wie meine artweek war

das schöne am berlinerin-sein ist: es ist artweek und man muss nicht hingehen. man kann es sich aber auch nochmal anders überlegen.

so war das bei mir am abend als die painting forever in den kunst-werken eröffnet wurde. vor wochen hatte ich sie mir in den kalender geschrieben und freute mich drauf – bis ich ich eine stunde vor der eröffnung den monopol-artikel las.
schlagartig hatte ich schlechte laune. ich könnte einfach nicht gehen, überlegte ich, was meine laune aber nicht besserte. es ging nicht anders: ich musste es mit eigenen augen sehen.

die bude war brechend voll, draussen war die strasse abgesperrt, es gab eine bühne mit liveband, luftballons bunt bedruckte artweek-taschen wurden verschenkt und vor einem radio-ü-wagen stand einer der ins mikro sagte: „ich kannte franz ackermann schon, da kannte ihn noch keiner!“

ich boxte mir eine schneise drängelte mich in die kunst-werke, in erwartung einer ausstellung mit 74 namhaften zeitgenössischen malerInnen, die auf einer ausstellungsfläche (laut webseite) von 2000 quadratmetern auf 5 etagen gezeigt wurden – und alle bilder hingen an einer wand.

painting forever in den kunst-werken berlin

weil man es aber offenbar wichtig fand, den besucherInnen trotzdem die namen der malerInnen, die titel, technik und sogar masse mitzuteilen, wurden lagepläne verteilt.
neben mir stand ein älteres ehepaar, das etwas ratlos in dem gewirr nach dem bild ihrer tochter suchte und keinen plan bekommen hatte. ich bot ihnen meinen an. „das könnte sie sein!“ das zehnte von rechts? „ja! das ist sie!“ leider zu hoch um es genauer ansehen zu können.

an der wand gegenüber, hatte man beschlossen, lieber text statt malerei zu platzieren. zitate großer männer: van gogh, magritte, max ernst, beckett und baudelaire, und – ? – despina stokou. despina stokou ist, anders als van gogh, magritte und max ernst, teilnehmerin der ausstellung und hat in ihrem blog vor ein paar wochen tatsächlich etwas über die sonderbare hängung geschrieben. in ihrem artikel „bad curating“ schreibt despina stokou:

-Could I use a shelf or a little podest in space. I rarely hang the canvases you know, they always lean on something. 

-No, the paintings should hang within the limitation of their own material.

This show feels like a punishment. 

-Ok
[…]
-Yeah this is a show I inherited from my predecessor and now I am trying to do… 

Your worst. You are trying to do your worse aren’t you…
And it is. Bad curating. Crowding 70+ works in one room while you have a whole building, limiting their size to the equivalent of a stamp (120cm), hang the works in the most neutralising way possible (Peterburger/Salon style) and name the whole thing “Keihlrahmen” is about as bad as it gets.

gebracht hat diese kritik zwei sätze an der zitatewand. allerdings nicht die o.e. eigentliche kritik, sondern irgendein harmloser gag aus demselben artikel.
statt einer ernsthaften reaktion wurde die aussage der künstlerin kommentarlos inkorporiert und zum bestandteil der arbeit gemacht. der arbeit der kuratorin.
so wie auch die bilder zu material eines „gesamtwerkes“ wurden, in dessen gedrängel alle feinheiten untergehen und alles eigene übertönt wird.

ich habe mir die ausstellung angesehen um malerei zu sehen. gesehen habe ich irgendeine zurechtkonstruierte theorie. die theorie der kuratorin ellen blumenstein.
im dem programm steht, es ginge darum, nach den

[…] Potentialen [zu fragen], die das traditionelle Tafelbild auch heute für die künstlerische Produktion birgt. Indem die Schau die elementaren Komponenten des Mediums – Material, Farbe, Licht, Linie und Komposition – in zeitgenössischen Gemälden in den Blick nimmt fragt sie zugleich danach, wie wir Bilder heute ganz grundsätzlich (an)sehen.

das finde ich sehr erheiternd, zumal ich niemanden auf der eröffnung und auch in den folgenden tagen gesprochen habe, der sich anlässlich dieser ausstellung solche fragen stellt. die einzige frage, die ich bisher gehört habe, ist, ob die hängung ein witz sein soll.

mein zweites art-week highlight war die ABC. und das meine ich garnicht ironisch, bloss weil ich nur zwei ausstellungen besucht habe.
ich war wieder mit jan-holger mauss unterwegs, er hatte karten für die preview der ABC.
der vorteil an previews ist, dass es nicht so voll ist und man viel sehen kann.
was allerdings auch bedeutet, dass man sich über sein outfit mehr gedanken machen sollte, schliesslich will man zwischen den ganzen multimillionären nicht unschön auffallen. ich entschied mich also für einen kunstpelz-persianer, der noch aus meinem hochzeitsoutfit stammt.

die ABC preview war überraschend leer. ich war die einzige im pelz. die multimillionäre hielten sich hier eher im hintergrund. lediglich ein security mann fiel mir auf, so ein echter schwergewichts-bodyguard mit walkie-talkie und headset, der ein riesiges hals-tatoo mit zwei großen hautfarbenen pflastern überklebt hatte.

zur kunst kann ich wie immer nicht viel sagen. jan-holger gehört ja leider zu diesen entsetzlichen alles-sehen-wollern die sich jeden scheiss stundenlang ankucken. so trabte ich wie ein nervöses schwarz-gelocktes shetlandpony immer um ihn herum. ein stück vor – wo ist jan-holger? – achgott da erst – wieder zurück.

eine arbeit die mir überraschenderweise gut gefiel war so eine art überdimensionales trash-mobilé von diana sirianni bei figge von rosen. aber das lag warscheinlich nur daran, dass es jan-holger überhaupt nicht gefiel und je weniger es ihm gefiel umso mehr gefiel es mir.

überhaupt entdeckte ich plötzlich mein herz für trash zurück. was mir auf der documenta (an dem bericht schreibe ich noch!) noch auf die nerven gefallen war, gefiel mir hier ausgesprochen gut.
ganz traumhafte arbeiten zb. von nina canell bei konrad fischer: kaugummis und kieselsteine auf beiger auslegeware, eine verbogene radioantenne, eine handvoll fussel in einem schrankgroßen plexiglaskasten, ein einzelner fussel hinter einer glasscheibe, gerahmt.
wenn das wort nicht so peinlich wär würde ich sagen: poetisch.

schöne malerei gabs von jens fänge gabs bei galleri magnus karlsson. wobei die bilder auf einer bedruckten tapete hingen und mich diese malerei-installationen langsam echt nerven. einmal weil es davon scheinbar gerade eine art revival gibt und ich sachen, die IN sind, immer verdächtig finde, und zum anderen weil es mich traurig macht, wenn maler zu glauben scheinen, das bild reiche nicht aus.

ähnliches problem auch bei dem duo muntean/rosenblum bei zink: die malerei ganz grossartig – aber um die ging es scheinbar garnicht. ein drittel der koje wurde abgebrannt, in der fingierten brandstelle lehnte ein verkohlter keilrahmen und die galerie-assistentinnen hatten ruß-beschmierte wangen und brandlöcher in den blusen. mein erster reflex war: „kann ich ein foto machen?“
ich konnte. aber nachdem ich eines gemacht hatte tuschelte der galerist mit der assistentin und mir wurde gesagt: bitte nichts veröffentlichen worauf auch die assitentin zu sehen ist und grundsätzlich auch nur in absprache.
schade, fast hätte ich die galerie empfohlen.

meinen diesjährigen ABC-preis in der kategorie „bestes galeristInnen-styling“ bekommt übrigens die galerie dorothea schlueter. und finde es bemerkenswert, dass andere ihre kojen abfackeln und mitarbeiter in kostümen rumlaufen lassen – während dorothea schlueter ganz gechillt ein paar karozeichnungen aufhängt und ein buch auf einen tisch legt.

insgesamt hat mir die ABC dieses jahr jedenfalls gefallen. hätte ich nicht nach 2 stunden hunger bekommen, ich wäre sicher länger geblieben.