in abendgarderobe malende künstlerinnen auf instagram

eigentlich ist ja meine lieblingsfarbe öl. aber in öl sieht halt alles aus wie in öl gemalt und weil ich eh lieber anfängerin als fortgeschrittene bin wende ich hin und wieder auch mal völlig neuen medien zu (siehe hierzu auch meinen letzten post).

heutzutage ist anfängerin-sein ja auch viel einfacher als früher. man kuckt ein paar clips auf youtube und, peng, ist man profi (so hat mein sohn abitur gemacht). oder auf instagram. dort kann man malerei sehen, die noch feucht auf der staffelei steht. man bekommt einblicke in fremde ateliers, welche farben, pinsel und verdünner die leute benutzen und ob sie die leinwände auf keilrahmen spannen oder lose an die wand tackern. zugegeben, bei instagram geht es vordergündig nicht so sehr um die vermittlung von inhalten, aber ich als bildprofi kann die auch aus abbildungen herauslesen.

und bei diesem herauslesen stosse ich auf manche kuriositäten. in letzter zeit zum beispiel vermehrt auf leute, die vor dem malen ihre besten klamotten anziehen. eine verkaufte ihr outfit sogar anschliessend in auflage: „shirt $325, skirt $295“. und ein paar tage später postete sie dann noch ein workoutfoto in eben diesem 325$-shirt und 295$-skirt UND weissen lackschuhen!

weil ich es nicht fassen konnte, dass es sowas gibt, hab ich mal ihren namen gegoogelt und festgestellt, dass diese künstlerin sogar von ganz renommierten galerien vertreten wird. scheint aber dann ja doch nicht so viel einzubringen.

ein anderes instagram-phänomen sind sone art ikea-ateliers. das sind #artiststudios die aussehen, als wären das eigentlich landhäuser in schweden. gerade scheint noch die morgensonne zum fenster herein und gleich gibt es zum frühstück avocadoknäcke und blaubeermüsli.
die arbeitsplätze, die man auf den fotos sieht, sind meistens strahlend weisse tischoberflächen, mit moleskine skizzenbüchern, kaffeebecher und einer hand voll artistsupplies drumrum (wo man die markenlogos gut sehen kann). manche rücken auch noch topfpflanzen mit ins bild.

die marken die diese künstlerInnen da benutzen kaufen in meiner welt eigentlich nur künstlerInnen, die so viel verdienen, dass es ihnen egal ist, was die farben kosten. da macht es nix wenn eine 37ml-tube coelinblau von williamsburg 52€ kostet. ich kenn solche leute leider nicht persönlich aber immerhin folge ich ja jetzt welchen auf instagram.

und zu dem phänomen, dass so viele künstlerInnen auf instagram so überdurchschnittlich gut aussehen fällt mir noch die geschichte ein, wie ich mal bei einer korrektur dabei war die mein alter kumpel philipp schewe bei prof. blume hatte. philipp zeigte fotos, auf denen er selbst zu sehen war und blume meinte, ob ihm nicht klar sei, dass er als künstler eigentlich zu gut aussehe.
ob das auch für künstlerinnen gilt wurde nicht geklärt.