlecht, nur die tubengrösse wie tuschkasten-deckweiss.

an meinem ersten bild malte ich genau eine woche. eine woche weil es die „projektwoche“ in der schule war, ich hatte den ölmalkurs gewählt.
aufgrund von männlichen kursteilnehmern war ich nicht so richtig bei der sache, was erklärt, warum ich nur dieses eine bild malte. für mehr als eins hätte aber auch die farbe nicht gereicht.

als lebenslanger van gogh fan malte ich eine art wüstenlandschaft, die sich aus den van goghschen sonnenblumen ohne blumen und vase ergab.

anschliessend verlor ich das interesse an der ölmalerei wieder und ich hätte auch nie gedacht, dass ich jemals wieder eine feldstaffelei aufbauen würde.

…………

dann kam dieses bild von wolfgang mattheuer und ich beschloss, es sei an der zeit, es mal mit landschaft zu probieren und um herauszufinden, wie landschaften aussehen, kaufte ich mir logischerweise ein buch.

in dem buch wird unter anderem erwähnt, dass es nicht schaden kann, mal plain air painting zu machen (es ist ein amerikanisches buch), also beschloss ich, meinen alten freund eckhard in der wildnis in kraatz, bei fürstenwerder, nordwest-uckermark zu besuchen.

plain air painting tage in kraatz

mit 4 kilo farbe, einem kanister lösungsmittel, einem kanister autan, sonnenschirm, klappstuhl, gummistiefel, kompass, reiseföhn, bikini, fotoausrüstung und staffelei im einkaufstrolley fuhr ich für 4 tage aufs land.

um es vorweg zu nehmen: den bikini brauchte ich nicht. es war feucht und kalt und so windig, dass die staffelei mehrmals umkippte und ich den strohhut beim malen durchgängig festhalten musste (fragen sie nicht, wie das geht).

der plan war, sobald wie möglich die staffelei zu schultern und die gegend zu erkunden. weil aber der wind nicht nachliess beschloss ich, mich zunächst auf die felder, den tümpel und drei weiden hinter eckhards haus zu konzentrieren. es gibt hier eine alte scheune, dessen flügeltüren auch ganz gut als windschutz dienten.

plain air painting tage in kraatz

das erste bild sah garnicht soviel anders aus als mein wüstenbild von 1985, für jemanden im fortgeschrittenen alter jedoch noch erkennbar mit luft nach oben.
das zweite, dritte und vierte ebenfalls.

zwischendurch fragte eckhard, wie es laufe, und ich verkündete, dass es um die (nicht vorhandene) qualität der bilder ja zum glück nicht ginge! ich befände mich halt noch im training.

plain air painting tage in kraatz

das hauptproblem war das ständig wechselnde licht. beispielsweise eine gelb-grüne wiese im sonnenlicht: ich mischte ein bischen „saftgrün“ mit siena, gelbem ocker und weiss – schaute dann nochmal zur wiese – und die war plötzlich dunkelblau.
landschaft ist einfach fucking dauernd in bewegung! das wetter, der himmel, das licht, die schatten – ne kleine kaffeepause zwischendurch, in der hoffung, dass gleich alles noch so aussieht wie eben, kann man getrost vergessen.

plain air painting tage in kraatz

das nächste problem waren die landschafts-bewohner. hier muss ich mich wohl als neurotische grossstädterin outen. es brachte auch nichts, dass mir eckhard beim frühstück aus brehms tierleben vorlas.
dank öljacke und gummistiefeln (obwohl es überhaupt nicht regnete) fühlte ich mich gegen die mückenschwärme zwar noch gewappnet, ich hatte jedoch nicht mit hornissen gerechnet. die hatten in der scheune offenbar ein nest.
riesenhafte geschosse waren das, die mit ohrenbetäubendem lärm an mir vorbei heizten, während ich mich mit angezogenen schultern – stehend und mit pinsel in der hand! – tot stellte.
immerhin schienen sie nicht allzuviel interesse am terpentin zu haben wie die blöden fliegen die sich reihenweise auf die nasse leinwand plumsen liessen und dort kleben blieben.

plain air painting tage in kraatz

was vielleicht jetzt gerade nicht so rüber kommt, was ich damit aber eigentlich sagen will: plain air painting rulez! und die in der uckermark ganz besonders. obwohl ich meine hand dafür nicht ins feuer legen würde, dass zeitgenössische landschaftsmalerei wieder im kommen ist, möchte ich sie trotzdem jedem maler ans herz legen. es gibt kaum etwas, was euphorischer macht als mit insektenübersähter leinwand im feld zu stehen, den impuls unterdrückend einem kuckuck im benachbarten baum der die letzten 2 stunden ununterbrochen gekuckuckt hat „halt die schnauze!“ zuzurufen, und dabei zu versuchen, die hautfarben des schilfes zu kapieren.

plain air painting tage in kraatz

während ich im atelier normalerweise schon nach kurzer zeit schlechte laune bekomme wenn ich die töne nicht treff war es mir hier auf dem feld auch nach 4 tagen fast egal. selbst das ergebnis, ein haufen sandiger, insektenverklebter knallbunter bilder, die ich hier jetzt leider auch nicht zeigen kann, weil sie den eindruck erwecken könnten, ich würde jetzt in naiver malerei machen oder wäre irgendwie krank geworden, ist völlig ok.
ich wollte es einfach mal machen. und im herbst mache ich es nochmal!

plain air painting tage in kraatz